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StudieWie Arme und Reiche von Klimaschutz profitieren

Drei Personen sitzen auf einer Parkbank im Schatten von Bäumen und blicken auf ein helles Altbauwohnhaus mit roten Dachziegeln und vielen Fenstern. Im Vordergrund ist grünes Laub, im Hintergrund verläuft eine Straße mit vielen Bäumen
Leben am Wasserturm im Stadtteil Prenzlauer Berg in Berlin: Viel grün aber meist nur noch bezahlbar für einkommensstarke Menschen (Bild: Joe Mabel, Wikimedia, CC BY-SA 4.0)

Wer profitiert am stärksten von Klimapolitik? Und was macht das Arm-Reich-Gefälle mit der Wirkung von Klimaschutzmaßnahmen? Ein internationales Forscherteam hat diese Fragen genauer untersucht.

02.09.2025 – Einkommensstarke Menschen leben häufiger in einer gesünderen Umgebung, etwa in einem Haus mit Garten oder verkehrsberuhigten und beliebten, aber damit auch teureren, Innenstadtbereichen. Zudem können Menschen mit hohen finanziellen Ressourcen besser in Umwelttechnologien investieren, wie etwa eine Wärmepumpe. Einkommensschwache Menschen dagegen leben häufiger in urbanen Gegenden mit schlechter Luftqualität und müssen weiter mit Öl und Gas heizen – was das Heizen auf Sicht wieder teurer macht.

Auch bei einem Preis für den Ausstoß von CO2-Emissionen, wie dem europäischen Emissionshandel oder dem deutschen CO2-Preis für Verkehr und Gebäude, sind einkommensschwache Haushalte stärker betroffen. Reiche Menschen verbrauchen zwar mehr Emissionen und zahlen damit auch mehr, ihrem Geldbeutel schadet das aber nicht in gleichem Maße wie arme Menschen, die prozentual mehr von ihrem Geld für die Klimaschutzmaßnahme CO2-Preis ausgeben müssen.

Die Bezeichnung „reich“ und „arm“ bezieht sich dabei rein auf die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel und nicht auf die sonstigen Lebensumstände.

Eine soziale Flankierung des CO2-Preises, im Rahmen eines sogenannten Klimageldes, in Deutschland wird seit langem gefordert, befindet sich aber noch nicht in der Umsetzung. Die aktuelle Bundesregierung erteilt derartigen Überlegungen bislang eine Absage.

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Klimaprämie sozial gerecht verteilen

Der Übergang vom nationalen zum EU-Emissionshandel ab 2027 dürfte die Preise für CO2 und damit für fossile Kraft- und Heizstoffe deutlich erhöhen. Wie eine sozial gerecht verteilte Klimaprämie gezielt entlasten könnte, zeigt eine DIW-Studie.

Dabei kommt auch eine aktuelle Studie internationaler Wissenschaftler:innen, erschienen im Journal of Economic Literature, zu dem Ergebnis: Wenn Einnahmen aus Umweltabgaben genutzt werden, um gezielte Transfers an ärmere Haushalte zu finanzieren, kann dies sowohl soziale Gerechtigkeit fördern als auch Klimaschutzziele stützen.

Weiteres Ergebnis der Studie: Ärmere können weniger in Klimaanpassung investieren und profitieren deshalb stärker von vermiedenen Klimaschäden. Von Klimaschutz profitieren Einkommensschwache also prozentual stärker. So arbeiten diese Einkommensgruppen zum Beispiel häufiger in den Wetterbedingungen ausgesetzten Jobs. Weniger Tage mit exzessiver Hitze lassen tendenziell die Arbeitsproduktivität und damit letztlich die Löhne steigen. Auch die Zahl der Arbeitsunfälle verringert sich.

Zudem bedeuten stabile Wetterbedingungen bessere Ernten und damit tendenziell günstigere Lebensmittelpreise, wovon einkommensschwache ebenso prozentual stärker profitieren. Die Forschenden gehen auch auf die Kosten der Umweltpolitik für jeden einzelnen ein und verweisen ebenso auf die Möglichkeiten von Rückverteilungen – wie etwa einem Klimageld.

Die Klimakrise kann Ungleichheit vergrößern

Prof. Ulrike Kornek, Potsdam Institut für Klimafolgenforschung

Ulrike Kornek, Professorin für Umwelt- und Ressourcenökonomik an der Uni Kiel, Forscherin des Potsdam Institut für Klimafolgenforschung und Co-Autorin der Studie, konstatiert: „Ob ein Preisaufschlag auf fossile Brennstoffe durchsetzbar ist, hängt stark vom Effekt auf das Arm-Reich-Gefälle ab. Der Staat kann durch Rückverteilung der Einnahmen gegensteuern, sollte hier aber wiederum die Rückwirkung auf die Klima-Bilanz kennen.“ Damit meinen die Forschenden das sogenannte „Equity-Pollution-Dilemmas“, wonach mehr Geld für Ärmere auch mehr Ausgaben für klimaschädliche Produkte bedeuten kann.

„Das Ausmaß der Ungleichheit prägt auch die Bereitschaft einer Gesellschaft, für Klimaschutz zu zahlen. Und die Klimakrise wiederum kann Ungleichheit vergrößern“, so Kornek weiter. Ein geringeres Arm-Reich-Gefälle könne also wirksame Klimapolitik und deren Unterstützung befördern.

Auch auf europäischer Ebene sind derlei Überlegungen Teil der Klimapolitik. Ab 2027 wird – mit dem EU-ETS2 – in der ganzen Europäischen Union ebenfalls ein Preis für die Sektoren Verkehr und Gebäude eingeführt, flankiert von einem Klima-Sozial-Fonds. Bis zu 65 Milliarden Euro an Einnahmen aus dem EU-ETS2 sollen Einkommensschwache und Kleinstunternehmen bei Energiearmut, Sanierung ihrer Gebäude und Wärmewende-Maßnahmen unterstützen. Auch soll es Förderungen für die Anschaffung von Elektro-Autos geben. mg

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