Grundlagen der Klimamodellierung: Neuer Rahmen für CMIP7-Klimaszenarien verengt Prognosebereich

Zukünftig arbeiten Klimamodelle ohne das bisherige Worst-Case-Scenario. Damit verkleinert sich die Spanne der Projektionen am oberen Ende, doch auch sehr niedrige Emissionsszenarien sind unwahrscheinlicher geworden.
27.05.2026 – Anfang April veröffentlichten führende Klimawissenschaftler unter dem Dach des World Climate Research Programme die überarbeitete Berechnungsbasis für künftige Klimamodelle. Im Scenario Model Intercomparison Project for CMIP7 (ScenarioMIP-CMIP7) schrumpft die Bandbreite der Emissionsszenarien, da das Worst-Case-Scenario – SSP5-8.5 – nicht mehr einberechnet wird. Das Szenario sei – ebenso wie solche mit sehr geringen Emissionen – nicht mehr wahrscheinlich, heißt es vom wissenschaftlichen Gremium.
Das ScenarioMIP-CMIP7 bildet die verbindliche Berechnungsbasis für über 30 globale Modellierungszentren zur Erstellung neuer Erdsystem- und Klimaprojektionen, liefert die direkte Datengrundlage für den kommenden Siebten Sachstandsbericht (AR7) des Weltklimarates IPCC und ist die essenzielle Ausgangslage für die weltweite Risiko-, Anpassungs- und Klimaschutzforschung.
Ein Lichtblick, keine Entwarnung
Einige Medienberichte präsentierten die wissenschaftliche Kursänderung als Fehlerkorrektur. Wenig überraschend griff auch US-Präsident Donald Trump das Thema auf X auf, um die bisherige Klimaforschung pauschal als fehlerhaft darzustellen.
„Zukunftsszenarien sind keine Vorhersagen für die Zukunft“, ordnet Diana Rechid Leiterin der Abteilung Regionaler und Lokaler Klimawandel, Climate Service Center Germany – Helmholtz-Zentrum Hereon, Hamburg, ein. Sie stellten mögliche zukünftige Entwicklungen dar – jeweils basierend auf dem aktuellen Stand des Wissens zum Zeitpunkt ihrer Erstellung. Eine mathematische Wahrscheinlichkeit werde ihnen nicht zugeordnet, vielmehr könnten interdisziplinäre Expertenteams ihre Plausibiliät bewerten.
„Klimaschutz hat gewirkt“, kommentiert Niklas Höhne, Mitbegründer, New Climate Institute, Köln. „Die erneuerbaren Energien sind jetzt so stark, dass ein unendliches Wachstum der fossilen Energien ausgeschlossen werden kann.“ Die Abschaffung des Worst-Case-Szenarios sei aber keineswegs Entwarnung. Die Wissenschaft gehe heute von sehr viel gravierenden Auswirkungen für ein bestimmtes Temperaturniveau aus als noch vor zehn Jahren. Insbesondere die Wahrscheinlichkeit von Kipppunkten sei heute erheblich höher. „Damit sind die Auswirkungen des aktuellen Szenarios mit den höchsten Emissionen in etwa so gravierend, wie es vor zehn Jahren vom Worst-Case-Szenario erwartet wurde“, erklärt Höhne.
Zukunftsszenarien entwickeln
Die Zukunftsszenarien entstanden zu Beginn der 2010er-Jahre mit den sogenannten repräsentativen Konzentrationspfaden (RCPs). Diese bildeten das methodische Gerüst für den Fünften IPCC-Sachstandsbericht, veröffentlicht ab 2013 und 2014. Mit den vier Hauptpfaden wurde aufgezeigt, wie sich der Strahlungsantrieb in Abhängigkeit von der Treibhausgasmenge verändern und die globalen Temperaturen im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter steigen würde. Das niedrigste Emissionsszenario RCP2.6 ging von einem Temperaturanstieg von 1,8 Grad aus, das höchste RCP8.5 von unvorstellbaren 4,8 Grad.
Für den darauffolgenden IPCC-Bericht wurden die physikalischen Modelle durch die Shared Socioeconomic Pathways (SSPs) erweitert. Seither fließen gesellschaftliche Veränderungen wie Bevölkerungsentwicklung, Wirtschaftswachstum und die Zusammensetzung der globalen Energieversorgung direkt in die Modelle ein. Die SSPs basieren auf fünf unterschiedlichen sozio-ökonomischen Zukunftsentwürfen für die Menschheit bis zum Jahr 2100, die von einer konsequent ökologischen Transformation (SSP1) bis zu einem Fokus auf Kohle, Öl und Gas (SSP5) reichen. Die Kombination aus der radikal fossilen Gesellschaftsentwicklung und den extremen physikalischen Emissionswerten bildete als SSP5-8.5 das bisherige Worst-Case-Szenario der Klimaforschung – jenen Pfad, den die CMIP7 nun als unplausibel gestrichen hat.
„Für CMIP7 wurden nun auch neue Szenarien entwickelt, in denen ein zeitweises Überschreiten einer globalen Erwärmungsrate von 1,5 Grad angenommen wird“, erklärt Rechid. Diese Overshoot-Szenarien würden wichtige Grundlagen liefern, um die Auswirkungen im Klimasystem zu berechnen und besser zu verstehen, welche Prozesse sich verstärkten und auch nach der Phase mit Overshoot noch weiterwirkten. Damit würden essenzielle Grundlagen zur Anpassungsplanung geschaffen. jb




















































