KlimafolgenHitzesommer kostet Deutschland 36 Milliarden Euro

Sonne scheint durch Rauch
Hitze schadet der Wirtschaft: Die Kosten des Hitzesommers 2026 belaufen sich allein in Deutschland auf mindestens 36 Milliarden Euro (Bild: Unsplash+ Community / Unsplash+ Lizenz).

Produktivitätsverluste, Ernteausfälle und Niedrigwasser – die Folgen der Hitzewellen verursachten in Deutschland Schäden von mindestens 36 Milliarden Euro. Ein Weiter-so wird für alle teuer, warnt Greenpeace.

27.08.2026 – Der wirtschaftliche Schaden der diesjährigen Hitzewellen für Deutschland liegt bei mindestens 36 Milliarden Euro, zeigen Berechnungen von Greenpeace. Bei geschätzt 25 Hitzetagen entspricht der Verlust knapp einem Prozent des deutschen BIP.

Hitze senkt Produktivität

Mit 10,8 Milliarden Euro entstand der größte Schaden durch Produktivitätsverluste und Ausfälle am Arbeitsplatz. Die Schätzungen basieren auf der Studie ‚Klimabedingte Risiken für die Arbeitswelt‘ von Prognos im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Ein einzelner Tag mit einer Tageshöchsttemperatur ab 30°C verursacht demzufolge direkte betriebswirtschaftliche Kosten von rund 431 Millionen Euro für Deutschland.

Grund ist, dass Menschen an den Hitzetagen langsamer arbeiten bzw. häufiger ganz ausfallen. Größtenteils aus den gleichen Gründen kommen weitere 3,2 Milliarden Euro durch verminderten Lernzuwachs im Bildungswesen hinzu.

Hitze schadet der Gesundheit

Die Mehrbelastungen im Gesundheitssystem durch hitzebedingt angestiegene Krankheitsfälle belaufen sich auf 1,54 Milliarden Euro. Die extrem hohe Temperaturen haben zudem zu rund 14 000 frühzeitigen Sterbefällen geführt.

Hitze senkt Ernteerträge

Hitze und Dürre setzen auch der Natur zu. Die Kosten durch Dürre, Trockenstress und Brände belaufen sich auf 5 bis 7,5 Milliarden Euro; hinzu kommen rund 3,4 Milliarden Euro durch Ernteausfälle in der Landwirtschaft.

Hitze zerstört Infrastruktur

Die Kosten für das Rekordniedrigwasser des Rheins, in dessen Folge etwa Unternehmen wie Thyssenkrupp und BASF ihre Produktion zurückfuhren, werden mit 3,4 bis 4,5 Milliarden Euro angesetzt. Die Berechnungen orientieren sich hier an der Analyse der wirtschaftlichen Folgen des Niedrigwassers infolge des Hitze- und Dürresommers 2018 des Instituts für Weltwirtschaft

Schäden an der öffentlichen Verkehrsinfrastruktur belaufen sich auf weitere 1,8 bis 3,7 Milliarden Euro. Grund war größtenteils das Schmelzen von Fahrbahnteilen wie Schienen und Straßenbelägen.

Mehr zum Thema

Sojabohnenfeld
Erntebilanz 2026

Geringere Ernten durch Dürre

Hitzewellen, geringer Niederschlag und Schädlinge schmälern die Ernte 2026. Der Bauernverband fordert finanzielle Hilfen, Umweltverbände eine krisenfeste Agrarpolitik und mehr Maßnahmen für Klimaresilienz.

Konservativ geschätzt

Die Schätzung ist konservativ angesetzt und umfasst etwa die Bereiche Verkehr, Gesundheit, Forst- und Landwirtschaft sowie Produktivitätsverluste und Bildungskosten. Weitere Felder wie Probleme der Energieversorgung, Ozon- und Feinstaubbelastung sowie ökologische Folgeschäden sind noch nicht mit eingerechnet.

“Die wahren Kosten von Extremwetterereignissen wie diesem Hitzesommer liegen weit über unseren Berechnungen”, sagt Mauricio Vargas, Finanzexperte bei Greenpeace Deutschland. „Investitionen in ambitionierten Klimaschutz schrumpfen daneben auf ein lächerliches Niveau.”

Die Klimakrise Ernst nehmen

Hitzesommer wie in diesem Jahr wären vor 50 Jahren fast unmöglich gewesen, schließt eine Studie der World Weather Attribution. Die Hitze ist zu großen Teilen Folge der Klimakrise, wobei sich Deutschland und Europa schneller erwärmen als andere Weltregionen.

“Dieser Hitze- und Dürresommer war eine Katastrophe – für Millionen Menschen und für die Volkswirtschaft. Auch wenn diese Naturkatastrophe keine Trümmerberge verursacht, ist die Höhe der Schäden erschütternd”, warnt Vargas. “Die Zahlen sind unmissverständlich: Ein Weiter-so können wir uns schlicht nicht mehr leisten.“

Hitzewellen könnten Unternehmen wie der Gesamtwirtschaft auch in Zukunft zusetzen. So beziffert eine Untersuchung des Kreditversicherers Allianz Trade die wirtschaftlichen Verluste in Deutschland bis 2030 auf rund 112,5 Milliarden Euro, sollten sich die Hitzewellen weiter fortsetzen.

Merz kündigt entschlosseneres Handeln in der Klimakrise an

Bundeskanzler Friedrich Merz bekannte sich vor Auftakt der zweitägigen Klausur des Bundeskabinettsauf Schloss Neuhardenberg in Brandenburg zu der Notwendigkeit, den Klimawandel weiter einzudämmen und Deutschland besser an dessen Folgen anzupassen. „An diesen Worten werden sich der Bundeskanzler und sein Kabinett in den kommenden Wochen messen lassen müssen“, schreibt Christoph Bals, Policy Director bei Germanwatch auf LinkedIn. Auf einen Vorstoß der SPD-geführten Ministerien Mitte August, Klimaschutz als Gemeinschaftsaufgabe von Bund, Ländern und Kommunen ins Grundgesetz aufzunehmen, hatte die CDU zuletzt ablehnend reagiert. jb

Neuen Kommentar schreiben


Name: *
E-Mail: *
(wird nicht veröffentlicht)
Nicht ausfüllen!


Kommentar: *

max 2.000 Zeichen