Klimakrise: Flutkatastrophe in Nepal

Ein Fels- und Gletschersturz löste eine verheerende Sturzflut mit bisher über 1000 Toten in Nepal und Tibet aus. Experten analysieren die Ursachen und mögliche Einflüsse der Klimakrise.
01.09.2026 – Vor knapp einer Woche begrub im Himalaya in Tibet und Nepal eine Sturzflut mehrere Dörfer. Behörden sprechen inzwischen von über 1000 Toten. Über 5000 Menschen gelten noch als vermisst und die Rettungsarbeiten dauern an. Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz und Caritas gehen laut Tagesschau davon aus, dass mehr als 90.000 Menschen von der Flutkatastrophe betroffen sind.
Einschätzungen von Instituten wie dem UZH Department of Geography, University of Zurich gehen davon aus, dass ein Eis- und Felsabbruch bzw. eine Fels-Lawine die Sturz- und Trümmerflut und ausgelöst hat. Die Lawine löste zudem ein starkes seismisches Signal aus, weshalb zunächst von einem Erdbeben als Ursache ausgegangen wurde. Die kilometerweit flussabwärts stürzenden Wasser- und Geröllmassen umfassten dabei zwischen 100 bis 200 Millionen Kubikmeter.
Satellitenbilder zeigen kollabierende Bergflanke
Forschende weltweit haben sich in den vergangenen Tagen bemüht, Ursachen und Prozesse zu rekonstruieren, die zu der Katastrophe geführt haben.
„Satellitenbilder zeigen, dass am Morgen des 26.08.2026 eine teils von Gletscher bedeckte Bergflanke des über 6700 Meter hohen Tsangbu Ri im Langtang-Massiv des Nepal Himalaya plötzlich kollabierte und über mehr als 2000 Höhenmeter zu Tal fuhr“, erklärt Oliver Korup, Professor für Geohazards, Leiter der Arbeitsgruppe Naturgefahren, Universität Potsdam Die hohe Reibungswärme der sich zunehmend zertrümmernden Masse habe das mitgeführte Eis vermutlich rasch aufgeschmolzen und den Berg- beziehungsweise Gletschersturz zusehends in eine murenartige Flutwelle verwandelt, die für die weitläufigen Zerstörungen verantwortlich war.“
Himalaya ist ein sehr aktives Hochgebirge
Während weitere Daten für eine genau Attribution der Katastrophe notwendig sind, ist bereits klar, dass die Sturzflut kein Einzelfall war. „Bereits 2012 und 2021 verursachten große Berg- und Gletscherstürze im Annapurna-Massiv und Chamoli Garhwal des Himalaya sehr ähnliche Sturzfluten, wenn auch nicht von der Tragweite der jüngsten Katastrophe in Nepal“, sagt Korup.
Der Himalaya sei von Natur aus ein sehr aktives Hochgebirge, in dem Erdbeben und starke Monsunregen für sehr hohe natürliche Erosionsraten und entsprechend dynamische Landschaften sorgten. Ungeachtet der möglichen Einflüsse des Klimawandels erhöhten im Himalaya der hohe Bevölkerungsdruck und die sich rasch ausbreitende Bebauung und Infrastruktur Schäden durch Naturkatastrophen.
Einfluss steigender Temperaturen wahrscheinlich
„Solche großen Massenbewegungen, wie wir sie gerade in Nepal gesehen haben, sind komplexe Ereignisse, deren Auslösung sich nicht auf einen Faktor reduzieren lassen“, stimmt auch Jan Blöthe, Professor für Geomorphologie und rezente Morphodynamik, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg zu. Ganz entscheidend sei die Stabilität des Ausgangsgesteins, die durch die Verwitterung mit der Zeit reduziert werde. Daneben spielten aber auch die Niederschlags- und Temperaturverhältnisse, die Schneeschmelze sowie die Veränderung von Gletschern und Permafrost eine wichtige Rolle.
„Im Hinblick auf den Einfluss des Klimawandels lässt sich dennoch sagen, dass wir in den vergangenen Jahren in verschiedenen Hochgebirgen der Erde eine Häufung großer Massenbewegungen beobachten können, die oftmals in Höhenlagen ausgelöst wurden, in denen Permafrost vorkommt. Ein Einfluss der steigenden Temperaturen auf das Ereignis in Nepal ist daher wahrscheinlich, wir werden allerdings auf weitere Daten warten müssen, um im konkreten Fall belastbare Aussagen machen zu können“, so Blöthe.
Kaskadeneffekt in den Alpen?
Der Gletscherrückgang, das Auftauen des Permafrosts sowie Fels- und Eisstürzen sind auch in den Alpen zu beobachten. Fels- und Bergstürze führten auch hier in den vergangenen Jahren bereits zu Todesopfern.
Diese Ereignisse waren allerdings einige Größenordnungen kleiner als die katastrophalen Ereignisse aus dem Himalaya und anderen Gebirgsregionen, kommentiert Michael Bründl, Leiter Forschungsgruppe Risiko und Resilienz, WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF), Davos, Schweiz. „Die deutlich größeren Höhenunterschiede im Himalaya und entsprechend größeren Volumina bedeuten wesentlich höhere Energien und damit auch ein deutlich höheres Zerstörungspotenzial.“
Seismische Frühwarnsysteme, wie sie in Teilen der Schweiz bereits genutzt werden, können zwar helfen, Naturkatastrophen zu erkennen, bevor sie passieren. Frühwarnzeiten hängen jedoch vom Einzelfall ab und können von wenigen Minuten über mehrere Wochen reichen, so Bründl. jb
























































