UNEP-Bericht 2026: UN geht davon aus, dass Pariser Klimaziel gerissen wird

Erstmals geht die UN davon aus, dass die Welt das 1,5-Grad-Ziel verfehlen wird. Emissionsmindernde Maßnahmen sind dringlicher denn je. Mit der Overshoot-Strategie sollen Temperaturen langfristig wieder unter das Pariser Klimaziel gesenkt werden.
04.09.2026 – Der Bericht Limiting Overshoot der UNEP geht erstmals davon aus, dass der globale Temperaturanstieg in den kommenden Jahren 1,5 °C überschreiten wird. Das optimistischste Szenario zeichnet einen Temperaturanstieg von 1,8 ° C über dem vorindustriellen Niveau, die meisten anderen Szenarien liegen darüber. Es steht zu erwarten, dass Klimarisiken und -folgen in den kommenden Jahren ebenfalls neue Ausmaße erreichen.
Overshoot, Peak und Lean
Der Temperaturanstieg über das Pariser Klimaziel hinaus ist zwar unumgänglich, bei Klimaschutzbemühungen zählt aber umso mehr jedes Zehntel Grad. Als beste verbleibende Option, um die Erwärmung zu begrenzen, wird die Strategie "Overshoot, Peak und Lean"bezeichnet. Dabei soll der Temperaturanstieg so niedrig wie noch möglich gehalten und langfristig durch Negativemissionen wieder unter 1,5 °C gesenkt werden.
Der erste Schritt ist die sofortige Reduzierung von Treibhausgasen inklusive Methan, und der Übergang von fossilen Brennstoffen zu Erneuerbaren Energien. Der zweite, inzwischen unverzichtbare Bestandteil sind Maßnahmen zur Entfernung von Kohlendioxid (CDR), wie etwa Aufforstung, um Kohlenstoff aus der Luft zu speichern. Solche Maßnahmen würden gleichzeitig die Auswirkungen des Klimawandels auf Gesellschaften, Gemeinschaften und Volkswirtschaften verringern und die Kosten für die Anpassung senken.
„Der beste Weg, um CO2 aus der Atmosphäre zu bekommen, ist eine massive, ökologisch durchdachte Wiederbegrünung unseres Planeten und der Schutz natürlicher Ökosysteme. Die Emissionen müssen zudem in allen Bereichen schnell runter“, kommentiert Jannes Stoppel, Greenpeace-Klimaexperte.
Kipppunkte im Klimasystem
Der Bericht warnt, dass schwerwiegende Folgen der Klimakrise wie Extremwetter, Ökosystemverluste, Bedrohung von Küstenstädten und Inselstaaten sowie negative Folgen für Gesundheit, Wirtschaft und Ernährungssicherheit sich mit jedem weiteren Temperaturanstieg verstärken.
Ab 1,5 °C steigt zudem die Gefahr, entscheidende Kipppunkte im Klimasystem zu überschreiten, beträchtlich. Als Kipppunkte werden irreversible Schäden durch den Temperaturanstieg bezeichnet, die nicht mehr gestoppt oder rückgängig gemacht werden können. Zu den bekannten Kipppunkten zählt die Destabilisierung von Eisschilden, der Zusammenbruch der Atlantischen Meridianen Umwälzzirkulation (AMOC) und die Entwaldung des Amazonas.
„Das ist ein Weckruf an Regierungen und Wirtschaft, sich dieser Realität zu stellen, aber kein Grund, das 1,5-°C-Ziel als langfristiges Ziel aufzugeben“, sagt Andy Reisinger, außerordentlicher Professor an der Australian National University und Hauptautor des Kapitels über Klimaschutzmaßnahmen in dem Bericht. „Die globale Erwärmung wieder einzudämmen, wird eine Herausforderung sein und komplex, ist aber möglich, vorausgesetzt, dass Regierungen und Industrie beginnen, über die aktuellen Netto-Null-Ziele hinauszudenken und zu handeln.“ Wie der Bericht feststelle, sei dies keineswegs ein akzeptabler oder bevorzugter Weg, sondern mittlerweile einfach die beste verbleibende Option. Der Bericht fordert alle Staaten zum sofortigen, ehrgeizigen und gemeinsamen Handeln auf, um einen Überschuss-, Spitzen- und Rückgangspfad zu erreichen.
Auf dem Weg zur kommenden Klimakonferenz in der Türkei brauche es eine klare Agenda der Bundesregierung für eine Elektrifizierung, die den fossilen Ausstieg beschleunigt und der Wirtschaft Zukunftschancen bei Green-Tech wie Wärmepumpen, Batteriezellen und Smart Grids eröffne, fordert Greenpeace-Experte Stoppel. „Bezahlen müssen die Kosten der Klimaschäden die Verursachenden: Öl- und Gaskonzerne, deren Geschäftsmodell seit Jahrzehnten den Planeten zerstört.“ jb






















































