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Irreführende InhalteWie in Australien Fake-News-Kampagnen Klimaschutz beschädigen

Weitläufige Küstenlandschaft aus erhöhter Perspektive mit Blick auf eine geschwungene Bucht, mehrere Strände und eine entlang der Küste verlaufende Siedlung. Im Vordergrund dichter grüner Wald und ein Felsvorsprung, im Hintergrund das offene Meer und eine leicht dunstige Küstenlinie.
Küste von Illawarra: ein geplantes Offshore Windkraft-Projekt vor der Küste wurde nach Misinformationskampagnen extrem beschnitten (Bild: Klaus-Dieter Liss, Wikimedia, CC BY 2.5)

Der australische Senat hat untersucht, ob und inwieweit Fehlinformationen dafür sorgen, dass Klimaschutzmaßnahmen ausgebremst oder abgebrochen werden. Die Erkenntnisse sind erschreckend. Der Senat will dagegen vorgehen.

31.03.2026 – Im Sommer vergangenen Jahres setzte der australische Senat einen Ausschuss ein, der untersuchen sollte, wo Fehlinformationen möglicherweise dafür sorgen, dass Klimaschutz-Maßnahmen in Verruf geraten. Die Sorge vor falschen Informationen sei gestiegen, begründet der australische Senat sein Vorgehen und verweist unter anderem auf repräsentative Umfragen, wonach 74 Prozent der Australier:innen besorgt seien über sogenannte „Misinformationen“. Besonders bei Klima- und Umweltthemen würde die Bevölkerung häufig falsche und irreführende Inhalte wahrnehmen.

Für die Untersuchung wurden in Zusammenarbeit mit dem News & Media Research Centre der Universität von Canberra bisherigen Studien zu der Thematik zusammengetragen sowie gezielt Stakeholder aus Verbänden, NGOs und Einzelpersonen angeschrieben, deren Eingaben ausgewertet und öffentliche Anhörungen durchgeführt. Anhand konkreter Beispiele zeigt der Senat in seinem Report auf, wie systematisch Fehlinformationen produziert und verbreitet wurden, oftmals beschleunigt durch künstliche Intelligenz.

Vermeintlich tote Wale durch Windkraft

Südlich von Sydney liegt die Region Illawarra, im Bundesstaat South Wales. Die Küstenregion hat ihren wirtschaftlichen Ursprung vor allem im Kohleabbau und in der Stahlherstellung, wandelt sich aber immer mehr zu einem Zentrum für die Produktion grünen Wasserstoffs. Dafür braucht es Erneuerbare Energien. Im Sommer 2024 wurde die Ausweisung eines Offshore-Windparks vor der Küste Illawarras beantragt.

Der Report des australischen Senats beschreibt im Folgenden, wie sich in einem Vakuum fehlender offizieller Informationen zu dem Projekt, eine starke Pro- wie Contra-Seite entwickelte. So gründete sich auf der Contra-Seite infolge die Facebook-Gruppe „No Offshore Wind Farms for the Illawarra“. Auch in der überregionalen und häufig frequentierten Facebook-Seite „Responsible Future“ war das Illaware-Projekt ein herausragendes Thema.

Größter Verstärker der Gegner des Projekts war laut Untersuchungen eine frei erfundene Studie, in der sich das falsche Narrativ wiederfand, Offshore Windparks wären für den Tod von bis zu 400 Walen im Jahr verantwortlich. Diese Studie wurde in den Facebook-Gruppen lanciert, woraufhin die Gruppen mit KI-generierten oder gephotoshopten Bildern von toten Walen an Windkraftturbinen überflutet wurden. Bots und Trollen seien möglicherweise mit für die massenhafte Verbreitung verantwortlich gewesen.

Über Sky News fand das vermeintliche Walsterben schließlich auch Verbreitung in den klassischen Medien und wurde daraufhin verstärkt von politischen Gegnern des Windkraftprojekts übernommen. Als möglichen Verstärker des Walsterben-Narrativs wird u.a. der US-Aktivist Michael Shellenberger genannt, der einen Film zu dem falschen Narrativ finanzierte. Shellenberger war früher Klimaschutz-Aktivist, entwickelte sich aber mit der Zeit zu einem Gegner der Energiewende, wird mit fossilen Lobbygruppen in Verbindung gebracht und setzt sich vehement für die Kernenergie ein.

Vermeintliche Brandgefahr von Batterien

In der Kleinstadt Narrabri, im Bundesstaat New South Wales, sollte im Zentrum, auf dem Parkplatz der Stadthalle ein 500 Kilowattstunden großes Batterieprojekt realisiert werden, dass der kommunalen Bevölkerung zugutekommen sollte. Gegner behaupteten jedoch, dass die Batteriespeicher eine hohe Brandgefahr ausstrahlen würden, es daher eine Sicherheitszone um das Projekt geben müsste und am Ende zudem kein Nutzen für die lokale Bevölkerung entstehen würde.

Der Report des australischen Senats beruft sich hier vor allem auf die Berichterstattung des Nachrichtensenders ABC. Auslöser sei eine Präsentation eines hochrangigen Feuerwehrmannes bei einer Debatte in der Stadthalle gewesen. Von da aus hätte sich die Meldung in den sozialen Medien verbreitet. Zwar werden Akteure der fossilen Wirtschaft nicht explizit als Urheber genannt, aber ABC beschreibt die Kleinstadt ausdrücklich als Teil des „Coal Country“. New South Wales ist neben Queensland eines der Zentren der australischen Kohleindustrie, wo die Unternehmen wirtschaftliche und politische Macht besitzen.

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Vermeintliche linke Öko-Brandstifter

Während der verheerenden australischen Buschbrandsaison 2019/20 waren eine Vielzahl von Verschwörungserzählungen im Umlauf, die etwa „Linke Ökoterroristen“, die Regierung oder den Islamischen Staat für das Legen von Feuer und damit die Buschbrände verantwortlich machten. Auch krude Erzählungen von vermeintlichen Wettermanipulationen machten die Runde. Viele der Erzählungen von vermeintlichen Brandstiftern wurden nachweislich von Bots und Trollen verbreitet und dann von echten Usern aufgegriffen. Wer die künstlichen Bots allerdings steuerte, dazu gibt es keine Evidenz.

Der australische Senat geht davon aus, dass Unternehmen mit einem Interesse an Anti-Klimaschutzpolitik Drittorganisationen beauftragten, entsprechende Kampgenen in die Wege zu leiten. Häufig handelte es sich dabei um lokale Organisationen, mit direktem Zugang zur lokalen Bevölkerung, die von großen Unternehmen für ihre Zwecke eingespannt wurden und voraussichtlich viel Geld erhielten.

Der australische Senat will nun aus den Ergebnissen Schlüsse ziehen und die Gesetzeslage gegen die Verbreitung falscher Informationen verbessern. Dabei gelte es laut Report aber auch, die freie Meinungsäußerung nicht einzuschränken. Aktuell in Regierungsverantwortung und meisten Sitze im Senat inne hat die Australian Labour Party, die politisch Mitte-Links zu verorten ist. Für Mehrheiten ging sie zuletzt des Öfteren Kompromisse mit den Australien Greens ein. Dem steht der Block der Opposition aus Liberalen und Konservativen gegenüber. Während Grüne und Liberale schnelle und weitgehende Reformen im Kampf gegen falsche Informationen fordern, gehen Konservativen viele Reformideen zu weit. mg

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