Potsdam-Institut für KlimafolgenforschungGlobale Erwärmung könnte Weideflächen bis 2100 halbieren

Kühe auf einem braunen Feld
Sag mir, wo die Wiesen sind ... mit zunehmender globaler Erwärmung könnten nutzbare Weideflächen bis zum Jahr 2100 halbiert werden. (Foto: Daniel Miksha on Unsplash)

Weideflächen für Nutztiere, die rund ein Drittel der Erdoberfläche bedecken und das weltweit größte landwirtschaftliche Produktionssystem darstellen, werden sich mit steigenden globalen Temperaturen massiv verkleinern, zeigt eine Klima-Studie.

13.02.2026 – Eine neue Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) macht deutlich: Je nach betrachtetem Emissionsszenario verlieren bis zum Jahr 2100 circa 36 bis 50 Prozent der heute klimatisch geeigneten Weideflächen ihre Nutzbarkeit. Das betrifft mehr als 100 Millionen Menschen, die von der Weidewirtschaft leben, sowie bis zu 1,6 Milliarden Weidetiere.

Die in der Fachzeitschrift PNAS veröffentlichte Studie beschreibt erstmals einen „klimatisch günstigen Bereich“ für die Weidehaltung von Rindern, Schafen und Ziegen. Weidesysteme können sich unter bestimmten klimatischen Bedingungen gut entwickeln: bei Temperaturen zwischen −3 und 29 Grad Celsius, jährlichen Niederschlägen von 50 bis 2627 Millimetern, einer Luftfeuchtigkeit von 39 bis 67 Prozent sowie Windgeschwindigkeiten zwischen 1 und 6 Metern pro Sekunde.

„Der Klimawandel verschiebt diese klimatisch günstigen Bereiche weltweit und lässt sie deutlich schrumpfen, mit immer weniger Platz für Weidetiere“, sagt Erstautorin Chaohui Li, die am PIK geforscht hat, als die Studie durchgeführt wurde, und nun beim Barcelona Supercomputing Center arbeitet. „Besonders sind diese Veränderungen in Ländern zu spüren, wo die Menschen bereits unter Hunger, wirtschaftlicher und politischer Instabilität sowie hoher Geschlechterungleichheit leiden.“

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Maximilian Kotz, Koautor der Studie und Forscher am PIK sowie am Barcelona Supercomputing Center, erklärt: „Weidehaltung ist stark von Umweltfaktoren wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Wasserverfügbarkeit abhängig. Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Klimawandel die Flächen, in denen diese Form der Landwirtschaft funktionieren kann, deutlich einschränkt und landwirtschaftliche Praktiken erschwert, die sich über Jahrhunderte entwickelt haben.“

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Afrika besonders stark betroffen

Besonders betroffen ist dem Forschungsteam zufolge Afrika. Je nach Emissionspfad könnten die geeigneten Graslandflächen dort um 16 Prozent (bei niedrigen Emissionen) oder sogar um bis zu 65 Prozent schrumpfen, wenn der weltweite Ausstoß von Treibhausgasen weiter steigt. Bereits heute liegen die Temperaturen in vielen Regionen des Kontinents am oberen Rand dessen, was für Weidehaltung noch klimatisch verträglich ist.

Mit zunehmender Erwärmung verschieben sich die Klimazonen, in denen sich wichtige Weideregionen wie das äthiopische Hochland, das Ostafrikanische Rift, das Kalahari-Becken oder das Kongobecken befinden, weiter nach Süden. Da die afrikanische Landmasse am Südlichen Ozean endet, würden sich die für Weidewirtschaft geeigneten Temperaturbereiche langfristig über den Kontinent hinaus verlagern– mit dem Ergebnis, dass nutzbare Weideregionen verloren gehen.

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„Diese Verschiebung weg von dem, was wir als klimatisch günstigen Bereich identifizieren, stellt gängige Anpassungsstrategien massiv infrage“, sagt Prajal Pradhan, Assistenzprofessor an der Universität Groningen, PIK-Forscher und Ko-Autor der Studie. „Ansätze wie die Haltung anderer Tierarten oder die saisonale Wanderung von Herden reichen angesichts der Größenordnung der Veränderungen nicht mehr aus.“ Und Klimaforscherin Li bringt es auf den Punkt: „Um diese Risiken für die Weidewirtschaft zu begrenzen, ist eine schnelle Abkehr von fossilen Energieträgern und eine deutliche Reduktion der Emissionen nötig.“ na

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