Gesellschaft für bedrohte Völker – KlimagerechtigkeitEuropa entscheidet mit über die Zukunft wichtiger Ökosysteme in Südamerika

Demonstranten in Brasilien halten Schilder mit Tiergesichtern und Bannern gegen die Zerstörung des Regenwaldes
Die Zukunft wichtiger Ökosysteme Südamerikas wie Regen- und Trockenwäldern hängt auch von der europäischen Handelspolitik ab. (Foto: Mirna Wabi-Sabi on Unsplash License)

Die Zukunft bedeutender Ökosysteme Südamerikas hängt auch von internationalen Lieferketten und der europäischen Handelspolitik ab. Was in Europa konsumiert und politisch entschieden wird, hat direkte Folgen für indigene Territorien.

24.08.2026 – Der Chiquitano-Trockenwald in Bolivien ist der größte intakte Trockenwald der Erde. Mit einem Umweltgedenktag soll jährlich auf seine Bedeutung aufmerksam gemacht werden. Der Tag geht auf eine Initiative indigener Jugendgruppen zurück und wurde von der bolivianischen Regionalregierung Santa Cruz 2025 per Gesetz eingeführt. Anlässlich des bolivianischen Tags des Chiquitano-Trockenwaldes am 12. August 2026 warnte nun die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) gemeinsam mit indigenen Organisationen, dass die Zukunft eines der bedeutendsten Ökosysteme Südamerikas auch von internationalen Lieferketten und der europäischen Handelspolitik abhängt. Indigene Territorien sind bedroht, betonen die GfbV, das Comité de Gestión (Verwaltungsausschuss) des Naturschutzgebiets Tucabaca de Roboré, das Comité Cívico (Bürgerkomitee) der Bewegung zum Schutz des Tucabaca-Tals, sowie die indigene Gemeinschaft Quituquiña aus San José de Chiquitos.

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Bedeutung für Menschen vor Ort und für das Weltklima

„Der Chiquitano-Trockenwald ist sowohl für die lokale Bevölkerung als auch für das Weltklima von großer Bedeutung“, erklärt Jan Königshausen, Referent für Indigene Völker bei der GfbV. „Indigene Gemeinschaften und lokale Behörden setzen sich daher für Naturschutzmaßnahmen, die Wiederherstellung geschädigter Waldflächen und gemeinschaftlich organisierte Formen der Landbewirtschaftung ein. Doch durch die staatliche Förderung der Agrarindustrie und neue Investitionsprojekte in indigenen Territorien, nimmt der Druck auf die Wälder Boliviens immer weiter zu. Waldbrände werden begünstigt und die Ausbeutung natürlicher Ressourcen wird vorangetrieben.“

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„Wir warnen bereits seit 2015 davor, dass die fortschreitende Entwaldung zu einer schweren Wasserkrise, Dürren und immer größeren Waldbränden führen wird. Seit 2019 erleben wir diese Folgen immer deutlicher. Die Natur zeigt uns, was passiert, wenn jedes Jahr weiter abgeholzt wird. Es wird immer mehr über Klima- und Waldschutz gesprochen, doch in der Praxis verschärft sich die Situation weiter. Gleichzeitig zeigen wir indigenen Gemeinschaften, dass es Alternativen gibt: Wir leisten Widerstand, schützen die verbliebenen Wälder und entwickeln eigene Vorschläge für ihre Bewahrung. Dafür brauchen wir Unterstützung – allein können wir diese Aufgabe nicht bewältigen“, sagt Zoila Zeballos, Präsidentin des Verwaltungsausschusses des kommunalen Schutzgebiets „Bosque Pedagógico Los Piyos“ (Presidente del Comité de gestión del AP Municipal Bosque Pedagógico Los Piyos) aus Quituquiña in San José de Chiquitos.)

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Die wachsende internationale Nachfrage nach landwirtschaftlichen Rohstoffen sowie handelspolitische Weichenstellungen großer Absatzmärkte wie China, Indien oder Ägypten, aber auch Deutschlands und der Europäischen Union, stärkten in Südamerika ein Wirtschaftsmodell, das auf steigende Produktion und wachsende Exporte ausgerichtet ist, warnen die Organisationen. Handelsabkommen wie das EU-Mercosur-Abkommen könnten diese Entwicklung weiter verstärken.

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Die Gesellschaft für bedrohte Völker kritisiert die Trennung zwischen Weltnatur- und Klimakonferenz. Es brauche eine ganzheitliche Betrachtung von Umwelt und Klima, um die Wechselwirkung zwischen Biodiversitätsverlust und Erderwärmung zu verstehen.

„Die Entwicklungen in der Region Chiquitanía zeigen, dass die europäische Handelspolitik auch weit über die Grenzen Europas hinaus Folgen hat“, sagt Jan Königshausen. „Wenn die Europäische Union beim Klima- und Biodiversitätsschutz glaubwürdig sein will, darf sie keine Handelsabkommen vorantreiben, die die Ausweitung der Agrarindustrie fördern, ohne den wirksamen Schutz der Wälder und der Rechte Indigener Völker sicherzustellen. Andernfalls läuft Europa Gefahr, nicht nur Rohstoffe zu importieren, sondern auch Entwaldung zu exportieren.“ Die Organisationen rufen dazu auf, die territorialen Rechte Indigener Völker zu stärken und nationale wie internationale Politik konsequent an Menschenrechten und Klimaschutz auszurichten. na

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