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Hurrikansaison

Puerto Rico setzt vermehrt auf Microgrids

Armee-Reservisten reparieren Stromleitungen in Rio Grande, Puerto Rico, im Oktober 2017 kurz nachdem Hurrikan Maria über die Insel hinweggezogen ist. (Foto: Master Sgt. Joshua DeMotts / U.S. Department of Defense )

Knapp ein halbes Jahr nach dem verheerenden Hurrikan Maria gibt es in einigen Teilen von Puerto Rico noch immer keinen Strom. Um für die nächste Sturmsaison besser vorbereitet zu sein, entstehen auf dem Inselstaat nun immer mehr Microgrids.

14.04.2018 – Erst kürzlich vermeldete die Puerto Rico Electric Power Authority (PREPA), dass sie durch die laufende Instandsetzung der Stromnetzinfrastruktur wieder knapp 96 Prozent ihrer Kunden mit Elektrizität versorgen könne. Die PREPA ist mit ihren 1,5 Millionen Kunden der einzige Stromanbieter in Puerto Rico. Vor einem knappen halben Jahr wütete Hurrikan Maria auf der Insel und zerstörte unter anderem einen großen Teil des Stromnetzes. Doch auch wenn in den nächsten Monaten wieder alle Stromleitungen funktionieren werden, ist die Sorge groß, dass viele Ortschaften in Puerto Rico mit der nächsten Sturmsaison erneut von der Stromversorgung abgeschnitten werden könnten.

Deshalb unterstützt unter anderem der deutsche Stromspeicherhersteller sonnen Inc. den Inselstaat durch den Bau mehrerer Microgrids mitsamt der Installation von Solaranlagen. Die netzunabhängigen Systeme sollen im Fall der Fälle zumindest eine Notstromversorgung leisten können. Kürzlich habe sonnen in der Region Utuado nun schon das zehnte Microgrid in Puerto Rico errichtet, berichtet BIZZ energy. Demnach wurde eine 10-kWp Photovoltaikanlage mitsamt einer 16-kWh Batterie installiert. Falls die Stromversorgung zukünftig erneut zusammenbrechen sollte, könne durch die Anlage eine Klinik versorgt werden und den Bewohnern zumindest eine medizinische Grundversorgung gewährleisten.

Während auf der einen Seite also immer mehr netzunabhängige Systeme entstehen, entbrennt auf der anderen Seite zurzeit eine Diskussion über das künftige Stromsystem der Insel und eine mögliche Privatisierung der PREPA. Man wolle auf jeden Fall die Verbraucher stärken und ihre Energiezukunft sichern. Zurzeit liefern immer noch etwa 1.200 Generatoren der Federal Emergency Management Agency (FEMA), also der nationalen Koordinationsstelle der Vereinigten Staaten für Katastrophenhilfe, Strom für kritische Einrichtungen wie Krankenhäuser, zeigt ein Bericht von Greentech Media.

Temporäre oder langfristige Lösung?

Während weitere kurzfristig errichtete Microgrids teilweise nur temporär bestehen sollen, könnten andere Off-Grid-Systeme mit Blick auf die nächste Hurrikansaison durchaus auch eine langfristige Lösung sein. So habe etwa das Solarunternehmen Sunnova verkündet, alle neuen Solarsysteme für Wohngebäude in Puerto Rico zukünftig direkt mit Batteriespeichern auszustatten. Ebenfalls könnten bereits installierte Anlagen durch ein „Batterie-Upgrade“ ergänzt werden.

Mit Resilient Power Puerto Rico hat sich außerdem direkt nach Hurrikan Maria eine Gruppe gebildet, die sich die Installation Dutzender Microgrids zum Ziel gesetzt hat. So wurden bereits 15 Systeme errichtet, die Solarenergie mit moderner Speichertechnologie verbinden. Weitere 25 sollen nun folgen bis schließlich insgesamt 100 gemeinschaftlich genutzte Microgrids installiert sind.

Microgrids: Mehr Dezentralität und Unabhängigkeit

Damit agieren gleich mehrere Akteure auf der Insel, die allesamt zeigen wollen, dass Microgrids keineswegs nur für die kurzfristige Hilfe nach Katastrophen eingesetzt werden können. Vielmehr können sie heutzutage schon die Basis eines neuen Energiesystems darstellen, das verglichen mit herkömmlichen Lösungen deutlich robuster gegenüber Naturereignissen ist. So scheint auf Puerto Rico langsam eine Energieinfrastruktur zu entstehen, die nicht nur auf Dezentralität setzt, sondern auch Erneuerbare Energien mit einbezieht. Zukünftig könnte der Inselstaat dadurch widerstandsfähiger gegen weitere Hurrikans werden und mehr Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen erlangen. jk


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