Klimaexperten in BonnWeichen stellen für die COP31 in Antalya

Riksha-Fahrer zieht Riksha mit Fahrgast durch überflutete Straße in Kalkutta
Weltweit sind Küstenregionen vom Meeresspiegelanstieg und Überflutungen betroffen, nur eine Folge der vielfältigen Auswirkungen der Klimakrise. (Foto von Dibakar Roy auf Unsplash)

In Bonn wird derzeit die nächste Klimakonferenz der Vereinten Nationen vorbereitet. In den Zwischenverhandlungen zur COP31 wird unter anderem beraten, wie die Klimaziele unter den geänderten globalen Bedingungen erreicht werden können.

11.06.2026 – Seit dem 8. Juni 2026 verhandeln in Bonn tausende Delegierte aus Regierungen, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft in Vorbereitung auf die COP31. Die eher als technisch beschriebenen Vorbereitungstreffen der Staatengemeinschaft sind Zwischenschritte, um die inzwischen sowohl von der Teilnehmerzahl als auch von den Themengebieten kaum noch überschaubaren Klimakonferenzen zu koordinieren und vorzubereiten.

Nach wie vor geht es um die Minderung von Emissionen und um den weltweiten Übergang zu klimaneutralen Wirtschaftsformen, aber auch um Anpassung an den Klimawandel und um die Verteilung der finanziellen Lasten von Klimawandelschäden. Die Ausgangslage dafür hat sich verändert: Erneuerbare Energien wachsen weltweit so schnell wie nie zuvor. Gleichzeitig führen geopolitische Krisen und massive Preisschwankungen gerade bei fossilen Energieträgern vor Augen, wie groß die Risiken einer anhaltenden Abhängigkeit von diesen mittlerweile geworden sind. „Für immer mehr Länder ist die Energiewende deshalb nicht nur Klimapolitik, sondern auch Industrie-, Sicherheits- und Standortpolitik“, wie das Umweltministerium in einer Mitteilung feststellt.

Gemeinsame Antworten auf die Klimakrise

Bundesumweltminister Carsten Schneider stellte heraus: „Die Bonner Klimaverhandlungen machen in diesen Tagen deutlich, wie wichtig funktionierende internationale Institutionen sind. Während an vielen Stellen der Welt Konflikte zunehmen und geopolitische Spannungen wachsen, arbeiten die Staaten unter dem Dach der Vereinten Nationen weiter an gemeinsamen Antworten auf die Klimakrise.“

Neben Fragen der Emissionsminderung stehen in Bonn die Mobilisierung privater Investitionen, die Umsetzung internationaler Klimafinanzierung, die Anpassung an die Folgen des Klimawandels sowie der Schutz von Wäldern und anderen natürlichen Kohlenstoffspeichern im Mittelpunkt der Gespräche auf Ebene der technischen Verhandler und Verhandlerinnen. Zudem wird beraten, wie die Ergebnisse der COP30 in konkrete Umsetzungsprogramme überführt werden können, hier insbesondere der weitere weltweite Ausstieg aus fossilen Energien, wie er auf der TAFF-Konferenz in Santa Marta in Kolumbien im April angeschoben wurde (Transition away from Fossil Fuels). Auf der Agenda in Bonn steht außerdem der sogenannte Veredas Dialog: Hier soll erörtert werden, wie öffentliche und private Finanzströme wirksam auf das 1,5‑Grad‑Ziel ausgerichtet werden.

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Zwei Personen stehen auf einer Bühne vor blauem Hintergrund mit der Aufschrift „Colombia – The Netherlands“ und einem teilweise sichtbaren Titel zu fossilen Energien. Ein Mann mit dunklen Haaren und Brille, in hellem Hemd, lächelt und hält die Hände einer Frau. Die Frau trägt eine rosa Bluse, hat blondes Haar zu einem Knoten gebunden und lacht ebenfalls. Beide wirken freundschaftlich und im Gespräch verbunden; im Vordergrund ist ein schwarzer Stuhl zu sehen.
1st Conference on Transitioning away from fossil fuels

Der Startschuss zur Abkehr von fossilen Energien ist gefallen

Teilnehmende Länder wie zivilgesellschaftliche Gruppierungen ziehen ein positives Fazit der Klimakonferenz in Santa Marta in Kolumbien. Eine Koalition von Willigen zeigt, wie die vollständige Abkehr von fossilen Energien gelingen kann.

Die Klimachefin des WWF Viviane Raddatz verweist auf die Chancen des Treffens: „Mit dem Rückenwind aus New York und Santa Marta können die Staaten der COP31 Beine machen und in Bonn frühzeitig Prioritäten festzurren. Ein Fokus muss auf der Umsetzung von Beschlüssen liegen, die sich aus der globalen Bestandsaufnahme ergeben – insbesondere bei der Abkehr von den Fossilen aus dem Energiepaket. Technische Verhandlungen wie zum Mitigation Work Programme und dessen Revision können hier wichtige Fortschritte liefern.“

Finanziell zusammenstehen

Auch die Klimafinanzierung kann und muss in Bonn vorangebracht werden. Hier steht die erste Sitzung des zweijährigen Arbeitsprogramms zur Klimafinanzierung auf der Agenda. Die Bundesregierung sollte sich laut WWF dafür einsetzen, dass Umsetzungspläne für das neue Finanzierungsziel erarbeitet werden und diese sowohl das Mindestziel von 300-Milliarden US-Dollar als auch die Skalierung auf das 1,3 Billionen-Ziel enthalten. Gleichzeitig sollte die Finanzierung besser an den Prioritäten der Länder des Globalen Südens ausgerichtet und Verschuldung vermieden werden. Investitionen sollten lokale Wirtschaftskreisläufe in den einkommensschwachen Ländern stärken.
 
Von der Bundesregierung fordert der WWF, im Bundeshaushalt 2027 die Zusage zu erfüllen, pro Jahr mindestens sechs Milliarden Euro für die internationale Klimafinanzierung bereitzustellen – und dafür insbesondere die Kürzungen im Etat des Entwicklungsministeriums zurücknehmen. Bis zur Klimakonferenz COP31 sollte Deutschland außerdem klar darlegen, wie ein angemessener Anteil am neuen 300 Milliarden-Ziel aussieht, so wie es auch im Koalitionsvertrag angekündigt wurde.

Konkrete Umsetzung von Klimaschutz nachweisen, nicht nur Pläne schreiben

Auch Germanwatch spricht von Chancen: Die in Fachkreisen als SB64 bezeichnete Zwischenverhandlung biete eine wichtige Gelegenheit, den Weg für substanzielle Ergebnisse bei der Weltklimakonferenz COP31 in Antalya zu ebnen. Da wo einzelne Staaten Fortschritte blockieren, gehe es darum, in Gruppen von Vorreiterstaaten beherzt die Umsetzung von Klimaschutz voranzutreiben, betont Petter Lydén, Leiter des Bereichs Internationale Klimapolitik bei Germanwatch.

Lydén fordert, dass Bonn nicht nur ein technisches Treffen sein dürfe. „Die Regierungen müssen zeigen, dass sie ihre Klimaschutzzusagen in konkrete Maßnahmen umsetzen und Dynamik für die COP31 aufbauen. Als Reaktion auf die Energiekrise gelte es zudem, einen gerechten, geordneten und fairen Ausstieg aus fossilen Energien zu forcieren und die Elektrifizierung als Antwort auf Herausforderungen der Energiesicherheit voranzutreiben.

Lydén weist darauf hin, dass der Erfolg von Bonn auch daran gemessen werden sollte, „ob Regierungen konkrete Umsetzung nachweisen können – nicht nur Ambitionen.“ Die Länder müssten ihre Vision für die COP31 klarer formulieren. Die Regierungen sollten gemeinsam mit der türkischen COP31-Präsidentschaft und der australischen Verhandlungspräsidentschaft ihre Ziele sowohl für die formellen Verhandlungen als auch für die nun immer wichtiger werdende Global Climate Action Agenda klar kommunizieren.

Die COP31 findet im November 2026 in Antalya in der Türkei statt. Die Türkei und Australien haben gemeinsam die Präsidentschaft für die Konferenz inne. pf

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