Korallenarchiv im tropischen Pazifik: Klimakrise verstärkt El Niño

Die Klimakrise hat das Wetterphänomen El Niño seit vorindustriellen zeiten zunehmend verstärkt und intensiviert, belegt eine Studie. Forscher nutzten Korallen als Archiv, um historische Wassertemperaturen im pazifischen Ozean zu rekonstruieren.
02.09.2026 – Der menschengemachte Klimawandel verstärkt das natürliche Wetterphänomen El-Niño, zeigt eine im Fachjournal Science veröffentlichte Studie. Das El-Niño-Southern-Oscillation (ENSO) die folgenreichste kurzfristige natürliche Klimaschwankung, gekennzeichnet durch Wassertemperatur- und Luftdruckänderungen im tropischen Pazifik. Sie führt weltweit zu Wetterextremen wie Starkregen, Überschwemmungen, extremer Hitze und Trockenheit.
Forscher schließen zufällige oder natürliche Ursachen für Variabilität aus
Die Variabilität der El-Niño-Southern-Oscillation (ENSO) ist der Studie zufolge heute 36,5 Prozent stärker als in vorindustriellen Zeiten und hat sich besonders in den letzten 40 Jahren deutlich beschleunigt. Gegenüber dem Zeitraum 1851 bis 1982 beträgt der Anstieg 16,2 Prozent.
Durch den Abgleich mit vorindustriellen Klimasimulationen aus zwölf Klimamodellen konnte das Forschungsteam zufällige oder rein natürliche Ursachen für die Intensivierung ausschließen.
Meerestemperatur von Korallen abgeleitet
Forschende analysierten für die Studie 28 Zeitreihen aus 13 lebenden und bis zu 1.000 Jahre alten Korallenkolonien von fünf Galápagos-Inseln. Durch eine Analyse bestimmter Stoffe in den Skeletten der Korallen können historische Meeresoberflächentemperaturen rekonstruiert und somit auch die Intensität des Wetterphänomens abgeleitet werden.
„Korallen sind damit das am höchsten aufgelöste Klimaarchiv der tropischen Ozeane und eignen sich besonders gut dazu, das Klimaphänomen El Niño besser zu verstehen“, erklärt Jens ZinkeProfessor für Palöobiologie, School of Geography, Geology and the Environment, Centre for Palaeobiology and Biosphere Evolution, University of Leicester, Vereinigtes Königreich. „Korallen liefern anhand geochemischer Signale, die in ihr Skelett eingelagert werden, monatlich aufgelöste Aufzeichnungen der Wassertemperatur, des Salzgehalts und zahlreicher weiterer physikalischer Größen des Ozeans.“
Diese geochemischen Indikatoren im Skelett fungieren als natürliche Sensoren des Ozeanklimas und liefern somit wertvolle Klimadaten, die zeitlich erheblich weiter zurückreichen als jegliche von Menschen installierten Messinstrumente.“ Korallenarchive zeichneten dabei ähnlich genau auf wie die modernen Messdaten von Satelliten und kommerziellen Schiffen seit dem 20. Jahrhundert – teils könnten Korallendaten Ungenauigkeiten in observierten Daten sogar korrigieren.
El Niño verstärkt die Klimakrise
Der globale Temperaturanstieg verstärkt nicht nur den El Niño. Mehrere Super-El-Niño-Ereignisse trugen auch maßgeblich dazu bei, dass globale Temperaturrekorde in den Jahren 1998, 2016 und 2024 gebrochen wurden. El Niño verstärkt also auch die Klimakrise.
Extrem starke El-Niño-Ereignisse wie das sich anbahnende sogenannte Godzilla-El-Nino-Ereignis könnten infolge der fortschreitenden globalen Erwärmung in Zukunft deutlich häufiger auftreten.
„Diese Entwicklung entspricht den Vorhersagen der besten Klimamodelle: Diese prognostizieren eine messbare höhere Wahrscheinlichkeit für extreme ostpazifische El-Niño-Ereignisse in den 2030er-Jahren“, sagt Zinke. Besonders treffe dies Regionen, die historisch stark an die El-Niño-Variabilität gekoppelt seien wie die USA, Brasilien, der Maritime Kontinent, Ostafrika und die vom indischen Monsun geprägten Gebiete. „Alle diese Regionen beherbergen mehrere Milliarden Menschen, die für ihre Landwirtschaft und Nahrungssicherheit von einem stabilen Klima abhängig sind.” jb























































