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ItalienKlimawandel und nachhaltige Entwicklung werden Schulfach

Fridays-For-Future-Proteste im italienischen Sanremo am Mittelmeer.
Fridays-For-Future-Proteste im italienischen Sanremo am Mittelmeer. (Foto: © Tommi Boom via flickr.com, CC BY-SA 2.0)

Italien führt als erstes Land das Schulfach „Klimawandel und nachhaltige Entwicklung“ in den Lehrplan ein, einmal die Woche und von der ersten bis zur 13. Klasse. Das gesamte Bildungssystem soll Umwelt und die Gesellschaft in den Mittelpunkt stellen.

09.11.2019 – „Ich möchte das italienische Bildungssystem zum ersten Bildungssystem machen, das die Umwelt und die Gesellschaft in den Mittelpunkt all dessen stellt, was wir in der Schule lernen“, sagte der italienische Bildungsminister Lorenzo Fioramonti laut der Zeitung FAZ. Damit begründete er seine Entscheidung, das neue Schulfach „Klimawandel und nachhaltige Entwicklung“ ab dem Sommer 2020 für alle Klassenstufen einzuführen.

Von der ersten bis zur 13. Klasse werden sich die Schüler insgesamt 33 Stunden im Jahr, also etwa einmal die Woche, mit dem Thema beschäftigen. In der New York Times konkretisierte Fioramonti seine Pläne:

  • Kinder zwischen sechs und elf Jahren könnten sich mit Geschichten über verschiedene Kulturen und ihrer Beziehung zur Umwelt auseinandersetzen.
  • Ältere Schüler würden mehr über technische Verständnisse zum Klimawandel lernen und
  • die letzten Jahrgänge im Gymnasium könnten sich mit der UN-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung befassen, dessen Kernstück die 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung in den drei Nachhaltigkeits-Dimensionen Soziales, Umwelt, Wirtschaft sind.

Auch andere Fächer sollen Klimakrise behandeln

Der Bildungsminister der Fünf-Sterne-Bewegung gehört seit September der neuen italienischen Regierung an. Er hat sich den Zorn rechter Politiker zugezogen, als er Schüler dazu ermutigte, am globalen Klimastreik teilzunehmen. Auch eine Steuer auf Plastik und Zucker unterstützt der Wirtschaftsprofessor.

Klimawandel und Nachhaltigkeit sollen nicht bloß in dem neuen Fach Beachtung finden, sondern in den gesamten Lehrplan einfließen, sagte Fioramonti. Das könne auch Fächer wie Mathe, Physik oder Geographie betreffen. Gerade im Geographie-Unterricht würden Schüler in Zukunft über die Einflüsse menschlichen Handelns auf unseren Planeten sprechen.

Experten überwachen Klimawandel-Lehrpläne

Bis zum Januar sollen die entsprechenden Lehrpläne vom italienischen Bildungsministerium erarbeitet werden und anschließend die Weiterbildung von Lehrern starten. Begutachtet werden soll der Lehrplan von Experten, etwa Jeffrey Sachs, Direktor des Earth Institute an der Columbia University und Direktor des UN Sustainable Development Solutions Network. Mit dabei ist auch Kate Raworth vom Environmental Change Institute der University of Oxford.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek erteilte einem eigenen Schulfach zum Klimaschutz in Deutschland eine Absage. „Es werden immer wieder Wünsche laut, neue Fächer einzuführen, generell sehe ich dies skeptisch“, sagte sie der Augsburger Allgemeinen. Klimaschutz sei eines der wichtigsten Themen der Zukunft und sollte daher auch im Unterricht behandelt werden. Dies sei bereits an ganz vielen Schulen der Fall, so die CDU-Ministerin. cw


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Kommentare

Diskutieren Sie über diesen Artikel

Denkender Bürger 09.11.2019, 08:41:07

Schön und gut.

Aber der Klimawandel wird damit nicht aufgehalten und keines der Umweltprobleme wird damit gelöst.

Man kann zwar stunden- und Tagelang über Probleme schwadronieren - gelöst werden diese dadurch aber nicht ein einziges. Für die Lösung helfen allein und ausschließlich konkrete Taten - und dafür muß man nicht extra ein Schulfach kreieren.

Diese Feststellung wird zwar vielen nicht gefallen, es ist aber leider so.

Deswegen sollten die Verantwortlichen überlegen, on sich das Ganze nicht anders gestalten ließe. Möglichkeiten dazu gäbe es mehr als genug.

Dr. Stier 29.09.2021, 18:10:14

+1 Gut

Dem würde ich nicht in Gänze zustimmen, denn Bildung bedeutet, den jungen Menschen auf die Zukunft vorzubereiten, die sicherlich nicht so komfortable sein wird, wie sie sich für die Elterngeneration zeigte, die massiv an dem Klimawandel Verantwortung trägt.

Sicherlich wäre es auch wesentlich wichtiger gewesen, bereits jenen Wissen mitzugeben, das nicht nur den eigenen Egoismus und Wohlstand im Blick hat. Insofern wird sie es auch nicht sein, die den jungen etwas mitgeben kann, dass ihnen in der Zukunft hilft, sondern es müssen Experten her, die in der Schule diese Materie vermitteln.

Denkender Bürger 09.11.2019, 19:04:13

Mal so ganz nebenbei:

Wie hoch ist eigentlich die statistische Wahrscheinlichkeit, daß die derzeit angenommenen Prognosen hinsichtlich des Klimawandels bzw. der Klimaveränderungen tatsächlich so eintreten?

Lotteriegesellschaften sind gesetzlich verpflichtet, Gewinn-Wahrscheinlichkeiten anzugeben.

Bei den Klimaprognosen fragt kein Mensch nach diesen Wahrscheinlichkeiten - im Gegenteil:

Die werden für bare Münze genommen und als die absolute Wahrheit verkauft, gerade so, als hätten sie schon lange stattgefunden.

Ich hoffe, daß das den Kindern auch erklärt wird!

Nicht daß man denen am Ende irgendwas erzählt, was vorn und hinten nicht stimmt oder denen Szenarie an die Wand malt, die so niemals eintreten!

Dr. Stier 29.09.2021, 18:04:33

0 Gut

Um den Klimawandel auf seinen Realitätsgehalt zu überprüfen, kann man sowohl die aktuellen Ereignisse in Form von zunehmenden Extremwetterlagen betrachten, als auch das Abschmelzen von Gletschern, der größten Eisschilde und das Auftauen des Permafrostes in der Arktis zur Kenntnis nehmen. Des Weiteren zeigt die Statistik eine Zunahme des Co2 Ausstoßes durch den Menschen. Zur fundierten Wissensaneignung eignen sich unzählige wissenschaftliche Studien und Forschungen aus der Physik, Chemie, Biologie, Geologie, Geographie, Medizi, etc..

Letztlich muss man auch zur Kenntnis nehmen, dass es im eigenen menschlichen Interesse ist, die Natur zu erhalten. Jene bildet im Moment noch die idealen Bedingungen, um als Mensch komfortabel zu leben.

Die Natur selber benötigt den Menschen nicht, was sehr beispielhaft an Tschernobyl zu sehen ist, wo die Natur alles renaturiert hat und die Artenvielfalt der Tiere ungewöhnlich groß ist, während dem Menschen dieser Landstrich von der Größe des Saarlandes verwehrt bleibt, denn er kann der Strahlung nicht widerstehen, sonst würde er dort zugrundegehen.

Interessiert 09.05.2021, 14:52:10

Hallo, der Artikel ist nun 1 1/2 Jahre alt und ich fand nirgends eine neue Berichterstattung darüber. Wurde das Konzept in Italien eigentlich umgesetzt und auch gesetzlich verankert oder ist es durch die Corona-Krise "untergegangen"? Also, wurde gar nicht gestartet? So sieht es für nämlich derzeit aus. Und wie sind sie zukünftigen Pläne in Italien zu diesem Thema? Danke.


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