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Forscher registrieren deutlich schwächeren Golfstrom

Zwei Forscherteams kommen unabhängig voneinander zum gleichen Ergebnis: Der Golfstrom verlangsamt sich. Hält der Trend an, könnte das unangenehme Folgen für Europa haben.
Zwei Forscherteams kommen unabhängig voneinander zum gleichen Ergebnis: Der Golfstrom verlangsamt sich. Hält der Trend an, könnte das unangenehme Folgen für Europa haben. (Foto: © Caesar/PIK)

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts hat sich der Golfstrom um 15 Prozent abgeschwächt, berichten renommierte Wissenschaftler. Sie haben den Klimawandel im starken Verdacht. Für Europa könnte das bedeuten: Es wird kälter und das Wetter unberechenbarer.

16.04.2018 – Der Meeresspiegel würde verrücktspielen, Küstenstädte wie Amsterdam, Hamburg und Barcelona wären in Gefahr, das Wetter würde unberechenbar und Hurrikans könnten überall stattfinden. Ein sich weiter abschwächender Golfstrom könnte enorme Folgen für Europa bedeuten. Seit langem diskutieren Forscher, ob der Golfstrom sogar als Folge des Klimawandels ganz versiegen könnte. Das wäre ein sogenanntes Kippelement, das weitere nicht mehr aufzuhaltende globale Veränderungen herbeiführen könnte. Ein düsteres Szenario.

Ob es soweit kommt, kann niemand vorhersagen. Was das internationale Forscherteam um das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) herausgefunden hat, ist dennoch beunruhigend. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts hat sich der Golfstrom um etwa 15 Prozent verlangsamt. Die Umwälzströmung im Atlantik ist eines der wichtigsten Wärmetransportsysteme der Erde, es transportiert warmes Wasser aus dem subtropischen Süden bis an die Küsten Europas und Grönlands und im Gegenzug kaltes Wasser in die andere Richtung.

Wärme verlagert sich vom Nordatlantik an die US-Ostküste

„Wir haben ein spezielles Muster entdeckt – eine Abkühlung des Ozeans südlich von Grönland und eine ungewöhnliche Erwärmung vor der US-Küste“, erklärte die Leit-Autorin Levke Caesar vom PIK. „Dieses Muster ist sehr charakteristisch für eine Verlangsamung der Umwälzung der Wassermassen im Atlantik. Es ist praktisch wie ein Fingerabdruck einer Abschwächung dieser Meeresströmungen.“

Eine langsamere Strömung bedeutet eine Abkühlung des Nordatlantiks. Gleichzeitig verlagert sich der Golfstrom den Forschern zufolge an die US-Ostküste. „Diese Region hat sich in den letzten Jahrzehnten schneller erwärmt als fast alle anderen Teile der Weltmeere“, sagte Ko-Autor Vincent Saba vom National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) Laboratory in Princeton, USA.

Forscher bestätigen Computersimulationen

Computersimulationen sagen seit Jahrzehnten als Folge des Klimawandels genau diese Abschwächung des Golfstroms vorher, aufgrund fehlender Daten konnten die Entwicklungen allerdings nicht nachgewiesen werden. Bisher war unklar, ob die Veränderungen bereits eingetreten waren oder noch bevorstehen. Mit umfangreichen Messdaten zur Meeresoberflächentemperatur vom späten 19. Jahrhundert bis heute haben die PIK-Forscher die Theorie nun belegt.

„Das spezifische Trendmuster, das wir in den Messungen gefunden haben, sieht genauso aus, wie es von Computersimulationen als Folge einer Verlangsamung des Golfstromsystems vorhergesagt wird, und ich sehe keine andere plausible Erklärung dafür“, sagt Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut, der die Studie konzipiert hat. Die Belege seien sehr „robust“.

Zweites Forscherteam bestätigt Abschwächung

Ein zweites Forscherteam vom University College London, das ihre Studie ebenso im Fachmagazin Nature veröffentlichte, kommt zu einem ähnlichen Ergebnis wie die Klimaspezialisten vom PIK. Auch sie kommen zu dem Schluss, dass sich das Golfstromsystem verlangsamt. Allerdings sehen Sie den Beginn dieser Entwicklung 100 Jahre früher, also zu Beginn der Industrialisierung. Der Auslöser für die Verlangsamung könnte demnach ein anderer sein, aber auch diese Forscher glauben: Der menschengemachte Klimawandel verstärkt den Prozess. cw

   

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