Naturkatastrophen 2025Sekundärgefahren, Primärschäden: Klimakrise treibt Katastrophenbilanz

Drei Feuerwehrleute in Schutzkleidung und Helmen bewegen sich bei Sonnenuntergang durch ein Busch- und Waldgebiet. Sie tragen Schläuche und Ausrüstung zur Brandbekämpfung, während Rauch und Staub in der Luft liegen. Die Szene zeigt den Einsatz bei einem Waldbrand in hügeligem Gelände.
Feuerwehrleute im Einsatz bei den verheerenden Waldbränden in Kalifornien Anfang 2025 (Bild: Forest Service, USDA, flickr, Public Domain)

Ohne große Hurrikan-Treffer, aber mit Rekordbränden und Milliardengewittern: Munich Re zeigt, wie „Non-Peak Perils“ die USA zum Zentrum der Katastrophenschäden machen – und wie die Klimakrise das Risiko weiter verschärft.

15.01.2025 – Es zeichnete sich bereits Anfang des vergangenen Jahres ab. Schon kurz nach Ausbruch der Waldbrände in Kalifornien prognostizierten Expert:innen, dass diese, in monetären Wert, die schlimmste Naturkatastrophe 2025 werden könnte. Diese Woche bestätigte der deutsche Rückversicherer Munich Re die Annahme. In ihrer jährlichen Naturkatastrophenbilanz erklärte der Rückversicherer, dass sich der Gesamtschaden der Waldbrände rund um Los Angeles auf 53 Milliarden US-Dollar belief. Keine Naturkatastrophe reichte in finanzieller Sicht 2025 daran.

Immerhin war ein Großteil der Schäden – rund 40 Milliarden US-Dollar – versichert. Dasselbe gilt für weitere Naturkatstrophen in den USA. Eine Reihe von Schwergewittern, zum Teil mit Tornados, durchzogen im Jahresverlauf das Zentrum und den Süden der USA. Auch hier gingen die überwiegend versicherten Schäden in die Milliarden. Lediglich von verheerenden Hurrikans blieben die Vereinigten Staaten 2025 verschont.

Thomas Blunck, Mitglied des Vorstands der Munich Re, konstatiert: „Es war 2025 pures Glück für die USA, dass Hurrikane sie verschonten. Und dennoch: Das Land ist Spitzenreiter der Schadensstatistik, da der Trend zu sehr hohen Schäden durch „Non-Peak Perils“ bleibt.“ Damit sind sogenannte „Sekundärgefahren“ gemeint – Schäden, die ohne Spitze, wie Hurrikane und Erdbeben, auftreten, aber dafür häufiger und ebenfalls immense Zerstörungen verursachen. Wie sich zeigt, ist die USA auch deshalb weiterhin Zentrum von Naturkatastrophen und ihren Folgen.

Nur durch Zufall, insbesondere das Ausbleiben von Hurrikan-Treffern auf das US-Festland, sei die Welt in diesem Jahr an potenziell noch viel größeren Schäden vorbeigeschrammt, erklärt die Munich Re. So aber blieben die Gesamtschäden durch Naturkatastrophen weltweit unter den inflationsbereinigten Durchschnittswerten der vergangenen zehn Jahre von 266 Milliarden US-Dollar. Insgesamten wurden Werte von etwa 224 Milliarden US-Dollar zerstört. Im Jahr zuvor waren es noch 368 Milliarden US-Dollar gewesen.

Humanitäre Katastrophen

Gemessen an finanziellen Schäden die zweitschwerste, aber hinsichtlich der Todesrate die schlimmste Naturkatastrophe, ereignete sich am 28.03.2025 in Südostasien. Infolge eines Erdbebens, mit einer Stärke von 7,7 im Epizentrum Myanmar starben 4.500 Menschen. Auch in Thailand, Vietnam und China war das Erdbeben zu spüren und verursachte insgesamt Schäden von rund 12 Milliarden US-Dollar (wovon nur 3 Milliarden US-Dollar versichert waren). Bei einem Erdbeben in Afghanistan verloren Ende August und Anfang September 3.000 Menschen ihr Leben.

Treten Erdbeben unabhängig von der globalen Erwärmung auf, lässt sich die allgemeine Zunahme an Wetterkatastrophen zu einem erheblichen Teil auf den Klimawandel zurückführen. Gemessen an den monetären Schäden, entfielen 92 Prozent der Gesamtschäden auf Wetterkatastrophen. Sogenanntes Feuerwetter – anhaltende Trockenheit und starke Winde – hatte die verheerenden Waldbrände in Kalifornien zur Folge. Einer Analyse der World Weather Attribution (WWA) nach, ist Feuerwetter in Südkalifornien aufgrund der bisherigen Erderwärmung von plus 1,3 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitraum um 35 Prozent wahrscheinlicher geworden als in einem Klima ohne diese Erwärmung.

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Menschengemachtes Feuerwetter und die hydroklimatische Schaukel

Sogenanntes Feuerwetter – anhaltende Trockenheit und starke Winde – hatte die verheerenden Waldbrände in Kalifornien zufolge. Die Klimakrise macht solche Ereignisse wahrscheinlicher. Zudem könnte die hydroklimatische Schaukel eine Rolle spielen.

Auch Stürme, wie Hurrikane und extreme Gewitter werden infolge des menschengemachten Klimawandels stärker. Höhere Meerestemperaturen und eine wärmere Atmosphäre stellen den Wetterlagen mehr Energie und Feuchtigkeit zur Verfügung. Steigende Meerestemperaturen erhöhen die Verdunstung, was zu feuchterer Luft führt. Die Zunahme der Meeresoberflächentemperatur von einem Grad, führt statistisch zu sieben Prozent mehr Niederschlag. Um eben diesen einen Grad ist die Meeresoberflächentemperatur seit dem späten 19. Jahrhundert etwa gestiegen.

Verheerend waren auch tropische Wirbelstürme Ende November in Indonesien und Malaysia sowie in Sri Lanka und Indien, mit insgesamt 1.750 Toten. Durch weiträumige Evakuierungen deutlich weniger Tote (95 Menschen starben) gab es infolge des Hurrikan Melissa in der Karibik. Schäden im Umfang von rund 9,8 Milliarden US-Dollar, zeigen dennoch das Ausmaß dieses Wirbelsturms im Oktober.

Tobias Grimm, Chefklimatologe von Munich Re, kommentiert: „In einer Welt im Fieber sind extreme Wetterkatastrophen wahrscheinlicher. 2025 war wieder eines der wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen. Damit waren die zwölf vergangenen Jahre die wärmsten überhaupt. Es gibt kein Zeichen der Entwarnung, der Klimawandel kann sich unter diesen Umständen weiter verschärfen.“

Drittheißestes Jahr

Laut EU-Erdbeobachtungsprogramm Copernicus war 2025 das drittheißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen und war fast ebenso heiß wie die beiden Rekordjahre 2024 und 2023. Wurde 2023 eine durchschnittliche Lufttemperatur auf der Erde von 1,48 Grad über dem vorindustriellen Niveau erreicht, wurde die Marke 2024 um 1,6 Grad überschritten. 2025 lag dieser Wert bei 1,47 Grad. Damit lag die Temperatur im Schnitt der letzten drei Jahre, über dem im Pariser Klimaabkommen anvisierten Ziel einer Begrenzung der Erderwärmung um 1,5 Grad.

Trug 2024 das Klimaphänomen El Niño zu der Rekord-Durchschnittstemperatur bei, ist der Rückgang 2025 auch durch das Klimaphänomen La Niña erklärbar, dass für eine Abkühlung insbesondere in tropischen Regionen sorgt. In den Polarregionen war die Temperatur indes unverändert hoch. In der Antarktis wurde im vergangenen Jahr wieder einmal ein trauriger Rekord der Durchschnittstemperatur erreicht.

Mit einer dauerhaften Überschreitung der 1,5-Grad-Grenze sei bereits Ende dieses Jahrzehnts zu rechnen, also ein Jahrzehnt früher als zuvor angenommen, heißt es in dem Copernicus-Bericht. Carlo Buontempo, Direktor des Klimadienstes von Copernicus sagt: „Die Welt steuert mit hoher Geschwindigkeit auf die Überschreitung des Pariser Klimaziels zu. Wir sind verdammt dazu sie zu überschreiten. Wir müssen uns nun darum kümmern die unvermeidliche Überschreitung und die Konsequenzen für unsere sozialen- wie Ökosysteme besser in den Griff zu bekommen.“ mg

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