WasserknappheitNachhaltiger Bergtourismus beginnt auf der Toilette

Toilettenhäuschen, mit Holz verkleidet, außen zwei Solarpanele, im Hintergrund Schnee und die Prager Hütte, die Bergwanderern Unterkunft bietet
An der Neuen Prager Hütte wurden zwei verschiedene Trockenklos gebaut. Nun wird geschaut, welches Konzept unter welchen Bedingungen gut funktioniert. (Foto: DAV / Moritz Pfeiffer)

Wegen Wasserknappheit rüsten Berghütten um. Das klassische Spül-WC wird durch Trockentoiletten ersetzt, was sehr viel Wasser spart. Der Deutsche Alpenverein erprobt an der Neuen Prager Hütte in Osttirol verschiedene Konzepte.

22.08.2026 – Der Klimawandel hat Folgen für das Wasseraufkommen im Alpenraum. Das bekommen auch Touristen zu spüren: Wegen Wassermangels müssen Berghütten immer öfter vorzeitig schließen. Um den Verbrauch auf seinen Hütten zu senken, erprobt der Deutsche Alpenverein derzeit die Nutzung von Trockentoiletten. Ein Projekt mit Modellcharakter wurde an der Neuen Prager Hütte realisiert. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert das Projekt im Nationalpark Hohen Tauern in Österreich.

Wassermangel zwingt Hütten zu vorzeitigem Saisonabbruch

Tatsächlich erleben die Hochgebirge wiederholt Phasen mit einer früher ungekannten Wasserknappheit. Die Wirte der „Neuen Prager Hütte“ mussten in den vergangenen Jahren bereits zwei Mal den Betrieb in der sommerlichen Hochsaison einstellen. Anfang August waren die aus Tau- und Quellwasser gespeisten Wasserspeicher leer.

Der mit Abstand größte Wasserverbrauch wurde, wie oft bei Berghütten, durch Spültoiletten verursacht. Sie wurden deshalb zur Sommersaison 2026 auf der Neuen Prager Hütte außer Betrieb genommen und durch Trockentoiletten ersetzt. Diese waren im Sommer zuvor in einem eigens errichteten Gebäude installiert worden. Der Effekt beim Wassersparen ist beträchtlich: Fielen zuvor je Spülung sechs bis zehn Liter Wasser an, brauchen Trockentoiletten keinen Tropfen. Das spart im Falle der Neuen Prager Hütte täglich rund 1000 Liter Wasser.

Das Projekt im Alpenraum könnte Schule machen. Den entsprechenden Bedarf unterstreicht der Deutsche Alpenverein (DAV): Im aktuellen Sommer 2026 meldeten sich oft mehrmals je Woche DAV-Sektionen, deren Hütten mit Wasserknappheit konfrontiert seien und die Lösungen suchten.

Mehr zum Thema

Blick von oben auf eine Fläche mit grünen Pflanzen, weiße Wasserbehälter und Rohre
Vom Abwasser zur Ressource

Neue Wege für eine effiziente Wassernutzung

Im EU-Projekt Decire-Water entwickeln Forschende dezentrale Technologien zur Wasseraufbereitung und Wiederverwendung. Die Systeme bieten Lösungen für Wohnungen und Wohnblöcke als auch für ganze Stadtgebiete.

Auch die Hochlandhütte in den Bayerischen Alpen spart seit diesem Sommer viel Wasser. Hier wurden vier wasserlose Trockentrenntoiletten mit mechanischem Fußpedal und Förderband-Technik eingebaut. Im Rahmen der Sanierung wurde zudem eine größere Photovoltaikanlage und ein Wasserspeicher mit 30.000 Litern eingebaut, letzterer soll den Betrieb auch in trockenen Sommern sichern.

Trockenklos genauso komfortabel wie Spül-WC

Die Neue Prager Hütte, die dem Dachverband des DAV gehört, soll anderen Sektionen als Muster für den Umgang mit Klimafolgen dienen. Insofern hat sie Modellcharakter. Das betont Moritz Pfeiffer, beim DAV zuständig für Hütteninfrastruktur. Hinsichtlich des Wasserverbrauchs erzielten die neuen WC den erwünschten Effekt, sagt Pfeiffer.

Seitens der Gäste gebe es bislang keinerlei negative Resonanz. „Aus Nutzersicht sind die Trockenklos genauso komfortabel wie Spül-WC“, betont er. Da im neuen Sanitärgebäude dank Solarluftkollektoren ein konstanter Luftzug von oben nach unten herrsche, gebe es, anders als bisweilen bei Spülklos, auch „keine unschönen Gerüche“.  

Mehr zum Thema

Berge mit Wasserfällen und Pfützen im Vordergrund
Globale Wasserkrise

Die Welt verbraucht zu viel Wasser

Flüsse versiegen, Grundwasser sinkt, Gletscher schmelzen. Ein Bericht warnt nun vor einer beginnenden Wasserinsolvenz – unumkehrbare Veränderungen des Wasserkreislaufs – und fordert eine bessere Bewirtschaftung, regional und weltweit.

Trockenklos müssen unter extremen Klimabedingungen funktionieren

Untersucht wird derzeit, welcher Umgang mit menschlichen Exkrementen auf einer Höhe von 2800 Metern am besten geeignet ist. Der DAV hat an der Neuen Prager Hütte zwei Typen Trocken-WC installiert: Klassische Kompost-WC, die sämtliche Ausscheidungen in Komposttanks abführen, und Trennklos, die die menschlichen Ausscheidungen getrennt auffangen. Flüssigkeit fließt mit Abwässern aus Küche und Dusche in eine Grauwasserkläranlage. Feststoffe landen in sogenannte Bigbags, also reißfeste sackähnliche Behälter, werden vorgetrocknet und schließlich in einem derzeit im Bau befindlichen mehrstufigen Komposter weiterverarbeitet.

Der Einsatz zweier Systeme hat teils pragmatische Gründe: Denn im Winter ist die Hütte nicht bewirtschaftet, hält für Wanderer aber einen Winterraum offen. Die recht pflegeleichten Kompost-WC sind dann weiter nutzbar, wohingegen die Trennklos allein im Sommer zur Verfügung stehen. Die dort anfallenden Feststoffe müssen nämlich regelmäßig im Komposter entsorgt werden. Der DAV hofft, darin das Volumen der Feststoffe stark zu reduzieren, damit die deutlich geschrumpfte Restmasse per Materialseilbahn zur thermischen Verwertung ins Tal befördert kann.

Mehr zum Thema

BAustelle mit viel Erdaushub für eine Seilbahnstation
Sport und Nachhaltigkeit

Olympische Winterspiele auf wackligem Boden

Die Alpenschutzorganisation CIPRA kritisiert den Bauboom für die olympischen Winterspiele in den italienischen Alpen. Viel Geld für Beton und Stahl sowie Straßenbau wurde ausgegeben, viele Projekte sind noch gar nicht fertig.

Der Einsatz zweier Systeme soll zudem Erkenntnisse liefern, welcher Ansatz am besten für eine einfache Entsorgung geeignet ist. „Wir sind dabei in einer Höhenlage mit klimatisch teils extremen Bedingungen“, sagt Max Pfeiffer vom DAV. „Es muss sich zeigen, ob wir in der Höhe anhaltende Bedingungen schaffen können, um menschliche Ausscheidungen zu trocknen und zu kompostieren. Das wollen wir nun im nächsten Schritt herausfinden.“ Ziel sei auch, Transporte zu minimieren. Dafür sucht der DAV aktuell Forschungspartner: Untersucht werden soll, ob, wie und mit welchen Folgen eine Kompostierung direkt am Berg möglich wäre. Der Klimawandel, so viel ist klar, führt laufend zu neuen Fragen im alpinen Raum. pf

Neuen Kommentar schreiben


Name: *
E-Mail: *
(wird nicht veröffentlicht)
Nicht ausfüllen!


Kommentar: *

max 2.000 Zeichen