Klimaschutz-Ambitionen: Indien verabschiedet neue nationale Klimaziele

Indien passt seine Klimaziele an. Neben schärferen CO₂-Minderungszielen stehen der Ausbau natürlicher Senken sowie Anpassungsstrategien für hochwassergefährdete Regionen im Fokus.
27.03.2026 – Das indische Bundeskabinett hat unter dem Vorsitz von Premierminister Narendra Modi ein neues Klimaziel – Nationally Determined Contribution, NDC – für den Zeitraum von 2031 bis 2035 genehmigt. Mit diesem Schritt verschärft Indien seine Klimaziele im Rahmen des Pariser Abkommens deutlich. Die neuen Zusagen sind laut der indischen Regierung Teil der langfristigen Strategie, um bis zum Jahr 2047 ein entwickeltes Land – Viksit Bharat – zu werden und bis 2070 Netto-Null-Emissionen zu erreichen.
Emissionsintensität senken
Indien verpflichtet sich mit der neuen Strategie, die Emissionsintensität des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bis zum Jahr 2035 um 47 Prozent gegenüber dem Stand von 2005 zu senken. Zwischen 2005 und 2020 konnte die Emissionsintensität bereits um 36 Prozent reduziert werden. Im Vergleich liegen die pro-Kopf-Emissionen Indiens nur etwa bei der Hälfte des globalen Durchschnitts, doch sie steigen seit Jahren stark an. Mit dem neuen NDC zeigt Indien Bemühungen, Wohlstand und CO₂-Ausstoß zu entkoppeln.
Die geplante Treibhausgasminderung beschreibt das Verhältnis zwischen Treibhausgasemissionen und Wirtschaftsleistung – nicht die absolute Emissionsminderung im Vergleich zu einem Basisjahr. Die Emissionsintensität als Metrik zu nutzen, ist innerhalb der NDCs für Schwellenländer üblich. Ziel ist, Klimaschutz zu ermöglichen, ohne mit einem absoluten Emissionslimit die wirtschaftliche Stabilität zu riskieren. Auch China nutzt ein ähnliches Modell.
Weniger fossiler Strom
Im Stromsektor soll die installierte Kapazität aus nicht-fossilen Energiequellen – also aus Erneuerbaren und Atomenergie – bis 2035 auf 60 Prozent steigen. Im Februar 2026 erreichte Indien einen Anteil von 52,57 Prozent und übertraf damit seine Ziele für 2030 fünf Jahre früher als geplant. Für das neue Ziel setzt die Regierung neben Erneuerbaren Energien, Batteriespeicher und dem Ausbau grüner Energiekorridore auch auf grünen Wasserstoff und Kernenergie.
Natürliche Kohlenstoffsenken ausbauen
Durch großflächige Aufforstungsprogramme und die Verbesserung des Baumbestands soll bis 2035 zudem eine zusätzliche Kohlenstoffsenke von 3,5 bis 4 Milliarden Tonnen CO₂-Äquivalent geschaffen werden. Indien belegt bereits heute weltweit den dritten Platz beim Nettozuwachs an Waldflächen, unter anderen durch erfolgreiche Initiativen wie ‚MISHTI‘ zur Wiederherstellung von Mangroven.
Klimaanpassung und Resilienz
Die neue Klimastrategie adressiert weiter notwendige Anpassungen an bereits spürbaren Klimafolgen. Künftig sollen gefährdete Küstenlinien besser geschützt und Gletscher im Himalaya-Gebiet überwacht werden. Weiterhin werden Hitzeschutzpläne für die indischen Bundesstaaten erstellt und Frühwarnsysteme für Wirbelstürme und Sturmfluten etabliert. Die Regierung strebt zudem an, Nachhaltigkeit als Prinzip stärker in der Bevölkerung und dem Alltag der Menschen zu verankern.
Indien liegt dem Climate Risk Index 2026 nach auf Rang 9 der am stärksten von Extremwetterereignissen betroffenen Staaten. Es steht zu erwarten, dass Extremwetter-Ereignisse in den kommenden Jahren weiter zunehmen und öfter zusammenfallen. Besonders stark betroffen sind etwa die Gebiete Indus und Ganges, in denen mehrere Millionen Menschen leben.
Der Oberste Gerichtshof Indiens hatte 2024 festgestellt, dass Bürger durch das in der Verfassung garantierte Recht auf Leben ein Recht darauf haben, von den negativen Auswirkungen der Klimakrise verschont zu werden. Initiativen für Erneuerbare Energien sei deshalb etwa Vorrang einzuräumen. jb


















































