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Sind Flüsse Lebewesen?

Mit dieser Frage im Kopf reist Robert Macfarlane zu drei Flüssen und ihren Landschaften auf drei Kontinenten. Die Antworten sind vielgestaltig, mäandern wie Flussläufe, erzählen von Menschen, ihrer Geschichte und wie sie die lebendige Kraft des Wassers wahrnehmen.

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Sind Flüsse Lebewesen?

Mit dieser Frage im Kopf reist Robert Macfarlane zu drei Flüssen und ihren Landschaften auf drei Kontinenten. Die Antworten sind vielgestaltig, mäandern wie Flussläufe, erzählen von Menschen, ihrer Geschichte und wie sie die lebendige Kraft des Wassers wahrnehmen.

11.09.2025 – Sind Flüsse bloße Materie und Ressource für Menschen und Tiere? Was würde geschehen, wenn wir sie als eigenständige Lebewesen betrachten – mit eigenen Rechten? Dieser Frage geht Robert Macfarlane in seinem neuen Buch nach. Er erkundet, was es bedeutet, Flüsse als Ursprung und Grundlage des Lebens zu begreifen, ihnen zuzugestehen, frei von Verschmutzung fließen und ein gesundes, von Menschenhand ungestörtes Ökosystem entwickeln zu können.

Wie müsste sich unser Denken und unser Rechtssystem ändern, um nachhaltiger und achtsamer mit unserer Umwelt umgehen zu können? Mit diesem radikalen Konzept nimmt uns Macfarlane in seinem neuen Buch mit auf eine globale Reise. Sind Flüsse Lebewesen? Wie wir diese eigenartige, konfrontative Frage beantworten, ist von größter Bedeutung.

Zunächst blickt Macfarlane ins nördliche Ecuador, wo ein einzigartiger Nebelwald und seine Flüsse durch den Abbau von Gold bedroht sind. Auf der zweiten Reise folgen wir Chennais Flüssen und Gewässern vom Binnenland bis zur Küste und erleben den ungebrochenen Kampf zu ihrer Rettung. Und zuletzt entdecken wir den Nordosten Quebecs, wo sich eine Flussrechte-Kampagne für den Wildfluss Mutehekau einsetzt, um den Bau eines Staudamms zu verhindern.

Macfarlane betrachtet die Landschaften, ihre Geografie und Geschichte, die oft von industrieller Gewalt geprägt ist. Die Menschen, die er auf seinen Reisen trifft, werden nicht nur ihm zu Freunden, so voller Empathie und Wertschätzung beschreibt er sie. Gedanken anderer Dichter und Gelehrter speisen wie kleine Bäche den großen Strom der Erzählung. Und dann sind da die Flüsse mit all ihren Mythen, Wundern und Verletzungen, die sich seit Millionen Jahren ihr Bett bereiten, es mitunter gewaltsam zurückerobern.

Auch wer vielleicht keine Antwort auf die Frage des Buches sucht, wird sich der Kraft und der Weite der Erzählung kaum entziehen können, die mit sich fortträgt und an ein tief in uns schlummerndes Wissen erinnert. Flüsse sind unser Ursprung, in allen Ecken der Welt haben wir an ihren Ufern gesiedelt, ihr Wasser getrunken, sie sodann vertrieben und vergiftet. Es ist an der Zeit, das zu ändern.

Der Autor Robert Macfarlane, 1976 in Nottinghamshire geboren, lehrt Literaturwissenschaft in Cambridge, ist Essayist und Kritiker und gilt als wichtigster britischer Autor des Nature Writing.

Robert Macfarlane
Sind Flüsse Lebewesen?

Aus dem Englischen von Frank Sievers und Andreas Jandl
Ullstein Buchverlage Berlin 2025, Hardcover, 500 Seiten,
ISBN 978-3-550-20250-6

29,99 Euro

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