Waldzustandserhebung 2025: Kronenschäden stagnieren auf hohem Niveau

Der Zustand deutscher Wälder hat sich trotz schwieriger Witterung im vergangenen Jahr nicht weiter verschlechtert, zeigt die Waldzustandserhebung 2025. Naturschutzverbände warnen, dass damit weiterhin vier von fünf Bäumen nicht gesund sind.
21.05.2026 – Seit 1984 dokumentiert die Waldzustandserhebung des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) mit systematischem Blick in die Baumkronen, wie sich die deutschen Wälder entwickeln. Im vergangenen Jahr hat sich der Zustand der Baumkronen trotz ungünstiger Wetterbedingungen kaum verändert, zeigen die aktuellen Daten der jüngsten Erhebung Waldzustandserhebung 2025. Auch die Zahl neu abgestorbener Bäume sowohl bei den Laub- als auch bei den Nadelbäumen ist zurückgegangen.
Das sind zwar gute Nachrichten, doch insgesamt hat sich der Wald noch immer nicht von den Folgen von Trockenheit und extremer Hitzeperioden der vergangenen Jahre erholt. Im bundesweiten Durchschnitt sind vier von fünf Bäumen in unterschiedlichem Ausmaß erkrankt.
„Nur noch jeder fünfte Baum ist gesund. Unsere Wälder leiden unter den Folgen der Klimakrise. Trockenheit und Dürre, Hitze, vermehrte Stürme, intensive Forstwirtschaft und Schadstoffemissionen aus Verkehr, Industrie und Landwirtschaft setzen ihnen zu“ kommentiert Olaf Bandt, Vorsitzender beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).
Zustand der Hauptbaumarten und Langzeittrends
Am besten hat sich die Buche entwickelt. Die zuvor deutlichen Schäden sanken im Vorjahresvergleich deutlich, die mittlere Kronenverlichtung – also der sichtbare Verlust von Blättern und Nadeln – sank leicht, und der Anteil gesunder Buchen stieg an. Bei den Fichten zeigt sich zumindest eine leichte Entlastung. Mit mehr als der Hälfte verharren hingegen die Schäden an Eichen auf hohem Niveau, doch zumindest ist die Anzahl der Bäume ohne Kronenverlichtung leicht gestiegen. Schlechter ging es hingegen den Kiefern mit einem deutlichen Anstieg an Schäden.
Langfristig betrachtet hat der Anteil der deutlichen und der mittleren Kronenverlichtung seit dem Beginn der Erhebungen im Jahr 1984 über alle Baumarten hinweg zugenommen. Die gravierendsten wurden 2019 registriert. Von den extremen Dürrejahren von 2018 bis 2020 hat sich der Wald noch immer nicht erholt. 2025 haben sich die sichtbaren Nadel- und Blattverluste der Baumkronen zwar im Vergleich zu 2024 kaum verändert, verbleiben aber auf einem sehr hohen Niveau.
„Ein einzelner regenreicherer Juli reicht nicht aus, um die Schäden der vergangenen Dürrejahre auszugleichen“, erklärt NABU-Waldexperte Sven Selbert. „Unsere Wälder leiden weiterhin unter Trockenstress, Hitze und Schädlingsdruck. Wir brauchen jetzt konsequent klimaresiliente Waldökosysteme, die mit den Folgen der Klimakrise besser umgehen können.“
Naturnahe und artenreiche Wälder können die vielfältigen Ökosystemleistungen des Waldes langfristig sichern. Wälder speichern Wasser, regulieren durch ihre Schwammfunktion Hitze und Starkregen, liefern den wertvollen Rohstoff Holz, und bieten unzähligen Tier-, Pflanzen- und Pilzarten einen Lebensraum.
Klimaresistenter Wald
Für die Anpassung der Wälder an den Klimawandel ist eine gezielte und nachhaltige Waldbewirtschaftung entscheidend. Für Waldumbau, Wiederaufforstung und Pflege stellen Bund und Länder in diesem Jahr bis zu 100 Millionen Euro an Bundesmitteln zur Verfügung. Förderprogramme wie das Klimaangepasste Waldmanagement (KWM) vergüten zudem zusätzliche Klimaschutz- und Biodiversitätsleistungen im Wald.
NABU und BUND fordern, Wälder besser zu schützen und u.a. die EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur zu nutzen, um eine langfristige, nachhaltige Waldpolitik umzusetzen. „Es braucht ökologische Leitplanken für Wirtschaftswälder, 15 Prozent Naturwälder ohne forstliche Nutzung und die Förderung heimischer Laubwälder“, so Bandt. Für alte Buchenwälder fordere der BUND einen bundesweiten Einschlagstopp. Dadurch werde ihr geschlossenes Kronendach bestmöglich geschützt. Dort, wo Nadelwälder großflächig abgestorben seien, müsse natürliche Wiederbewaldung Standard sein.
Hintergrund zur Erhebung
Methodisch wird die bundesweite Waldzustandserhebung von den einzelnen Bundesländern auf Basis eines systematischen Stichprobennetzes direkt vor Ort durchgeführt. Die finale Berechnung des gesamtdeutschen Bundesergebnisses erfolgt am Institut für Waldökosysteme des Thünen-Instituts, dem Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei, welches die kompletten Ergebnisse der Erhebung zur Verfügung stellt. jb



















































