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Sommerhitze macht AKW und Gletschern zu schaffen

Wird immer weniger: Großer Aletschgletscher vom Eggishorn aus gesehen, Aufnahme aus dem Jahr 2005. Die beiden dunklen, fast in der Mitte gelegenen Linien sind die Mittelmoränen, die das Eis der drei Hauptfirne voneinander trennen (Foto: ©.Dirk Beyer
Wird immer weniger: Großer Aletschgletscher vom Eggishorn aus gesehen, Aufnahme aus dem Jahr 2005. Die beiden dunklen, fast in der Mitte gelegenen Linien sind die Mittelmoränen, die das Eis der drei Hauptfirne voneinander trennen (Foto: ©.Dirk Beyer – wikimeida.commons / CC BY-SA 3.0)

Hitze und Trockenheit beeinträchtigen Menschen, aber auch Kernkraftwerke und Gletscher. Die AKWs müssen abschalten, wenn das Flusswasser zu warm wird, die Gletscher schmelzen wegen erhöhter Lufttemperaturen. Der Klimawandel hat Europa erreicht.

07.08.2015 – Das Problem mit zu warmen Wassertemperaturen von Flüssen, aus denen Atomkraftwerke ihr Kühlwasser beziehen, ist aus Frankreich bekannt, nun stand auch das AKW Atomkraftwerk Grohnde im Landkreis Hameln-Pyrmont aus diesem Grund nach Aussagen von Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel kurz vor der Abschaltung.

Die Auswirkungen der Klimaveränderung mit längeren Hitze- und Trockenperioden könnten hierzulande für die Atomkraftwerke in Zukunft auch zu einem Problem werden. Das AKW Grohnde ist seit 1985 in Betrieb und bezieht sein Kühlwasser aus der Weser. Der Grenzwerkt für die Kühlwasserentnahme liegt bei 28 Grad Celsius, Anfang Juli hätten Messungen ergeben, dass die Flusstemperatur nur noch 1,8 Grad Celsius unter dem Grenzwert gelegen habe – das sei schon eine kritische Situation, die fast zu einer Abschaltung oder zumindest zu einer Drosselung der Kraftwerksleistung geführt hätte, so Wenzel. Maßgeblich für die Festlegung eines solchen Grenzwertes bei der Wassertemperatur in Flüssen ist die dortige Flora und Fauna. Wenn das Kühlwasser in den Fluss zurückgeleitet wird, besteht die Gefahr, dass das ohnehin warme Wasser weiter angeheizt wird.

Der Betreiber Eon konnte indes nicht bestätigen, dass seine Kernkraftwerke zunehmend durch extreme Wetterlagen in betrieblicher oder gar sicherheitstechnischer Hinsicht beeinträchtigt wären, so ein Sprecher. In „gewissen sehr warmen Wetterlagen“ könne es gelegentlich zu Leistungseinschränkungen kommen, um die Temperaturgrenzwerte einzuhalten.

Im atomkraftstarken Nachbarland Frankreich kennt man das Problem mit kritisch warmen Wassertemperaturen der Flüsse schon länger und es kam schon zu Abschaltungen, es musste deswegen auch schon Strom etwa aus Deutschland kurzfristig importiert werden. Der deutsche Energieversorger EnBW gab indes zu bedenken, dass ein zeitgleiches Abschalten von Kraftwerken Auswirkung auf die Netzstabilität haben könnte. Für diesen Fall sei jedoch bereits ein Maßnahmenplan erarbeitet worden, der die Versorgungssicherheit bei einem „gewässerschonenden Betrieb der Kraftwerke“ gewährleiste.

Kimaabhängige Kreisläufe

Während die Wassertemperaturen in Flüssen und Seen, steigen, schmilzt das Eis im Gebirge aufgrund der langfristig erhöhten Temperaturen. Weltweit seien Gletscher weltweit auf dem Rückzug, viele verlieren einen halben bis einen Meter pro Jahr, berichten Forscher in einer neuen Studie des Journal of Glaciology. Besonders beunruhigend: Selbst ohne fortschreitenden Klimawandel wäre die Schmelze in bestimmten Gebieten, wo sich die Prozesse bereits verselbständigt hättenen, vermutlich nicht mehr zu stoppen, so die Studie.

Betroffen ist mittlerweile auch die Alpenregion. Der Aletschgletscher – flächenmäßig der größte und längste Alpen-Gletscher auf der Südabdachung der Berner Alpen im Schweizer Kanton Wallis – hat sich laut Forscheraussagen bereits um mehrere Kilometer zurückgezogen. Als Hauptursache für die Gletscherschmelze sehen die Experten die steigenden Temperaturen. Es gebe zwar auch leicht wachsende Gletscher, so die Studie, doch dies sei regional und zeitlich begrenzt. Die Studie basiert auf einem Register, das seit über 120 Jahren weltweit Daten zur Gletscherentwicklung sammelt. 

Rekordtemperatur hatte in diesem Jahr auch der Bodensee mit 27 Grad Celsius. Immer kleiner werdende Gletscher und eine in Folge ausbleibende Gletscherschmelze in den Alpen könnten auch bei Bodensee und Rhein in Zukunft für langfristig steigende Temperaturen sorgen. na


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