EU-Gelder für CCS-Speicher unter Nordsee

Gewaltige Bagger lassen Landschaften verschwinden, um Braunkohle zu gewinnen. (Bild: © Marius Förster/ pixelio.de )
Gewaltige Bagger lassen Landschaften verschwinden, um Braunkohle zu gewinnen. (Bild: © Marius Förster/ pixelio.de )

Um das Klima zu schützen, will die EU-Kommission eine Milliarde Euro zur Verfügung stellen. Ein Drittel des Geldes soll für den Bau eines Kohlekraftwerks verwendet werden. Zu der Anlage soll ein großer CO2-Speicher unter der Nordsee gehören.

18.07.2014 – Absurd, aber wahr: Die EU-Kommission will den Klimaschutz voranbringen und stellt deswegen Millionenbeträge für die Kohlekraft bereit. Insgesamt will Brüssel eine Milliarde Euro zur Verfügung stellen. Knapp ein Drittel dieses Geldes, 300 Millionen Euro, soll einem neuen Kohlekraftwerk in Großbritannien zugutekommen. Die Subventionen sollen es dem Betreiber ermöglichen, mittels Carbon Capture and Storage Technologie (CCS) sein erzeugtes Kohlenstoffdioxid außerhalb der Atmosphäre anzusammeln. Die Treibhausgase sollen abgeschieden und mittels Pipeline in einen unterirdischen Speicher unter der Nordsee geleitet werden.

Im Rahmen des sogenannten „White Rose“-Projekts könnten bis zu 2.000 neue Jobs in der Region entstehen, so die Schätzungen. Zugehörig zu dem CCS-Speicher soll ein neues Kohlekraftwerk entstehen. Gebaut wird „White Rose“ von Capture Power, einem Konsortium aus der französischen Alstom, der britischen Stromfirma Drax und dem Industriegas-Unternehmen BOC. Edward Davey, Minister für Energie und Klimawandel in London, schwärmt: „Wir werden Weltführer in dieser neuen Technologie werden und Großbritannien wird sein Wissen um CCS als erstes Land exportieren.“

1,8 Millionen Tonnen CO2 sollen unter das Meer gepumpt werden – pro Jahr. Bislang gibt es nur sehr unzureichende Erfahrungen mit der Technologie. Experten gehen davon aus, dass sie Erdbeben hervorrufen kann. Unklar ist ebenfalls, ob das CO2 irgendwann entweichen kann und was dies für mögliche Folgen hätte. Denkbar wäre etwa eine starke und weitereichende Versauerung der darüber befindlichen Nordsee. Millionen Tonnen CO2, aufgelöst im Meereswasser, könnten die Nordsee zur Säure machen, denn: Wenn sich das Kohlenstoffdioxid im Wasser auflöst, entsteht Kohlensäure, die das Wasser versauert. Nach Aussagen von Wissenschaftlern wirken die Ozeane als Speicher für Treibhausgase und nehmen rund ein Drittel der in der Atmosphäre befindlichen CO2-Emissionen auf. Bereits heute und ohne mögliche dramatische Unfälle mit unterseeischen Treibhausgasspeichern leiden die Meerestiere, etwa Seeigel, die unter den veränderten pH-Bedingungen ihre kalkhaltigen Skelette nicht mehr aufbauen können.

Die Subventionen stammen nach Angaben der EU-Kommission aus Einnahmen durch den Emissionshandel. Kohlekraftwerke zahlen also Klimaschutz-Abgaben, die genutzt werden, um ein neues Kohlekraftwerk zu subventionieren. Dieses stellt weiterhin große Mengen klimaschädlichen CO2s her, das nicht in der Luft, sondern unter Wasser bzw. in der Erde gelagert wird. Ob es dort auch dauerhaft bleibt, ohne Schäden anzurichten, ist fraglich. Ein erheblicher Betrag aus dem Emissionshandel verbleibt jedenfalls so für Reinvestitionen innerhalb der konventionellen Energiewirtschaft und wird nicht zur Verwirklichung eines ganz neuen, umweltfreundlichen Zukunftssystems investiert. Denn Solaranlagen, Wasserkraftwerke und Windparks pusten kein CO2 in die Luft. rr

   

Forum

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  1. christa dee 30.07.2014, 12:27 Uhr
    Es ist ein Armutszeugnis unserer Politiker und der EU-Kommission. Der Bürger der dies alles zahlen muss, wird wieder übergangen. Was muss noch passieren bis die Herrschaften, die sich übrigens genügend Gelder einverleiben, sich endlich auf die Seite und die Interessen der Bürger stellen.
    Und später sollen unsere Kinder dann wieder für die Renaturierung zahlen.
    Es ist immer schlecht wenn sich die Politiker mit den Monopolisten zusammen setzen. Bürger wehrt Euch !!!
  2. Christfried Lenz 18.07.2014, 14:54 Uhr
    Danke für den Artikel! Ja, es ist eine Schande, was EU-Oettinger, der PV-Betreiber auf einer CDU-Veranstaltung kürzlich als "Unterwanderer der Energiewirtschft" bezeichnete, im Dienst der Konzerne da wieder eingefädelt hat. CO2-Verpressung an Land wurde abgewehrt, weil die potentiell betroffenen Menschen erkannten, dass es reiner Betrug ist, mit Klimaschutz nichts zu tun hat, aber die sog. "Speicher"gebiete früher oder später unbewohnbar machen würde. Die CCS-Betreiber wurden quasi aufs Meer hinausgejagt. Dort gibt es keine (menschlichen) Anwohner, mit denen sie sich wegen ihres schändlichen Treibens auseinandersetzen müssen.
  3. Burghard Schmanck 18.07.2014, 10:16 Uhr
    Obiger Artikel ist in einer Hinsicht ergänzungsbedürftig: Die CO2-Hypothese ist naturwissenschaftlich nicht haltbar. Es gibt nämlich nach wie vor weltweit keinen einzigen physikalischen Experimentalbeweis für eine erderwärmende Wirkung von CO2. CO2 zu besteuern oder gar zu verbuddeln ist daher ein wirklich gelungener Schildbürgerstreich. Leider haben es die Grundgesetzväter versäumt, regierungsamtlicher Schildbürgerei eine grundgesetzliche Grenze zu setzen.
  4. Energiewender 18.07.2014, 09:34 Uhr
    Lieber Autor, Sie haben sich im Datum vertan. Heute ist nicht der erste April.

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