Klimaresilienz: EU-Klimabeirat fordert mehr gemeinsame Klimaanpassung

Die EU sei nicht ausreichend auf die Folgen des Klimawandels vorbereitet, heißt es aus dem wissenschaftlichen Klimabeirat der EU. Er fordert eine gemeinsame Strategie zur Klimaanpassung –und mehr Klimaschutz.
18.02.2026 – Der Europäische Wissenschaftliche Beirat für Klimawandel fordert die EU auf, ihren politischen Rahmen für eine wirksame und kohärente Klimaanpassung zu stärken. Systemische Klimarisiken müssten ebenso angegangen werden wie fortlaufende Klimaschutzmaßnahmen, heißt es im gestern veröffentlichten Bericht.
Die Auswirkungen der Klimakrise werden immer deutlicher. Da weltweit zu wenig Emissionen gemindert werden, sei es von entscheidender Bedeutung, sich auf den unvermeidbaren Temperaturanstieg vorzubereiten. Die globale Durchschnittstemperatur liegt bereits derzeit 1,4 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau – somit sei es unwahrscheinlich, dass das Pariser Klimaziel, den Anstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen, noch eingehalten werde. Wissenschaftliche Projektionen zeigten, dass sich in Folge die Klimarisiken in den kommenden Jahren selbst unter optimistischen Klimaschutzszenarien weiter verstärken werden.
Europa erwärmt sich doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt
Die Durchschnittstemperatur der EU ist derweil bereits um 2,4 Grad gestiegen. Der europäische Kontinent erwärmt sich somit fast doppelt so schnell wie der Rest der Welt. Die Folge sind Hitzewellen, Dürren, Waldbrände, Überschwemmungen, Meeresspiegelanstieg und Küstenerosion mit steigenden Verlusten an Menschenleben, wirtschaftlichen Schäden von durchschnittlich rund 45 Milliarden Euro pro Jahr und Beeinträchtigungen der Ökosysteme.
„Wetter- und klimabedingte Extremereignisse verursachen bereits heute schwere Verluste in ganz Europa. Allein extreme Hitze hat in den letzten Jahren zu Zehntausenden vorzeitigen Todesfällen geführt, darunter geschätzte 24.000 im Sommer 2025“, kommentiert Prof. Ottmar Edenhofer, Vorsitzender des Beirats. „Die wirtschaftlichen Schäden an Infrastrukturen und Sachanlagen belaufen sich inzwischen auf durchschnittlich rund 45 Milliarden Euro pro Jahr. Diese zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels verdeutlichen, dass die Stärkung der Klimaanpassung keine Option, sondern eine Notwendigkeit ist, um Menschenleben, Existenzgrundlagen und Europas wirtschaftliche Grundlagen zu schützen.“
Bisherige Klimaanpassung reicht nicht aus
Bisherige Maßnahmen zum Schutz von Menschen und Infrastruktur reichten nicht aus, um den zunehmenden Klimarisiken angemessen zu begegnen. Zu wenig Klimaanpassung könnte nicht nur Menschenleben gefährden, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit Europas schwächen, die öffentlichen Haushalte belasten und Sicherheitsrisiken erhöhen. Dies würde Europas wirtschaftliche und soziale Grundlagen untergraben und damit auch die strategische Handlungsfähigkeit der EU einschränken. Der EU-Klimarat fordert mehr gemeinsame und koordinierte Maßnahmen über Politikbereiche und Regierungsebenen hinweg, um Klimarisiken wirksamer zu bewältigen.
„Klimaanpassung geht über die Grenzen der Klimapolitik hinaus“, sagt Laura Diaz Anadon, Professorin und stellvertretende Vorsitzende des Beirats. „Ein robuster EU-Rahmen für Klimaanpassung ist entscheidend, um die systemischen Risiken anzugehen, die die Sicherheit kritischer Dienstleistungen sowie die Versorgung mit Nahrungsmitteln, Wasser und Energie bedrohen. Er schafft zudem die Stabilität, die für Investitionen in eine wettbewerbsfähige und innovative Wirtschaft erforderlich ist, und trägt dazu bei, die Gesundheit der EU-Bürgerinnen und -Bürger sowie der Ökosysteme zu schützen.“
Frühzeitig handeln
Zu diesem Schluss kam 2024 bereits die erste europäische Klimarisikobewertung der Umweltagentur der Europäischen Union (EUA). Der Bericht Stärkung der Resilienz gegenüber dem Klimawandel – Empfehlungen für einen wirksamen EU-Rahmen für Klimaanpassung des EU-Klimarats ergänzt konkrete Empfehlungen zur Klimaresilienz für Europa.
Klimarisiken sollten so schnell wie möglich angegangen werden, um Kosten gering und den gesellschaftlichen, sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Nutzen hoch zu halten. Empfohlen wird:
- Eine verbindliche und harmonisierte Klimarisikobewertung in allen EU- Politikbereichen und Mitgliedstaaten mit gemeinsamen Klimaszenarien und methodischen Standards
- Eine einheitliche Referenz für die Planung zur Anpassung an den Klimawandel, die mit globalen Erwärmungspfaden von etwa 2,8 bis 3,3 °C bis 2100 vereinbar sind plus Stresstests
- Eine klare Vision, sektorale Strategien und messbare Klimaanpassungsziele für eine klimaresiliente EU bis 2050 und darüber hinaus
- Die Verankerung einer gerechten und fairen konzeptionellen Klimaresilienz in allen EU-Politikbereichen, -Programmen und -Investitionen, unterstützt durch Monitoring, Evaluierung und Lernprozesse
- Die Mobilisierung von öffentlichen und privaten Investitionen in die Klimaanpassung, Ansätze zur Kostenbewältigung von Klimafolgen durch den EU-Haushalt, sowie die wirtschaftspolitische Steuerung und Entwicklung von Mechanismen zur Risikoteilung
„Ein robustes Risikomanagement bedeutet, dass sich die EU auf eine Reihe möglicher Zukunftsszenarien vorbereiten sollte, um ein resilientes Europa zu schaffen“, kommentiert Jette Bredahl Jacobsen, Professorin und stellvertretende Vorsitzende des Beirats. „Gleichzeitig kann Klimaanpassung nicht alle Auswirkungen des Klimawandels verhindern. Deshalb sind Klimaschutzmaßnahmen weiterhin unerlässlich sind, um Klimagefahren auf ein beherrschbares Niveau zu begrenzen.“ Die Stärkung der Klimaanpassung neben Klimaschutzmaßnahmen sei von wesentlicher Bedeutung, um die Bürgerinnen und Bürger, die Sicherheit und die übergeordneten strategischen Ziele der EU zu schützen. jb



















































