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Sand aus der SaharaMehr Wüstenstaub auf Solaranlagen in Europa

Person auf Flachdach mit Photovoltaik reinigt Solarmodule
Verschmutzte Solarmodule sind am besten mit viel Wasser und nicht zu harten Bürsten zu reinigen. (Foto: Getty Images für Unsplash+ / Unsplash+-Lizenz)

Während die vom Menschen durch Verkehr, Haushalte und Industrie direkt verursachte Feinstaubmenge in Europa dank strenger Vorschriften sinkt, steigen die Emissionen aus anderer Quelle: Die Rede ist von Wüstenstaub.

23.07.2026 – Feinstaub aus den Wüsten Nordafrikas gelangt in immer größeren Mengen nach Europa. Ein gelblich eingetrübter Himmel und die Staubablagerungen auf Autos sind das sichtbare Zeichen dieses Phänomens, das nachweisbare Folgen für die Gesundheit hat, aber auch für die Energieversorgung. Denn der Wüstenstaub legt sich auch auf Solaranlagen ab und reduziert die Stromausbeute.

Eine umfassende Studie unter Federführung des Paul Scherrer Instituts PSI in der Schweiz zeigt die steigende Belastung, sie könnte sich zudem durch den Klimawandel weiter verschärfen. Die Forschenden des PSI haben in Kooperation mit Kolleginnen und Kollegen aus ganz Europa Daten der vergangenen zehn Jahre vonmehr als hundert Messstationen gesammelt und mit künstlicher Intelligenz kombiniert. Das Ergebnis: In Südeuropa liegt die durchschnittliche Konzentration von Wüstenstaub bei 5,3 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft – mehr als doppelt so hoch wie in Mittel- und Nordeuropa, wo im Schnitt 2,1 Mikrogramm gemessen wurden. Insgesamt hat die Staubmenge in diesem Zeitraum um rund ein halbes Mikrogramm pro Kubikmeter zugenommen.

„Das entspricht einer Zunahme von zehn bis fünfundzwanzig Prozent dieser Staubbelastung“, sagt Projektleiter Kaspar Dällenbach vom Zentrum für Energie- und Umweltwissenschaften am PSI. „Sowohl für die Effizienz und Wirtschaftlichkeit großer Solaranlagen als auch hinsichtlich der gesundheitlichen Folgen erhöhter Feinstaubbelastung ist das nicht zu vernachlässigen.“

Für noch längerfristige Vergleiche reichen an den meisten Messstationen die relevanten Datenerhebungen nicht weit genug zurück. Daher wurden im Rahmen der Studie auch Eisbohrkerndaten vom Colle Gnifetti an der schweizerisch-italienischen Grenze herangezogen: Die im Eis des Alpengletschers eingeschlossenen Feinstaubpartikel der letzten Jahrhunderte zeigen, dass sich die Wüstenstaubkonzentration dort im Laufe der Industrialisierung – also über die vergangenen 150 Jahre – mehr als verdoppelt hat.

Zukünftig weiter steigende Feinstaubemissionen befürchtet

Zu befürchten ist, dass die Wüstenstaubkonzentration weiterhin steigt und damit die Bemühungen um die Eindämmung der menschengemachten Feinstaubemissionen teilweise untergräbt. Als Ursache identifiziert die Studie die zunehmende Austrocknung der Sahara in Nordafrika. Hinzu kommt eine veränderte atmosphärische Zirkulation, die vermehrt starke Winde aus dieser Region nach Europa bringt.

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„Inwieweit der menschengemachte Klimawandel diese Entwicklung mitverursacht hat und ob er sie weiter verstärkt, ist noch nicht abschließend geklärt“, sagt Kaspar Dällenbach. „Unser derzeitiges Verständnis legt jedoch nahe, dass die Zunahme des Wüstenstaubs durch die Treibhausgasemissionen des Menschen und die damit verbundene Klimaerwärmung zumindest begünstigt wird. Dadurch wird es in bestimmten Regionen trockener und die Wüsten breiten sich aus.“

Wüstenstaub kann die Gesundheit belasten

Hinsichtlich der gesundheitlichen Folgen von erhöhten Wüstenstaubkonzentrationen in Europa haben die Forschenden den Stand der epidemiologischen Untersuchungen ausgewertet. Längerfristige Auswirkungen durch transportierten Wüstenstaub wie Staublunge, Asthma und chronische Bronchitis ließen sich nur durch aufwendige Langzeitstudien eindeutig belegen. Die unmittelbar steigende Sterblichkeit an Tagen mit erhöhtem Wüstenstaubaufkommen in der Luft hingegen ist gut dokumentiert: An Staubtagen sterben deutlich mehr Menschen infolge von Herzinfarkten und Atemproblemen als an anderen Tagen. „Dabei hat sich die Anzahl der Stürme, die Wüstenstaub aus der Sahara und den arabischen Wüsten zu uns tragen, nicht wirklich erhöht“, sagt Petros Vasilakos, ebenfalls Forscher am Zentrum für Energie- und Umweltwissenschaften des PSI und Erstautor der Studie. „Aber sie sind im Verlauf der betrachteten zehn Jahre intensiver geworden und transportieren dadurch heute mehr Staub nach Europa als früher.“

Davon ist vor allem Südeuropa – von Griechenland im Osten über Italien bis Spanien und Portugal –betroffen. Auch in Westfrankreich konnte die Studie erhöhte Staubwerte feststellen. Das liegt daran, dass Luftmassen aus der Sahara nicht selten auch auf den Atlantik hinausströmen und weiter nördlich wieder nach Westeuropa abdrehen

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Ziel muss sein, die Austrocknung von Wüsten einzudämmen

Anders als beim direkt vom Menschen verursachten Feinstaub etwa aus Auspuffen, Schornsteinen und Abriebprozessen ist der Handlungsspielraum zur Eindämmung der Wüstenstaub-Emissionen begrenzt. Umfassender Klimaschutz zur Begrenzung der Erderwärmung könnte aber langfristig helfen, die Austrocknung von Wüstengebieten und damit die Ausdehnung dieser Staubquellen einzudämmen. Vorerst jedoch muss Europa mit der Zunahme des Wüstenstaubs leben.

Denkbar wäre, ähnlich wie bei städtischem Feinstaub Warnsysteme für hohe Konzentrationen einzurichten, damit insbesondere sensible oder lungenkranke Menschen an Staubtagen Vorsichtsmaßnahmen treffen können. Auch die Energiewirtschaft würde davon profitieren: Wüstenstaub in der Luft beschattet Solaranlagen und lagert sich darauf ab. Dadurch produzieren diese weniger Strom. Wenn Versorger dies kommen sähen, könnten sie es rechtzeitig durch Hochfahren anderer Kraftwerke ausgleichen und so die Netzstabilität gewährleisten. pf

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