Klimawandelanpassung: Klimarisiken erkennen und handeln

Hitzewellen, Starkregen, Hochwasser. Wann und wo konkret Extremwetter zur Gefahr werden, kann auch der neue Quick-Check der Bodensee-Stiftung nicht prognostizieren. Aber er hilft, Anfälligkeiten und den Bedarf für Anpassungs-Schritte zu erkennen.
14.08.2026 – Mit dem Quick-Check hat die in Radolfzell ansässige Bodensee-Stiftung ein einfach anwendbares Tool entwickelt, das eine erste Einschätzung der Klimavulnerabilität (Verletzlichkeit) von Standorten ermöglicht. Der Excel-basierte Ansatz richtet sich vor allem an Unternehmen und Kommunen. Er unterstützt sie dabei, Risiken zu erkennen und naturbasierte Maßnahmen gezielt zu priorisieren.
„Der Quick-Check ist als niedrigschwelliger Einstieg in das Thema Klimarisiken konzipiert“, erläutert Projektmanagerin Mia Glammeier, die das Angebot mitentwickelt hat. „Innerhalb von 30 bis 60 Minuten können Nutzende eine erste Einschätzung vornehmen und so ein besseres Verständnis dafür entwickeln, wie stark ihre Liegenschaft von klimabedingten Risiken betroffen sein könnte.“
Vier Komponenten rücken in den Fokus
- Exposition: In welchem Maß ist der Standort klimatischen Risiken wie Hitze, Starkregen oder Hochwasser ausgesetzt?
- Sensitivität: Wie anfällig sind Gebäude, Außenanlagen und die Menschen vor Ort gegenüber diesen Risiken?
- Potenzielle Auswirkungen: Welche Folgen können sich daraus ergeben?
- Anpassungskapazität: Welche Maßnahmen zur Klimawandelanpassung sind bereits umgesetzt oder könnten umgesetzt werden?
Die Bewertung erfolgt über eine Skala von „gering“ bis „extrem hoch“ (grün bis rot). Am Ende liefert das Tool eine zusammenfassende Einschätzung für die Vulnerabilität des Standorts, zudem konkrete Vorschläge für naturbasierte Klimaanpassungsmaßnahmen.
Hoher Praxisbezug – schnell ins Handeln kommen!
Zehn Firmen haben den Quick-Check im Rahmen einer Pilotphase getestet. Ergebnis: Das Tool kommt schnell und unkompliziert zum Einsatz. „Die Unternehmen waren überraschend froh über das Excel-Format, da dadurch keine Probleme mit der IT-Sicherheit entstehen und jeder weiß, wie es funktioniert“, sagt Glammeier.
Liegt das Ergebnis vor, ist der Weg zur ersten Handlungsumsetzung nicht weit. So hat die Bodensee-Stiftung festgestellt, dass „die meisten Unternehmen zunächst mit einer Liegenschaft (meist dem Hauptgebäude oder der Zentrale) starten möchten, um erste einfache Maßnahmen umzusetzen“, berichtet Glammeier, „etwa die Umstellung von Gebrauchsrasen auf Wiese, die für eine bessere Versickerung und mehr Verdunstungskühle sorgt, oder gezielte Baumpflanzungen, die Schatten spenden und ebenfalls kühlend wirken.“
Der Quick-Check basiert auf wissenschaftlichen Grundlagen, die gezielt um praxisrelevante Aspekte ergänzt wurden. Für die Bewertung der Exposition zieht das Tool Karten der Bundesanstalt für Gewässerkunde und des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung als Datengrundlage heran. Der Fokus liegt auf drei in Deutschland besonders relevanten Klimarisiken: Hitze, Starkregen und Hochwasser.
Die Sensitivität von Gebäuden orientiert sich an bestehenden Einstufungen des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung. Ergänzend hat die Bodensee-Stiftung Aspekte wie Außenanlagen, Vegetation und mögliche Auswirkungen auf Menschen integriert. Der Aufbau folgt einem strukturierten Fragebogen und unterscheidet zwischen Risiken durch Hitze und Wasser.
Auch die Anpassungskapazität wird systematisch erfasst: Welche Maßnahmen sind bereits umgesetzt, welche können realistisch umgesetzt werden? Dies wird gewichtet und in die Gesamtbewertung einbezogen. Auf Basis der Ergebnisse schlägt der Quick-Check automatisch naturbasierte Maßnahmen vor. Ergänzend steht ein Maßnahmenkatalog mit detaillierten Erläuterungen und Praxisbeispielen zur Verfügung.
Aktuell ist das Tool für Standorte in ganz Deutschland ausgelegt, Versionen für Österreich und die Schweiz sind in Vorbereitung. Der Quick-Check wurde im Rahmen des Interreg-Projekts Zukunftsgrün entwickelt. bb
Weitere Informationen zum Quick-Check gibt es online
Wer am Quick-Check interessiert ist oder mehr über naturbasierte Klimaanpassung erfahren möchte, kann sich auch direkt an die Bodensee-Stiftung wenden:
Mia Glammeier (mia.glammeier@bodensee-stiftung.org)
Daniela Dietsche (daniela.dietsche@bodensee-stiftung.org)


























































