Gesellschaft in der Klimakrise: Die Woche der Klimaanpassung 2026 ist angelaufen

Deutschland passt sich an – konkret, kreativ und vor Ort. Mit rund 400 Veranstaltungen und 250 Partnern zeigt die Woche der Klimaanpassung 2026 in ihrer Jubiläumsauflage, wie tief das Thema in der deutschen Gesellschaft verankert ist.
15.09.2026 –Die Anpassung an den Klimawandel wird ein immer wichtigeres und drängenderes Thema. Der zu Ende gehende Sommer hat erneut einen Eindruck vermittelt, vor welche Herausforderungen der fortschreitende Klimawandel viele Menschen stellen wird. Das 1,5-Grad-Ziel aus dem Pariser Klimaabkommen wird nur noch erreichbar sein, wenn es gelingt, nach einer zeitweisen Überschreitung dieser Schwelle die Temperatur durch CO2- Entnahme aus der Atmosphäre wieder abzusenken – das gilt inzwischen als so gut wie sicher. Aktuell befindet sich die Welt auf einem Pfad, der bis ins Jahr 2100 zu 2,6-Grad Temperaturanstieg im Vergleich zur vorindustriellen Zeit führen würde – und auch danach würden die Temperaturen weiter steigen.
Die Woche der Klimaanpassung stellt das Thema bundesweit in den Mittelpunkt
Wo stehen wir, was sind effektive Maßnahmen, gibt es unerwünschte Nebeneffekte? Die bisherige Klimaanpassung wird oft zu kleinteilig und isoliert betrachtet; der fortschreitende Klimawandel erhöht rasant den Handlungsdruck. Expertinnen und Experten machen deutlich: Anpassung hinkt auf politischer, kommunaler und individueller Ebene dem Notwendigen weit hinterher, grundlegende Transformation sind unerlässlich und dringlich.
Handeln statt reden
Hier setzt die Woche der Klimaanpassung (WdKA) an – und feiert in diesem Jahr ihr fünfjähriges Jubiläum – und das Wachstum der Aktionswoche spricht für sich. Rund 400 Veranstaltungen zeigen in dieser Woche vom 14.-20 September 2026 das gesamte Spektrum der Klimaanpassung in Deutschland: kommunale Schutzkonzepte, Biodiversitätsprojekte, Bürgerwerkstätten, Präventionskampagnen und internationaler Fachaustausch. Was die WdKA seit Beginn auszeichnet – und was auch in diesem Jahr gilt: Es gibt kein einheitliches Format, keine Pflichtveranstaltung, keine Bürokratie. Jede Kommune, jede Einrichtung, jeder Verband bringt sein Thema auf seine Weise ein – von Grundschulen bis zu Fachkongressen, von kleinen Kommunen bis zu internationalen Fachdebatten.
„Viele Menschen sind sehr besorgt, wie wir uns an die Folgen des Klimawandels anpassen können. Den allermeisten leuchtet aber auch ein: Wir haben Handlungsmacht, können schon mit einfachen Maßnahmen wie mehr Grün in Städten und Gemeinden unheimlich viel erreichen,“ sagt Carel Mohn, Botschafter der Woche der Klimaanpassung 2026 und Leiter von klimafakten.de. Das Ergebnis ist ein Bild von Deutschland, das man selten sieht: ein Land, das aktiv an seiner Zukunftsfähigkeit arbeitet – von Flensburg bis Berchtesgaden, getragen von Kommunen, Verbänden, Schulen, Gesundheitseinrichtungen, Forschung und Zivilgesellschaft.
Vernetzung als Motor
Was die WdKA 2026 neben der Vielfalt an Veranstaltungen besonders auszeichnet, ist ihr Vernetzungscharakter. Die Veranstaltungen der Woche verbinden nicht nur Menschen mit einem Thema – sie verbinden Menschen miteinander. Das geschieht auf mehreren Ebenen gleichzeitig.
Verwaltung trifft Bürger:innen – vor Ort und in Bewegung
Klimaspaziergänge und interaktive Stadtrundgänge machen Klimaanpassung buchstäblich ergehbar. In Pforzheim etwa begleitet die Stadt Interessierte zu fertigen und im Entstehen begriffenen Anpassungsmaßnahmen im Stadtbild – mit Anregungen, die sich auch privat umsetzen lassen. Die Stadt Leipzig geht einen Schritt weiter: Eine digitale Klima-Rallye lädt Schulklassen und die breite Öffentlichkeit zu einer App-gestützten Schnitzeljagd durch die Innenstadt ein, bei der Themen wie Biodiversität, Mobilität und Klimaanpassung unmittelbar erfahrbar werden. Am ELBCAMPUS in Hamburg erwartet Fachleute und interessierte Privatpersonen gleichermaßen ein ganzes Wochenprogramm – von technischen Fachveranstaltungen bis zum „Schietwetterklönschnack“, ein offenes Gesprächsformat, das Klimaanpassung mit Hamburger Direktheit und ohne Hemmschwelle in den Alltag holt.
Wissen teilen – thematischer Austausch über digitale Formate
Webinare ermöglichen ortsunabhängigen Fachaustausch. Der Deutsche Wetterdienst stellt in einem zweistündigen Online-Format vier praxisrelevante Klimadienste für Städte und Kommunen vor.
Besonders hervorzuheben ist das internationale Online-Seminar „Cities are getting hotter“ des Urban Sustainability Exchange, ein Projekt der Berliner Senatskanzlei, mit Dr. Sara Meerow, Associate Professor an der University of Colorado Boulder: Fachleute aus zwölf Ländern diskutieren sieben Schlüsselprinzipien klimaresilienter Stadtentwicklung – ein Brückenschlag zwischen Wissenschaft und kommunaler Praxis, der zeigt, wie die WdKA nationale Debatten in einen globalen Kontext einbettet.
Kommunen als Impulsgeber – Nachmachen ausdrücklich erwünscht
Viele Veranstaltungen folgen demselben Prinzip: Was funktioniert, soll weitergetragen werden. Die Berliner Regenwasseragentur präsentiert die Entsiegelung der Blücherstraße in Kreuzberg – ursprünglich eine pragmatische Reaktion auf Wurzelschäden, heute ein vielbeachtetes Modell für andere Bezirke und Kommunen. 1.200 Quadratmeter entsiegelte Fläche, eine neue Fahrradstraße mit Temposchwellen: eine Lösung, die zeigt, wie aus Notwendigkeit Vorbildwirkung entsteht. Die Preisverleihung des Blauen Kompass durch das Umweltbundesamt (UBA) und das BMUKN gibt gelungenen kommunalen Ansätzen bundesweite Sichtbarkeit.
Hier das vollständige Programm mit Filterfunktion nach Region, Thema und Format. Save the Date: MediaTalk am 18.09. 2026 (Online) um 11 Uhr mit Carel Mohn und Iris Pinkepank, ParkplatzTag Köln, zur Anmeldung
Experten:innen-Kommentare zu Klimaanpassungsmaßnahmen
Seit Juli 2024 ist in Deutschland das Klimaanpassungsgesetz in Kraft, mit dem Klimaanpassung verpflichtend für Bund, Länder und Kommunen wird. So müssen etwa die Bundesländer bis zum 31. Januar 2027 eigene Klimaanpassungsstrategien vorlegen und dann mindestens alle fünf Jahre aktualisieren.
Das Science Media Center Germany nimmt die Woche der Klimaanpassung zum Anlass, um Expertinnen und Experten zu fragen, wie es aktuell um die Anpassung in Deutschland, Österreich und der Schweiz bestellt ist.
Dr. Andrea Reimuth ist leitende Wissenschaftlerin und Dozentin, Lehrstuhl für Datenwissenschaft in der Erdbeobachtung an der Fakultät für Ingenieurwesen und Design der Technischen Universität München (TUM):„Aus meiner Sicht müssen wir Klimaanpassung künftig stärker als integrierte Aufgabe verstehen. Statt isolierter Einzelmaßnahmen braucht es einen ganzheitlichen Ansatz, der technische, ökologische und gesellschaftliche Aspekte gleichermaßen berücksichtigt. Für ein resilientes urbanes Wassermanagement bedeutet das beispielsweise das Zusammenspiel innovativer Technologien, belastbarer Daten und einer aktiven Einbindung der Bevölkerung.“
Genau hier setzt die Woche der Klimaanpassung an. Ein häufig unterschätzter Punkt sei, so Reimuth weiter, dass Klimaanpassung in der Praxis deutlich langsamer voranschreitet als der Klimawandel selbst. „Viele Maßnahmen benötigen von der Planung bis zur vollständigen Wirkung Jahre oder sogar Jahrzehnte. Stadtbäume sind ein gutes Beispiel: Sie können durch Schatten und Verdunstung die Hitzebelastung wirksam verringern und durch Regenwasserversickerung Überflutungen mindern. Jedoch dauert es viele Jahre, bis frisch gepflanzte Bäume ihre volle Größe und damit Wirkung erreichen. Gleichzeitig fehlt in dicht besiedelten Städten oft der Raum, da der Ober- und Untergrund bereits massiv genutzt werden. Hinzu kommt, dass die Kosten für Pflege, Bewässerung, Instandhaltung und gegebenenfalls Ersatz über die gesamte Lebensdauer berücksichtigt werden müssen. Deshalb bleibt Klimaschutz unverzichtbar, um die Grenzen der Anpassungsfähigkeit nicht zu überschreiten.“
Mit KI und Fernerkundung besser analysieren
Prof. Dr. Sina Keller, Leiterin der Arbeitsgruppe Umwelt- und Geoinformatik, Institut für Photogrammetrie und Fernerkundung, Forschungszentrum Informatik (FZI) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT),weist auf die Nutzung verlässlicher Daten bei der Planung von Klimaanpassungsmaßnahmen hin: „Mit Künstlicher Intelligenz und der Fernerkundung können wir große, zusammenhängende Bereiche flächig analysieren und gleichzeitig kleinräumig zeigen, wo konkrete Potenziale für die Klimaanpassung liegen und welche Maßnahmen jeweils sinnvoll sind. Uns stehen heute umfangreiche und regelmäßig aktualisierte Fernerkundungsdaten zur Verfügung. Das transformative Potenzial für eine Klimaanpassung liegt darin, diese Daten mithilfe von KI-Methoden automatisiert auszuwerten und daraus konkrete Informationen für Klimaanpassungs-Maßnahmen abzuleiten. Aus räumlich hochaufgelösten Luft- und Satellitenbildern können wir beispielsweise sehr detaillierte Informationen zur Landbedeckung gewinnen: Wo befinden sich stark versiegelte Flächen (graue Infrastruktur), wo niedrige oder hohe Vegetation, wo Dächer oder Gewässer?Darauf aufbauend lassen sich weitere Indikatoren wie die Vitalität der Vegetation, das vorhandene Grünvolumen oder kühlwirksame Freiflächen präzise ermitteln.“
In einem weiteren Schritt, erläutert Keller weiter, „werden diese Indikatoren mit weiteren Geodaten – etwa zu Gebäuden, zur Bevölkerungsverteilung oder zur kritischen Infrastruktur – verschnitten. Denn für wirksame Maßnahmen genügt es nicht, zu wissen, wo urbane Hitzeschwerpunkte zu finden sind. Ebenso wichtig sind das genaue thermische Verhalten dieser Zonen im Tages- und Nachtverlauf sowie die Betroffenheit der Bevölkerung. So lassen sich insbesondere Hotspots identifizieren, die sich tagsüber und nachts stark erwärmen, aber auch kühlende Bereiche und Entstehungsgebiete für Kaltluft, deren Klimafunktion gezielt erhalten werden sollte. Letztendlich können wir räumlich differenziert herausfinden, wo bereits klimaaktive Strukturen vorhanden sind, erhalten werden sollten und wo Potenziale für zusätzliche Maßnahmen liegen.“
Als konkretes Beispiel nennt sie das umfangreiche Forschungsprojekt für das Land Hessen, „in dem wir diesen Ansatz von der Landes- bis zur kommunalen und örtlichen Ebene umgesetzt haben. Als Beispiel wurden hier stark versiegelte und thermisch belastete Bereiche präzise identifiziert und gleichzeitig Flächen sichtbar gemacht, deren bestehende Grünstrukturen eine essenzielle Klimafunktion erfüllen. Für die konkrete Planung von Klimaanpassungsmaßnahmen ermöglicht dies eine gezielte räumliche Priorisierung von Handlungs- und Erhaltungsbedarfen.“
Aus der Sicht von Prof. Dr. Roland-A. Müller, Leiter des Departments Systemische Umweltbiotechnologie, Themenbereich Nachhaltige Technologien für die Umwelt am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig, muss Klimaanpassung Teil der kommunalen Daseinsvorsorge werden, ähnlich wie die Siedlungswasserwirtschaft. Positiv sieht er, dass inzwischen viele Maßnahmen wie Stadtgrün, Gründächer, Entsiegelung oder Regenwasserrückhalt umgesetzt werden. Vernachlässigt werde noch zu häufig die gesamtstädtische Perspektive. „Wir müssen unsere Städte resilient gegenüber Hitze, Dürre und Starkregen machen. Dafür stehen uns mit der blau-grünen Stadtentwicklung bereits viele Instrumente zur Verfügung: etwa Gründächer, Fassadenbegrünung, optimierte Baumstandorte und Regenwasserspeicherung. Wasser sollte in regenreichen Zeiten möglichst in der Stadt gehalten werden, damit es in Trockenperioden für Stadtgrün und Kühlung zur Verfügung steht. In Leipzig haben wir dafür als deutsche Modellstadt modellbasierte Szenarien und konkrete Lösungen für unterschiedliche Stadtquartiere entwickelt. Entscheidend ist nun, diese Ansätze gemeinsam mit Stadtplanung, Umweltverwaltung, Wasserwirtschaft und weiteren Akteuren in die breite Umsetzung zu bringen.“
Zu kurz kommt aus seiner Sicht vor allem die strategische Betrachtung der gesamten Stadt: „Die Frage ist nicht, wie viele Gründächer oder grüne Innenhöfe wir finanzieren können, sondern wie viele wir brauchen, um tatsächlich relevante Kühlung, Wasserrückhalt oder zusätzliches Bewässerungswasser zu erreichen. Ebenso werden Finanzierung, Betrieb und langfristige Pflege häufig noch zu wenig berücksichtigt. Einfache Maßnahmen liegen dort, wo ohnehin gebaut oder saniert wird, etwa bei der Entsiegelung, besseren Baumstandorten oder der Speicherung und Nutzung von Regenwasser. Solche Einzelmaßnahmen sollten aber immer Teil eines gesamtstädtischen Konzeptes sein.“
Mit modellbasierten Szenarien ließen sich Wasserflüsse, Wasserbedarf, Hitze und Starkregenrisiken für unterschiedliche Stadtgebiete untersuchen, so Müller. „Daraus kann abgeleitet werden, welche Maßnahmen an welchem Ort tatsächlich sinnvoll sind. Wasser ist dabei gleichzeitig Teil des Problems und ein wesentlicher Teil der Lösung für die Klimaanpassung. Das UFZ Stadtbüro unterstützt Kommunen deshalb bei der Standortbestimmung und bei der Entwicklung und Vorbereitung geeigneter Maßnahmen, unter anderem im Coaching mit zunächst zehn deutschen Städten.“
Finanzierung der Maßnahmen
„Klimaanpassung kostet Geld, aber fehlende Anpassung kann langfristig wesentlich teurer werden“, so Müller weiter. Deshalb müssen neben den Investitionen auch vermiedene Schäden durch Starkregen, gesundheitliche Folgen von Hitze und mögliche Einsparungen bei konventioneller Infrastruktur berücksichtigt werden. Besonders sinnvoll ist es, Klimaanpassung mit ohnehin anstehenden Investitionen in Straßen, Gebäude und Quartiere zu verbinden. Zusätzlich brauchen Kommunen langfristige Finanzierungsmodelle und gezielte Anreizsysteme für Investitionen in Klimaanpassung. Dabei müssen auch Wohnungsunternehmen, Grundstückseigentümer und Versorger stärker einbezogen werden.“
Grenzen der Anpassung
Klimaanpassung kann den Klimaschutz nicht ersetzen, darin sind sich alle einig. „Wir müssen uns an Veränderungen anpassen, die bereits heute auftreten und sich weiter verstärken werden“, so Müller. Aber Anpassung hat physikalische und technische Grenzen, beispielsweise wenn Hitze und Dürre so stark werden, dass auch das Stadtgrün nicht mehr ausreichend mit Wasser versorgt werden kann. Die Vorstellung, wir könnten uns an jede beliebige Erwärmung anpassen, ist deshalb falsch. Je stärker wir den Klimawandel begrenzen, desto größer bleibt unser Handlungsspielraum für wirksame Anpassung.“
Mögliche unerwünschte Nebeneffekte von Anpassungsmaßnahmen
„Nahezu jede Maßnahme muss in ihren unterschiedlichen Wirkungen betrachtet werden“, so Müller weiter. „Mehr Stadtgrün kann beispielsweise die Stadt kühlen, benötigt in Trockenperioden aber zusätzliches Wasser. Auch Entsiegelung kann gesellschaftliche Konflikte auslösen, wenn dafür beispielsweise Parkplätze oder andere Nutzungen entfallen. Deshalb müssen wir Wirkungen und Zielkonflikte möglichst früh untersuchen und die Betroffenen in die Planung einbeziehen. Entscheidend ist die richtige Kombination von Wasser, Grün und gebauter Infrastruktur für den jeweiligen Standort im Sinne einer integrierten Stadtentwicklung.“
„Generell ist die Anpassung in Deutschland, Österreich und der Schweiz vorwiegend ein reaktiver Prozess“, sagt Prof. Dr. Lisa SchipperProfessorin für Entwicklungsgeographie vom Geographischen Institut an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. „Allerdings wird den Regierungen auf verschiedenen Ebenen sowie der Bevölkerung zunehmend bewusst, wie wichtig Vorsorge und tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen sind. Die Anpassung an den Klimawandel ist nicht immer einfach oder möglich. Die beste Form der Anpassung bleibt die Verringerung der Treibhausgasemissionen. Wenn das Problem des Klimawandels gar nicht erst entsteht, müssen wir uns auch keine Gedanken über Anpassung machen. Leider haben die Regierungen so langsam auf den Klimawandel reagiert, dass wir uns nun der Realität stellen müssen: Die meisten Gesellschaften werden nicht in der Lage sein, sich vollständig an die Auswirkungen des Klimawandels anzupassen. Das bedeutet nicht, dass wir es nicht versuchen sollten. Wir dürfen uns jedoch keinesfalls eine Welt vorstellen, in der es im Durchschnitt zwei Grad wärmer ist und wir unser Leben einfach so weiterführen können, als hätte sich nichts geändert.“
Die Botschaft zu vermitteln, dass ‚schon alles gut gehen wird und wir uns einfach anpassen können‘ sei nicht nur irreführend, sondern könne auch sehr gefährlich sein, warnt die Wissenschaftlerin. „Es geht nicht um einzelne Maßnahmen, sondern darum, Anpassungsstrategien im größeren Zusammenhang zu sehen. Als der Rhein diesen Sommer extremes Niedrigwasser führte, musste der Gütertransport auf die Schiene verlagert werden. Doch die Bahninfrastruktur ist darauf nicht ausgelegt – und wie wir in Deutschland wissen, weist das Bahnnetz massive Mängel auf. Dennoch muss dieser Punkt im Rahmen einer umfassenden Verkehrsstrategie Priorität erhalten, die den sommerlichen Wassermangel in den Flüssen berücksichtigt. Zudem zeigt sich hier, dass Anpassung und die Minderung von Treibhausgasemissionen keine getrennten Themenbereiche sind. Auch Energie, Verkehr und Infrastruktur müssen Teil der umfassenderen Debatte über Anpassungsmaßnahmen sein.“
Praxisnahe Orientierungshilfen schaffen
„Um auf Ebene von Gebäuden, Quartieren und Kommunen herauszufinden, welche Anpassungsmaßnahmen lokal sinnvoll sind, braucht es praxisnahe Orientierungshilfen. Das im Projekt HeatResilientCity entwickelte HRC-Hitzetool zeigt beispielsweise über ein einfaches Ampelsystem, wie sich konkrete Maßnahmen in Gebäuden und im Freiraum auf die Hitzebelastung auswirken, und unterstützt so fundierte Entscheidungen“, erläutert Dr. Regine Ortlepp, Leiterin des Forschungsbereichs Gebaute Umwelt - Ressourcen und Umweltrisiken am Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) in Dresden.Fragen der Klimaanpassung müssten noch stärker in aktuelle Planungen und Projekte und Investitionsentscheidungen integriert werden, fügt Prof. Dr. Jörn Birkmann, Leiter des Instituts für Raumordnung und Entwicklungsplanung (IREUS), Fakultät für Bau- und Umweltingenieurwissenschaften an der Universität Stuttgart, hinzu, „zum Beispiel im Straßenbau, bei der Bahn, in Krankenhäusern, bei Brücken, bezüglich digitaler Systeme und Techniken sowie der Wohnraumbereitstellung. na





























































