Proteste in Paris: Wer zahlt für die Klimakrise?

Die Bevölkerung leidet unter Hitzewellen, TotalEnergies macht Milliarden. Aktivisten fordern nun höhere Steuern für Verschmutzer. Gerichte haben bereits mehr Transparenz für die Emissionen des Unternehmens angeordnet.
24.07.2026 – Aktivistinnen und Aktivisten der Klimaorganisation 350.org protestierten gestern vor dem Geschäftssitz von TotalEnergies im Pariser Geschäftsviertel La Défense für eine stärkere Besteuerung der Gewinne aus dem Öl- und Gasgeschäft. 350.org fordert dabei ‚ein Ende der Straflosigkeit für die großen Verschmutzer‘.
TotalEnergies hatte nach Milliardengewinnen im ersten Quartal 2026 auch für das zweite Rekordgewinne bekanntgegeben. Gleichzeitig kann der Großteil der Bevölkerung Europas in einem weiteren Hitzesommer kaum den Folgen der Klimakrise entkommen und schultert die hohen Treibstoffkosten des instabilen Öl- und Gasmarktes.
350.org fordert die französische Regierung auf, höhere Steuern auf die Gewinne von Anbietern fossiler Brennstoffe einzuführen und sicherzustellen, dass die Einnahmen in die Klimaanpassung und einen schnellen, gerechten Ausstieg aus fossilen Energien fließen. Ziel ist, dass Frankreich sich bei der fünften Verhandlungsrunde über das UN-Rahmenübereinkommen für internationale steuerliche Zusammenarbeit für eine gerechte globale Besteuerung einsetzt.
Internationale Besteuerung von Fossilunternehmen
Die multinationale UN-Initiative soll bis Mitte 2027 das erste globale Steuerabkommen mit UN-Mandat erarbeiten. Die Idee ist, Gewinne dort zu besteuern, wo sie entstehen, und Umweltschäden, wo sie verursacht werden. Umwelt- und Klimaschutzkosten könnten so gerechter besteuert, nachhaltige Entwicklung gefördert, Mittel für den Klimaschutz mobilisiert und Steuerflucht eingedämmt werden.
Im Rohstoffsektor allein – inklusive Öl- und Gasförderung – gehen jährlich mindestens 44 Milliarden US-Dollar an vermiedenen Steuern verloren. Zum Vergleich: Nur die fünf größten Öl- und Gaskonzerne haben seit dem Pariser Klimaabkommen über 800 Milliarden US-Dollar an Gewinnen gemacht.
Weltweit sprechen sich 81 Prozent der Menschen neue Steuern für die Öl-, Gas- und Kohleindustrie aus. 86 Prozent der Befragten befürworten zudem, dass die Einnahmen aus solchen Steuern denjenigen zugutekommen sollten, die am stärksten von der Klimakrise betroffen sind. Die im Juni 2025 veröffentlichte Umfrage führte das Marktforschungsunternehmen Dynata von Mai bis Juni 2025 im Auftrag von Oxfam und Greenpeace in 13 Ländern durch, darunter auch Frankreich.
Bisher hatten die EU und auch Frankreich eine verbindliche Verankerung von progressiven Umweltsteuern und dem Verursacherprinzipnicht aktiv unterstützt. Eine neue Chance gibt es bei den Verhandlungen in New York, die am 3. August beginnen.
Emission aus Öl- und Gasverbrennung müssen transparent gemacht werden
Dass Fossilkonzerne wie TotalEnergies bisher kaum für ihre Klimafolgen zur Rechenschaft gezogen werden, zeigt sich nicht nur in der Steuerpolitik. Auch vor Gericht versuchen sie, ihre Verantwortung abzuwehren – doch hier gibt es jetzt Bewegung: Im Juni 2026 urteilte ein Pariser Gericht, dass TotalEnergies seine Scope-3-Emissionen transparent machen muss– also die Emissionen, die aus den verkauften Öl- und Gasprodukten entstehen. Im rechtlich vorgeschriebenen Sorgfaltspflichtenplan hatte das Fossilunternehmen seinen Beitrag zum Klimawandel weder ausreichend berücksichtigt noch dargelegt, wie Emissionen begrenzt werden könnten, befand das Gericht.
Bisher hatte TotalEnergies nur Emissionen aus konzerninternen Aktivitäten – Scope 1 und 2 – angegeben. Scope 3 Emissionen machen bei einem Ölkonzern allerdings logischerweise den Großteil aus: Rund 90 Prozent des CO2-Fußabdrucks von TotalEnergies stammen aus der Verbrennung von Öl und Gas.
Ein Bündnis von NGOs und anderen Akteuren – darunter die Vereinigungen SHERPA, Notre Affaire à Tous, France Nature Environnement sowie die Stadt Paris – hatte die Klage im Jahr 2020 eingereicht. Sie argumentierten, das Öl- und Gasgeschäft von TotalEnergies stehe im Widerspruch zu den Klimazielen und verstoße gegen die Pflicht, Umweltschäden zu erkennen und zu vermeiden.
TotalEnergies muss nun innerhalb der kommenden sechs Monate einen überarbeiteten Plan vorlegen, um seine Offenlegungspflichten zu erfüllen. Obwohl das Urteil keine Reduktionspflicht vorschreibt, setzt es ein Präzedenzfall. Erstmals muss ein europäischer Ölkonzern die Klimafolgen seiner Produkte offenlegen – eine Grundlage für künftige Klagen
Irreführende Netto-Null-Narrative von TotalEnergies
Mit der Strategie, Scope-3-Emissionen zu ignorieren, hatte das Unternehmen bereits Ende 2025 eine Schlappe vor Gericht eingefahren. Das Gericht untersagte es dem Unternehmen, damit zu werben, ein ‚wichtiger Akteur der Energiewende‘ zu sein und bis 2050 CO2-neutral werden zu wollen. Das Verbot der irreführendenNetto-Null-Narrative gilt als eine der ersten Anwendungen eines neu eingeführten französischen Greenwashing-Gesetz auf ein Energieunternehmen. Julia Broich


















































