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Klimaklage




Klima-Risiko-IndexSo stark gefährdet die Klimakrise die Kinder der Welt

Kleiner Junge auf Plastikmotorrad auf überfluteter Straße
Überschwemmungen, Krankheiten, Hitzewellen, Stürme - viele Kinder leiden schon heute unter der Klimakrise. (Foto: Kate Lamb auf Wikimedia / CC BY-SA 3.0)

Der Klimawandel ist zutiefst ungerecht. Obwohl Kinder nicht für die Ursachen der Erderwärmung verantwortlich sind, zahlen sie einen hohen Tribut. Ein UNICEF-Bericht skizziert das erschreckende Bild der Klimakrise aus der Sicht der Kinder.

26.08.2021 – Etwa eine Milliarde Kinder – fast die Hälfte der 2,2 Milliarden Kinder auf der Welt – leben in Regionen, die besonders schwer von den Folgen des Klimawandels betroffen sind. Diese Kinder sind einer tödlichen Kombination aus verschiedenen Klima- und Umweltrisiken ausgesetzt: Hitzewellen, Wassermangel, Krankheiten, Stürmen und Fluten.

Praktisch kein Kinderleben wird davon unberührt bleiben.Zu diesem niederschmetternden Fazit kommt ein gemeinsamer Bericht von UNICEF und der Klimastreikbewegung Fridays for Future. Er liefert eine umfassende Analyse des Klimarisikos aus der Perspektive von Kindern und zeigt, dass die Klimakrise Kinderrechte einschränkt sowie ihre Lebensgrundlagen und Gesundheit massiv bedroht – allerdings sind Schäden und Risiken sehr ungleich verteilt. Die eine Milliarde Kinder, die besonders gefährdet sind und bereits heute leiden, leben in 33 Ländern.

Die Klimakrise ist eine Krise der Kinderrechte

Der Index betrachtet, wie die Kinder in den einzelnen Ländern durch Klimaveränderung und Umweltkatastrophen gefährdet sind und wie die jeweiligen Länder in der Lage sind, auf diese Veränderungen zu reagieren und den Kindern zu helfen. Die Ergebnisse spiegeln wider, wie viele Kinder bereits heute betroffen sind – Zahlen, die sich mit den zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels sehr wahrscheinlich noch verschlimmern werden.

Junge Menschen in der Zentralafrikanischen Republik, im Tschad, in Nigeria, Guinea und Guinea-Bissau sind am stärksten von den Auswirkungen des Klimawandels bedroht, der ihre Gesundheit, ihre Bildung und ihren Schutz gefährdet und sie tödlichen Krankheiten aussetzt.

Die 33 extrem gefährdeten Länder emittieren zusammen nur neun Prozent der weltweiten CO2-Emissionen. Umgekehrt sind die zehn Länder mit den höchsten Emissionen zusammen für fast 70 Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich. Nur eines dieser Länder (Indien) wird im Index als besonders risikoreich eingestuft.

"Zum ersten Mal haben wir ein vollständiges Bild davon, wo und wie Kinder durch den Klimawandel gefährdet sind, und dieses Bild ist fast unvorstellbar schrecklich. Klima- und Umweltschocks untergraben das gesamte Spektrum der Kinderrechte, vom Zugang zu sauberer Luft, Nahrung und sicherem Wasser bis hin zu Bildung, Unterkunft, Freiheit von Ausbeutung und sogar ihrem Recht zu überleben. Praktisch kein Kinderleben wird davon unberührt bleiben", sagte Henrietta Fore, UNICEF-Direktorin bei der Vorstellung des Berichts.

Was der Children's Climate Risk Index (CCRI) zeigt

  • 400 Millionen Kinder sind stark durch Wirbelstürme bzw. Zyklone gefährdet. Diese Zahl wird wahrscheinlich steigen, da die Häufigkeit und Intensität dieser Stürme zunehmen.
  • 570 Millionen Kinder sind durch Überschwemmungen gefährdet: 240 Millionen an den Küsten, 330 Millionen an Flüssen. Auch diese Zahl wird sehr wahrscheinlich steigen, da durch das Schmelzen der Gletscher der Wassergehalt in der Atmosphäre und der Meeresspiegel steigt.
  • 600 Millionen Kinder sind der Gefahr von vektorübertragenen Infektionskrankheiten wie Malaria oder Denguefieber ausgesetzt. Die Klimaveränderungen führen zu einer Ausbreitung von Moskitos und Krankheitserregern, deshalb wird diese Zahl sehr wahrscheinlich steigen.
  • 815 Millionen Kinder sind Bleibelastungen durch kontaminierte Luft sowie Verunreinigung von Wasser, Böden und Lebensmitteln ausgesetzt.
  • 820 Millionen Kinder sind stark betroffen von Hitzewellen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich die Situation noch verschlimmert, da die globalen Durchschnittstemperaturen steigen.
  • 920 Millionen Kinder leiden unter Wasserknappheit. Das Problem wird sich verschärfen, da Dürren und jahreszeitliche Verschiebungen von Regen häufiger werden, in deren Folge steigen auch Stress und Konflikte bei der Beschaffung von Wasser.
  • 2 Milliarden Kinder (fast 90 Prozent der Kinder weltweit) sind derzeit einer Luftverschmutzung über dem von der WHO empfohlenen Wert von 10ug/m3 ausgesetzt.

Schätzungsweise 850 Millionen Kinder - jedes dritte Kind weltweit - leben in Gebieten, in denen sich mehrere dieser Klimaeinflüsse überschneiden.

Weltgemeinschaft muss Kinder schützen

Der Klimawandel ist zutiefst ungerecht. Obwohl kein Kind für den Anstieg der globalen Temperaturen verantwortlich ist, werden sie die höchsten Lasten tragen. Die Kinder aus den Ländern, die am wenigsten dafür verantwortlich sind, werden am meisten darunter leiden, so das Urteil der Leiterin des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen. UNICEF fordert Regierungen und Unternehmen auf, auf die Kinder zu hören und Maßnahmen zu priorisieren, die sie vor den Auswirkungen des Klimawandels schützen, und gleichzeitig die Arbeiten zur drastischen Reduzierung der Treibhausgasemissionen zu beschleunigen.

Der Klimawandel ist zutiefst ungerecht.

“Die Bewegungen junger Klimaaktivisten werden weiter weiter wachsen und für das kämpfen, was richtig ist, weil wir keine andere Wahl haben“, sagten Farzana Faruk Jhumu (Bangladesch), Eric Njuguna (Kenia), Adriana Calderón (Mexiko) und Greta Thunberg (Schweden) von Fridays for Future, die das Vorwort des Berichts verfasst haben. „Wir müssen erkennen, wo wir stehen, den Klimawandel als die Krise behandeln, die er ist, und mit der nötigen Dringlichkeit handeln, damit die Kinder von heute einen lebenswerten Planeten erben.“

Methodik des Index

Der Index hat das Ziel, das Ausmaß der Klimarisiken auf Kinder und ihre besondere Verletzlichkeit besser zu verstehen. Er setzt sich zusammen aus der Analyse aktueller Daten zur Exposition von Kindern gegenüber klima- und umweltbedingten Gefahren, Schocks und Belastungen sowie zu ihrer Verletzlichkeit. In den beiden Kategorien vereint der UNICEF-Klima-Risiko-Index 57 Variablen, um das Risiko in 163 Ländern zu messen. Die Kombination von Gefährdung, Exposition und Anfälligkeit entspricht der Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) Arbeitsdefinition von „Risiko“.

In einem interaktiven Atlas visualisiert die UNICEF die wichtigsten Daten auf einer Weltkarte. pf

Kommentare

Georg Bicher am 27.08.2021

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