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COP24

Darum geht es bei der Klimakonferenz in Kattowitz

Die Klimakonferenz im Herz der polnischen Kohleregion Oberschlesien. Bereits vor Jahren hat der Strukturwandel begonnen und das mittlerweile erfolgreich.
Die Klimakonferenz im Herz der polnischen Kohleregion Oberschlesien. Bereits vor Jahren hat der Strukturwandel begonnen und das mittlerweile erfolgreich. (Foto: pxhere, CC0 Public Domain)

Ein Regelbuch für die Umsetzung des Paris-Abkommens, nationale Zusagen zur CO2-Minderung und Finanzen – die Verhandlungen auf der Klimakonferenz COP24 haben es in sich. Über allem schwebt der erschreckende Sonderbericht des Weltklimarats IPCC.

26.11.2018 – Nachdem im vergangenen Jahr auf der Klimakonferenz COP23 in Bonn viel über das sogenannte Regelbuch des Pariser Klimaabkommens geredet wurde, geht es diesmal im polnischen Kattowitz in die entscheidende Endphase. Die genauen Spielregeln für die nächsten Jahrzehnte des internationalen Klimaschutzes müssen beschlossen werden, im Herzen der Kohleregion Schlesien geht es um ein ganz entscheidendes Kapitel im Kampf gegen den Klimawandel.

Es werden ab dem 3. Dezember trotz der eher trockenen Expertenthemen wohl zwei sehr politische COP24-Wochen, schätzen Klimaexperten. Das hat auch mit der aufgeweckten Zivilgesellschaft zu tun, mit angekündigten großen Demos in Berlin und Polen. Der Druck von der Straße und in den Verhandlungsräumen ist wichtig: Schon im nächsten Jahr kommen die Staats- und Regierungschefs zu einem Sondergipfel zusammen, um sich auf das Abkommen einzuschwören. Denn ab 2020 müssen alle Staaten liefern, ohne Ergebnisse in Kattowitz wird das schwierig.

Wie wichtig dieses Einschwören ist, zeigt die Vergangenheit. Auch 2014 fanden sich die Nationenlenker zusammen und entwickelten einen gemeinsamen Willen, der ein Jahr später im historischen Klimaabkommen gipfelte. Es gilt also den Schwung von Paris nach Kattowitz und in den September 2019 zu retten.

Welche Themen stehen in Kattowitz auf der Agenda?

  1. Die Welt erwartet eine starke Antwort auf den neusten IPPC-Sonderbericht. Dieser hatte eine Zielverschiebung von 2 auf 1,5-Grad Erderwärmung bis 2100 ins Spiel gebracht. Dafür müssten sich die Emissionen bis 2030 halbieren – ein kaum erreichbares Vorhaben, so scheint es bislang. Klimaexperten hoffen auf Ankündigungen einzelner Staaten oder Länder-Allianzen zum Kohleausstieg oder der Nachschärfung von nationalen Klimaplänen.
     
  2. Die Staaten müssen sich auf ein Paris-Regelbuch einigen, also wie das Abkommen im Detail umgesetzt werden muss. Wichtige Themen sind u.a. wie Emissionen genau erfasst und gewertet werden und wie die Berichterstattung aussehen soll. Es sind Detailfragen, die am Ende einen großen Unterschied bewirken können. Deshalb wird so angestrengt verhandelt.
     
  3. Der große Themenblock Klimafinanzierung wird ein entscheidender Faktor sein, denn er ist ein bedeutender Baustein von Paris: Damals galt es als immenser Fortschritt, dass auch die Entwicklungsländer Verantwortung übernahmen und sich zu Klimazielen verpflichteten – und nicht nur die Hauptverursacher des Klimawandels, die westlichen Industrieländer. Im Gegenzug versprachen diese, ab 2020 jährlich 100 Milliarden US-Dollar an Projekte in Entwicklungsländern zu zahlen, um Anpassungen an veränderte klimatische Verhältnisse zu unterstützen. Doch dieses Ziel steht auf wackligen Beinen, die Summe ist noch lange nicht erreicht und mit dem Ausstieg der USA wird die Lücke eher größer als kleiner. Hier haben wir dieses heikle Thema näher beleuchtet.
     
  4. Die besonders betroffenen Länder werden den Druck erhöhen, ein Vehikel ist das Climate Vulnerable Forum. Der 48 Länder aus Afrika, Asien, der Karibik und dem Südpazifik umfassende Zusammenschluss unter dem Vorsitz der Marshall-Inseln tagte schon in der vergangenen Woche und wird versuchen, möglichst geschlossen aufzutreten und so Einfluss zu nehmen.

Was läuft derzeit schlecht im Kampf gegen den Klimawandel?

  • Die weltweiten CO2Emissionen steigen weiter an: Die Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre ist nach den Messungen von Klimaforschern so hoch wie nie, meldete die UN-Weltwetterorganisation WMO am Donnerstag.
     
  • Die eingereichten nationalen Klimaziele reichen noch nicht aus: Bleibt es dabei, könnte bereits 2030 die 1,5-Grad-Schwelle überschritten werden.
     
  • Es gibt auf der COP24 eine neue Allianz klimaskeptischer Anführer: US-Präsident Donald Trump, Brasiliens neuer Präsident Jair Bolsonaro und das diktatorische Königshaus Saudi-Arabiens.
     
  • Wetterextreme mit katastrophalen Folgen nehmen weltweit zu: Die Klimaschäden haben sich seit 1980 verdreifacht, rechnete jüngst der Rückversicherer Munich Re vor. In pazifischen Inselstaaten mussten aufgrund des steigenden Meeresspiegels bereits Dörfer in höhere gelegene Gebiete umgesiedelt werden. Inselstaaten wie Tuvalu, Fidschi und Kiribati diskutieren die Aufgabe ihrer Heimat.
     
  • „Deutschland belegt derzeit nur einen Relegationsplatz“, sagt Klimakonferenz-Experte Sven Harmeling von der internationalen Entwicklungsorganisation CARE: Wird die Bundesrepublik wieder in der ersten Liga der Vorreiterländer mitspielen oder endgültig absteigen? Viel wird von der Kohlekommission und deren Umsetzung durch die Politik abhängen. Im Moment hinkt die Bundesregierung deutlich hinterher.

Welche Erfolge wecken Hoffnung?

  • Der Grüne Klimafonds ist wieder zurück auf den Schienen, sagt Harmeling: Im nächsten Jahr wird frisches Geld eingezahlt werden.
     
  • Weltweit gibt es immer mehr Beispiele der Klimamobilisierung: In Deutschland zählen dazu große Demonstrationen, der Aufschrei um den Hambacher Wald und neue Klimaklagen. „Wir erleben, dass sich immer mehr Menschen für den Klimaschutz einsetzen“, sagt Ann-Kathrin Schneider, Leiterin Internationaler Klimaschutz beim BUND. Ob in Großbritannien oder Schweden, es gebe vermehrt Proteste, der Nachwuchs sei stark und fordere von ihren Regierungen mehr Engagement.
     
  • Neue Antreiber für starke Klimapolitik sind in Sicht: Das EU-Parlament mit einer engagierten COP24-Resolution, Spanien, die Niederlande und Neuseeland wecken Hoffnungen auf eine „Koalition der Willigen“. Sie könnten eine positive Dynamik entwickeln und auch die EU antreiben. Ohnehin setzen Klimaschützer auf die Europäer. Die EU müsse sich als eigenständiger, progressiver Akteur in Kattowitz hervortun, fordern sie. Tatsächlich könnte die EU-Kommission ihre Langfriststrategie im Kampf gegen den Klimawandel vorstellen und damit andere antreiben.

Das Abkommen lebt

Trotz negativer Nachrichten, ist das Abkommen von Paris sehr lebendig: 184 Staaten haben es bereits ratifiziert. „Der Klimazug kann nicht mehr komplett entgleisen, dafür haben zu viele Länder und Unternehmen bereits darin investiert“, sagt Lutz Weischer, Leiter Internationale Klimapolitik bei Germanwatch. Der Trend zu mehr Klimaschutz sei ungebrochen. Allerdings könne der Prozess verlangsamt werden, die fossilen Konzerne würden derzeit ihre letzten Kräfte mobilisieren. „Es wird eine sehr politische Veranstaltung, es geht darum, den Geist von Paris aufrecht zu erhalten.“ cw


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