Bericht der Weltwetterorganisation: Die Welt im Ungleichgewicht

Die Weltwetterorganisation hat in ihrem jährlichen Bericht erstmals das Energie-Ungleichgewicht der Erde als einer der Schlüsselindikatoren für den globalen Temperaturanstieg analysiert. Besonders schlimm trifft es die Weltmeere.
24.03.2026 – Die Weltwetterorganisation - World Meteorological Organization (WMO) – bestätigt für 2025, die abermals extrem hohen Temperaturanstiege seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Mitte Dezember hatte der europäische Copernicus Climate Change Service für 2025 das zweitwärmste Jahr seit Beginn der Messungen prognostiziert. Mit 1,43 Grad über dem Globalen Mittel von 1850 bis 1900 verifiziert die WMO nun diese Befürchtungen. 2025 sei der zweit- oder dritthöchste Temperaturanstieg in der Geschichte. Seit 2015 seien nun 11 Jahre in Folge neue Temperaturrekorde verzeichnet worden.
„Wenn die Geschichte sich 11-mal wiederholt ist das kein Zufall mehr, es ist ein Zeichen zu handeln“, sagte UN-Generalsekretär António Guterres am gestrigen Montag zur Veröffentlichung des Berichts der WMO. „Die Erde gerät an ihre Grenzen, alle Klimaindikatoren stehen auf Rot“, so Guterres weiter.
Bei den von der WMO analysierten Klimaindikatoren handelt es sich um die Höhe der CO2-Äquivalente in der Atmosphäre (die so hoch wie noch nie sind, seit Beginn der Aufzeichnungen), die globale Mitteltemperatur (die erwähnten 1,43 Grad Celsius), die Wärme in den Ozeanen (auch hier ein neuer Rekordwert 2025), der Meeresspiegel, die Versauerung der Ozeane, der Rückgang der Gletschermassen unserer Erde, sowie der Rückgang des Meereises in Arktis und Antarktis.
Als einen wichtigen Klimaindikator neu aufgenommen und analysiert wurde in dem Bericht das sogenannte Energie-Gleichgewicht der Erde, dass sich laut WMO im Ungleichgewicht befindet. Der Indikator misst den Umfang von Energie, der in das Erdsystem eintritt, sowie die Energie, die das Erdsystem verlässt. In einem stabilen Klima ist die Energie, die durch Sonnenstrahlen in das Erdsystem eindringt, so hoch, wie die Wärmeenergie, die die Erde verlässt.
Der Treibhauseffekt
Doch diese sogenannte langwellige Wärmestrahlung wird zunehmend am Austritt aus dem Erdsystem gehindert, durch den Anstieg der Treibhausgase. Bis zu einem gewissen Grad sind die natürlich vorkommenden Treibhausgase, die die Erde umgeben, wichtig. Sie halten Wärme zurück, damit die Erde nicht vereist. Doch der Mensch sorgt durch den Ausstoß von Emissionen, unter anderem über fossile Kraftwerke und Waldbrände, dafür, dass die Treibhausgasschicht so dicht wird, dass nicht genügend Wärmeenergie die Erde verlassen kann und von Erde, Wasser und Luft aufgenommen wird.
Den größten Anteil der überschüssigen Wärmeenergie nehmen unsere Ozeane auf. Mehr als 91 Prozent der überschüssigen Energie ist es laut WMO. Das schützt die Landmassen bislang noch vor viel heftigeren Temperaturanstiegen. Fünf Prozent nehmen die Landmassen auf, drei Prozent die sogenannte Kryosphäre, also alle gefrorenen Wasserbereiche der Erde, wie Gletscher, Meereis, Schnee und Permafrost, und ein Prozent absorbiert die Atmosphäre.
Es sind jedoch die extrem steigenden Meerestemperaturen die Regenfälle und Wirbelstürme immer heftiger werden lassen. Höhere Meerestemperaturen und eine wärmere Atmosphäre stellen den Wetterlagen mehr Energie und Feuchtigkeit zur Verfügung. Steigende Meerestemperaturen erhöhen die Verdunstung, was zu feuchterer Luft führt. Die Zunahme der Meeresoberflächentemperatur von einem Grad, führt statistisch zu sieben Prozent mehr Niederschlag. Um eben diesen einen Grad ist die Meeresoberflächentemperatur seit dem späten 19. Jahrhundert etwa gestiegen.
Auch forcieren die steigenden Meerestemperaturen das Schmelzen von Meereis in Arktis und Antarktis. Der Meeresspiegel steigt. Neuesten Analysen zufolge könnte der Meeresspiegelanstieg weitaus höher sein als bislang angenommen. Forscher:innen aus Deutschland und den Niederlanden stellten fest, dass die meisten Küstenimpaktstudien einen Referenzmeeresspiegel verwenden, der im weltweiten Durchschnitt niedriger ist als der tatsächliche Meeresspiegel entlang der Küste. So könnten 37 Prozent mehr Fläche und 68 Prozent mehr Menschen – bis zu 132 Millionen – von dem steigenden Meeresspiegel betroffen sein.
„Menschliche Aktivitäten stören zunehmend das natürliche Gleichgewicht unserer Erde. und wir werden mit den Folgen noch Hunderte, ja Tausende von Jahren leben müssen“, sagt die Generalsekretärin der WMO Celeste Saulo. „Unser Wetter wird immer extremer. Im Jahr 2025 haben Hitzewellen, Waldbrände, Dürren, tropische Wirbelstürme, Stürme und Überschwemmungen Tausende von Todesopfern gefordert, Millionen von Menschen betroffen und Milliarden an wirtschaftlichen Schäden verursacht.“
UN-Generalsekretär Guterres weist zudem auf die aktuellen kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ukraine und im Nahen Osten hin: „Im Zeitalter der Kriege offenbart der Klimawandel auch eine andere Wahrheit: Unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen destabilisiert sowohl das Klima als auch die globale Sicherheit.“ mg



















































