Plastik: Klimaeffekt durch Plastikpartikel höher als gedacht

Mikro- und Nanoplastik in der Luft erwärmt das Klima. Die Partikel wirken als Aerosole und verstärken die Erderwärmung wohl ähnlich stark wie Kondensstreifen. In Klimamodellen wurden sie bisher noch kaum berücksichtigt.
08.05.2026 – Mikro- und Nanoplastik in der Erdatmosphäre könnte das globale Klima beeinflussen. Als Aerosole nehmen diese Partikel sowohl direkten als auch indirekten Einfluss auf den Strahlungshaushalt unseres Planeten. Eine im Fachjournal Nature Climate Change veröffentlichte Studie belegt nun diesen Klimaeffekt. Experten betonen, dass für präzise Langzeitaussagen zur Klimawirkung noch weitere Forschung notwendig ist.
Der Strahlungshaushalt der Erde
Der Strahlungshaushalt wird maßgeblich durch das Gleichgewicht zwischen absorbierter Sonnenenergie und ins All abgegebener Wärmestrahlung bestimmt. Treibhausgase regulieren diesen Prozess, indem sie Wärme in der Atmosphäre zurückhalten und so das globale Temperaturniveau stabilisieren oder – bei steigender Konzentration – erhöhen.
Zusätzlich wirken sogenannte Aerosole oder Schwebeteilchen auf das Gleichgewicht ein. Mineralischer Staub kühlt dabei tendenziell, während etwa Ruß und – nach neuesten Erkenntnissen –wohl auch Mikro- und Nanoplastik Strahlung absorbiert und damit wärmt. Sie stören das Gleichgewicht doppelt: Direkt durch die Erwärmung der Luft und indirekt durch die Zerstörung natürlicher Kühlflächen wie Eis und Schnee an den Polen, sobald sich die dunklen Partikel auf hellen Oberflächen absetzen.
Plastik-Schwebeteilchen beeinflussen das Klima
In der Studie sind Forschende aus China und den Vereinigten Staaten zu dem Schluss gekommen, dass der Effekt durch atmosphärisches Mikro- und Nanoplastik etwa 16 Prozent der durch Ruß verursachten Erhöhung des Strahlungsdrucks entspricht. Farbige Plastikpartikel absorbieren dabei mehr Sonnenstrahlung als etwa durchsichtige, und geben Wärme an die Atmosphäre ab. Die Klimawirkung von Mikro- und Nanoplastik ist zwar deutlich geringer als die von Treibhausgasen, wurde aber in Klimamodellen bisher noch kaum berücksichtigt. Die Forscher folgern, dass die Plastikteilchen auch regionale Klimamuster beeinflussen könnten.
„Es ist plausibel, dass diese Partikel erwärmend wirken“, kommentiert Johannes Quaas, Professor für Theoretische Meteorologie an der Universität Leipzig. „Der Umfang, der in dieser Studie angegeben wird, ist mit 40 Milliwatt pro Quadratmeter zwar klein im Vergleich beispielsweise zu den Treibhausgasen wie CO2, aber immerhin in einer ähnlichen Größenordnung wie die aktuelle Wirkung etwa durch die Kondensstreifen des Flugverkehrs.“ Somit würden auch kostenintensive Gegenmaßnahmen gegen die Ausbreitung von Mikroplastik nicht nur wegen der unmittelbaren Auswirkungen auf Gesundheit und Ökosysteme, sondern auch aufgrund ihrer schädlichen Klimawirkung gerechtfertigt scheinen. Kritischer sieht Quaas die Schätzungen zu Konzentration und Verteilung.
Als Mikroplastik gelten Teilchen mit einem Durchmesser zwischen einem Mikrometer und fünf Millimetern, während Nanoplastik Teilchen unter einem Mikrometer Durchmesser beschreibt. Die Forscher untersuchten im Labor, wie Mikro- und Nanoplastikpartikel Sonnenlicht streuen oder absorbieren und verglichen die Messungen mit Konzentrationen, die in verschiedenen Regionen der Welt nachgewiesen wurden. Davon ausgehend modellierten sie die wahrscheinliche Klimawirkung. Die Forschung zum Beitrag kleinster Plastikpartikel in der Luft zur Klimaerwärmung steht insgesamt noch am Anfang.
Plastikproduktion als Treiber der fossilen Abhängigkeit
Die Plastikproduktion ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen und hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten verdoppelt. Prognosen der OECD zufolge wird sie sich bis 2050 erneut verdoppeln, und ein weiteres Mal bis 2060. Zusammen wiegt alles Plastik, das jemals produziert wurde, bereits mehr als doppelt so viel wie die Gesamtmasse aller Land- und Meerestiere. Über die Hälfte davon ist bereits zu Müll geworden. Dieser zersetzt sich über die Jahre zu Mikroplastik, dessen Bestandteile teils giftig sind und die Organismen über Nahrung, Luft oder Wasser aufnehmen – und zur Klimaerwärmung beitragen.
Die Verhandlungen um ein globales Plastikabkommen scheiterten Mitte vergangenen Jahres auch in der Verlängerungsrunde. Ziel war, die Plastikproduktion zu begrenzen, Einwegplastik zu verbieten und Auflagen zu verabschieden, die Wiederverwendung und -verwertung ermöglichen. Die Plastikproduktion wird vor allem von der fossilen Brennstoffindustrie vorangetrieben. Entsprechend stellen sich vor allem ölproduzierende Staaten wie Saudi-Arabien, der Iran und Russland gegen eine Einschränkung der Plastikflut. Eine Gruppe von mehr als 100 ambitionierten Staaten, darunter Deutschland und die EU, setzten sich für eine Regulierung ein. jb




















































