CO2-Emissionen in der Bauindustrie: Durchbruch für eine zukunftsfähige Zementproduktion

Die Zementherstellung verursacht rund acht Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen. Holcim Deutschland will die Dekarbonisierung des Industriesektors vorantreiben und hat dafür eine membranbasierte Testanlage im Zementwerk in Höver installiert.
28.08.2026 – Im Vergleich – der Flugverkehr ist für rund zwei Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. In der Zementproduktion liegt also ein großer Hebel für die Einsparung von Treibhausgasen. Die innovative Technologie einer membranbasierten Testanlage im Zementwerk in Höverwurde am Helmholtz-Zentrum Hereon entwickelt und von der Firma Cool Planet Technologies Limited (CPT) auf den Markt gebracht. Mit ihr sollen in Zukunft bis zu 90 Prozent der CO2-Emissionen aus dem Abgas des Werkes abgeschieden werden.
Das Projekt sei ein großer Schritt in Richtung zukunftsfähige Industrie in Deutschland, sagen die Akteure. Das Projekt erhält Fördergeld aus der „Bundesförderung Industrie und Klimaschutz“, mit der das Bundeswirtschaftsministerium die Dekarbonisierung der Industrie unterstützt, darunter die Entwicklung und Anwendung von CCU/S-Technologien (Carbon Capture, Utilization, and Storage) zur Abscheidung, Speicherung und Nutzung von CO₂.
Weltweit führender Ansatz zur CO2-Abtrennung
Zement ist das Bindemittel für Beton und damit einer der wichtigsten Rohstoffe für die Bauindustrie. Allein in Deutschland werden jährlich rund 30 Millionen Tonnen Zement verbraucht. Bei der Herstellung werden Kalkstein, Ton, Sand und Eisenerz bei 1.450 Grad Celsius gebrannt. Dabei entsteht pro Tonne Zement bis zu eine Tonne CO₂. Um eine Produktion mit Netto-Null-Emissionen zu ermöglichen, muss das CO2 aus dem Abgas der Brennöfen entfernt werden. Hier setzte die Forschung am Hereon an, berichten die Forschenden. „Unsere Membrantechnologie gehört zu den weltweit führenden Ansätzen zur CO2-Abtrennung. Sie ist das Resultat mehrjähriger, konsequenter und interdisziplinärer Forschung und Entwicklung“, sagt Torsten Brinkmann, Wissenschaftler am Hereon-Institut für Membranforschung und wissenschaftlicher Leiter im Holcim-Projekt. „Die Technologie ist nicht nur in Zementwerken einsetzbar, sondern auch in anderen Sektoren wie der Stahlindustrie oder der regenerativen Energieerzeugung.“
Zehntausende Tonnen CO2 filtern
Die Hereon-Membranen bestehen aus mehreren Kunststoffschichten und lassen CO2 schneller durch als die anderen Rauchgasbestandteile wie Stickstoff und Sauerstoff. In Höver wird der Abgasstrom des Zementwerks durch die Testanlage über die Membranen geleitet. CO2 wird abgetrennt und abgeführt, der übrige, emissionsarme Abgasstrom wird wieder an das Zementwerk zurückgeführt. Mit dieser Ausbaustufe sollen in Höver bis zu 10.000 Tonnen Treibhausgas jährlich abgeschieden werden.
Das CO2 wird aufbereitet und kann als Grundstoff weiter genutzt werden, zum Beispiel in der Getränkeindustrie oder zur Herstellung von Chemikalien und Biokraftstoffen, berichten die Wissenschaftler. Das Membranverfahren sei chemiefrei und kann vollständig mit erneuerbarer elektrischer Energie betrieben werden. Somit wäre es eine der effizientesten Methoden, Kohlenstoffdioxid abzuscheiden. Die Anlage ist dem eigentlichen Produktionsprozess nachgeschaltet und ermögliche so die Nachrüstung bestehender Werke ohne aufwändige Umbauten.
In Höver wird die Technologie erstmals in dieser Größenordnung in einem Zementwerk getestet. Holcim will nach eigener Aussage durch die Dekarbonisierung des Werkes die Zementproduktion an diesem Standort über Jahrzehnte sichern. na
Weitere Informationen auf der Projekt-Website


























































