TOP-THEMA
Europa






Global Carbon Budget 2025Mehr Emissionen, weniger Senken

Blick auf ein Industriegebiet mit rauchenden Schornsteinen an einer Küste unter einer dunklen, wolkenverhangenen Himmelschicht. Zwischen Meer und Land liegt ein breiter Streifen aus Dunst und Rauch, der die Atmosphäre bedrückt und auf Umweltbelastung hinweist.
Ganz so trübe sieht die Zukunft auch nicht aus, die Lichtblicke im Kampf gegen den Klimawandel sind da (Foto von Chris Barbalis auf Unsplash)

Kohle, Öl und Gas sorgen weiter für steigende CO2-Emissionen in der Atmosphäre. Gleichzeitig sinkt die Aufnahmefähigkeit natürlicher Senken wie Wälder und Ozeane. Düstere Nachrichten des Global Carbon Projects. Doch es gibt auch positive Tendenzen.

14.11.2025 – Wieder einmal steigen die CO2-Emissionen gegenüber dem Vorjahr. Verzeichneten Wissenschaftlter:innen von 2023 auf 2024 einen Anstieg um 0,8 Prozent, sind es vom vergangenen zu diesem Jahr voraussichtlich 1,1 Prozent. Die Macher:innen des Global Carbon Projects verzeichnen in ihrem am gestrigen Donnerstag veröffentlichten Bericht einen prognostizierten Ausstoß von 38,1 Milliarden Tonnen CO2 im Jahre 2025.

Hinter dem Global Carbon Project steht eine internationale Forschungsgruppe unter der Leitung von Pierre Friedlingstein, Professor am Global Systems Institute der Universität Exeter, in England. Hauptverantwortlich für den weiter steigenden Ausstoß sind wieder einmal die fossilen Brennstoffe Kohle (+0,8 Prozent), Öl (+1,0 Prozent) und Erdgas (+1,3 Prozent). Stark steigende CO2-Emissionen gegenüber dem Vorjahr verzeichnete auch die Luftfahrt (+6,8 Prozent), während sie bei der internationalen Schifffahrt stagnierte.

Infolge der Zunahme wird die CO2-Konzentration in der Atmosphäre 2025 auf 425,7 ppm (parts per million – zu Deutsch: Teilchen pro Million Teilchen) steigen. 2024 lag der Wert bei 423,9 ppm, was schon einen Rekordwert darstellte. Dazu trägt auch bei, dass die Aufnahmefähigkeit natürlicher Senken immer weiter abnimmt. Zwischen 2015 und 2024 konnten Ökosysteme an Land 25 Prozent weniger CO2 aufnehmen und speichern. Die Aufnahmekapazitäten von Ozeanen verringerte sich um 7,9 Prozent.

Mehr zum Thema

Natürlicher Klimaschutz

Marine Ökosysteme sind wichtige Kohlenstoffsenken

Ökosysteme an den Küsten speichern enorm große Mengen Kohlenstoff. Außerdem erwächst aus der Kinderstube vieler Meeresorganismen eine unverzichtbare Nahrungsquelle, für Meerestiere, aber auch für Menschen. Gute Gründe sie stärker zu schützen.

Für den Verlust mitverantwortlich: der Klimawandel selbst – ein sich selbst verstärkender Kreislauf. Laut Analyse des Global Carbon Project, sind seit 1960 rund 8 Prozent des Aufnahmeverlustes auf die Auswirkungen des Klimawandels zurückzuführen. Wälder vertrocknen und Meere versauern.

Ein Blick in die Länder zeigt: sanken die Emissionen im vergangenen Jahr gegenüber 2023 in der Europäischen Union noch deutlich (-3,8 Prozent) und in den USA leicht (-0,6 Prozent). Stiegen sie in diesem Jahr wieder an – USA +1,9 Prozent und EU +0,4 Prozent. Auch China verzeichnete einen leichten Anstieg (+0,4 Prozent). Erstmals zurück dagegen gingen die Emissionen in Japan (-2,2 Prozent).

Die positiven Nachrichten

Und die Wissenschaftler:innen warten nicht nur aus Japan mit positiven Nachrichten auf. So geht insbesondere die Entwaldung weltweit zurück. Insgesamt sorgten Landnutzungsemissionen – wie etwa die Entwaldung und Landwirtschaft – 2025 für einen CO2-Ausstoß von 4,1 Milliarden Tonnen. Das ist weniger als im Mittel der letzten Dekade von 5 Milliarden Tonnen.

Julia Pongratz ist Professorin und Inhaberin des Lehrstuhls für Physische Geographie und Landnutzungssysteme an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), sowie Autorin der Global Carbon Analyse. Sie weist daraufhin, dass die Top 3 Emittenten mit Brasilien, Indonesien und die Demokratische Republik Kongo, die tropischen Regionen unserer Erde mit einem großen Regenwandanteil sind. „Zusammen machen die 57 Prozent der

Landnutzungsemissionen der letzten Dekade aus.“ Aber: „In Brasilien sieht man den Erfolg umweltpolitischer Maßnahmen. Seit Lula (Präsident Brasiliens; Anm. d. Red.) 2023 das Amt übernommen hat, haben sich die Entwaldungsraten halbiert“, so Pongratz.

Zudem würde die Entwicklung, laut Autor:innen insgesamt zeigen, dass die Dekarbonisierung in vielen Ländern voranschreite und das im Einklang mit Wirtschaftswachstum. Corinne Le Quéré, Professorin an der School of Environmental Sciences der Universität East Anglia und ebenfalls Mitautorin, sagt: Die Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel sind sichtbar. 35 Länder haben bereits erfolgreich ihre Emissionen reduziert, während ihre Wirtschaft wächst. Das sind doppelt so viele Länder, wie noch vor einer Dekade und ein bedeutender Prozess die Abhängigkeit von fossilen Energien zu verringern.“

Die Staatengemeinschaft ist auf der COP gefordert

Zugleich mahnen die Autor:innen schnellere und wirksamere Maßnahmen im Kampf gegen den Klimawandel an. Hauptautor Pierre Friedlingstein bringt es auf den Punkt: „Das verbliebene Budget von 170 Milliarden Tonnen CO2 für den 1,5 Grad Pfad, wird beim aktuellen Voranschreiten der Emissionen 2030 aufgebraucht sein. Der Klimawandel wird die Aufnahmekapazitäten natürlicher Senken an Land und im Meer weiter senken – ein klares Signal vom Planeten Erde, dass wir die Emissionen dramatisch senken müssen.“

Eine Steilvorlage für die aktuellen Verhandlungen auf der Weltklimakonferenz im brasilianischen Belém, bei der Maßnahmen zur Senkung der Emissionen und besserer Schutz von Regenwäldern bestimmende Themen sind. So wird über die bislang unzureichenden Klimapläne der Staatengemeinschaft und die Ambitionslücke zu den Pariser Klimazielen verhandelt. Mit der Verkündung eines Tropenwaldfonds, konnte die brasilianische COP-Präsidentschaft einen ersten Erfolg verbuchen, der nun weiter mit finanziellen Mitteln ausgestattet werden muss. mg

Neuen Kommentar schreiben


Name: *
E-Mail: *
(wird nicht veröffentlicht)
Nicht ausfüllen!


Kommentar: *

max 2.000 Zeichen