Fernreisetrend: Höher, schneller, weiter

Unterwegs auf einem Fernwanderweg quer durch die Dolomiten. (Foto: Joschua Katz)
Unterwegs auf einem Fernwanderweg quer durch die Dolomiten. (Foto: Joschua Katz)

Warum in die weite Ferne reisen, wenn hoch­interessante und ebenfalls wunder­schöne Reiseziele direkt vor unserer Haustür liegen? Auch in Deutschland und Europa gibt es unheimlich viel zu entdecken – und das ist auch noch besser für unser Klima.

09.10.2017 – Fliegen ist in den letzten Jahrzehnten immer billiger geworden. Eine Reise in das weit entfernte Südamerika, Asien oder Afrika daher kein Problem mehr. Wieso also nicht aufbrechen und die exotischsten Länder bereisen? Klar, das Kennenlernen einer völlig fremden Kultur ist hochinteressant und verlockend. Doch kennt man auch schon die heimischen Reiseziele in all seinen Facetten? Hat man in ganz Europa schon so viel gesehen, dass man sagen kann: Hier gibt’s nichts mehr zu entdecken? Schließlich gibt es in Deutschland und der unmittelbaren Umgebung wahrhafte Schätze zu erkunden – und zwar umweltschonend mit dem Zug, dem Rad oder sogar zu Fuß.

Natürlich heißt das nicht, dass dadurch eine Art „Reise-Kasteiung“ praktiziert werden muss. Nur noch Urlaub auf Balkonien, das spart einen unnötigen Ausstoß von Treibhausgasen schließlich am allerbesten. Vielmehr geht es auch darum, wieder ein natürlicheres Bewusstsein für das Reisen zu entdecken und Entfernungen wieder einschätzen zu können. Steigt man abends in den Flieger und wacht am nächsten Tag auf einem anderen Kontinent auf, verzerrt das unsere Wahrnehmung von Distanz und Geschwindigkeit. Ich persönlich habe dabei das Gefühl, immer mehr das Gespür für die Länge der geflogenen Strecke zu verlieren. Wird dagegen ein Höhenweg im Gebirge oder ein Pilgerweg zu Fuß bewältigt, weiß man die zurückgelegte Distanz ganz anders zu schätzen.

Mit SpaceX zum Mars

Viel schlimmer ist jedoch, dass das Fliegen nicht zu Unrecht als die energieintensivste Art der Mobilität gilt. Kein anderes Transportmittel geht mit einem größeren Ausstoß von Treibhausgasen einher. Okay, wenn Elon Musk mit seinem Raumschiff SpaceX erst einmal Flüge zum Mars anbietet, könnte sich das ändern. Doch davon einmal abgesehen, tragen die CO2-Emissionen des Luftverkehrs bereits jetzt zu rund fünf Prozent der globalen Erderwärmung bei. Neben Kohlenstoffdioxid stoßen Flugzeuge auch große Mengen an Stickoxiden und Wasserdampf aus. Gerade in den hohen Luftschichten sind die Klimawirkungen davon noch um ein vielfaches höher.

Doch was tun im nächsten Sommer, wenn nicht Surfen auf Bali oder Schnorcheln vor der Küste Australiens? Vielen Menschen fehlen schlichtweg die Ideen, was es in ihrer direkten Umgebung an Möglichkeiten gibt. Hilfe bietet hierfür zum Beispiel der Ratgeber 500 Einmalige Erlebnisse Deutschland von Lonely Planet. Darin werden 500 inspirierende Tipps für Erlebnisse in Deutschland vorgestellt. Mal sind die Ziele dabei unbekannt und überraschend, mal weltbekannt und klassisch, mal aber auch schräg und abenteuerlich. Von der Nord- und Ostsee bis an die Alpen, vom Ruhrgebiet bis in die Sächsische Schweiz stellt das Buch Expeditionen und Exkursionen in unsere ganz und gar nicht langweilige Heimat vor.

Sozial- und umweltverträglich reisen

Weitere Anregungen und Ideen bietet aber auch das forum anders reisen, in dem sich über 100 Reisveranstalter für einen nachhaltigen Tourismus engagieren. Reisen soll dadurch umweltfreundlicher und sozialverträglicher gestaltet werden. Der Verband für nachhaltigen Tourismus steht dabei für Reiseerlebnisse, die sich an Mensch und Umwelt orientieren. So kann sich jeder selbst darüber informieren, welche Reiseziele mit welchen Fortbewegungsmöglichkeiten für ihn interessant sein könnten und dadurch selbst Verantwortung übernehmen.

Auch das forum anders reisen hat dabei Reisen in exotische Länder wie Bhutan, Mexiko oder Tansania in seinem Programm. Schließlich muss nicht jede Fernreise immer automatisch falsch sein. Nein, natürlich möchte man auch mal komplett fremde Kulturen kennenlernen. Vielleicht muss sich aber jeder selbst bewusst machen, dass nicht jede Reise mit einem Langstreckenflug verbunden sein muss.

Joschua Katz studierte Wirtschaftswissenschaften an TU- und FU Berlin (M.Sc.) und arbeitet seit 2015 in der Redaktion von energiezukunft.

Weitere Beiträge aus "Meinung der Woche"

   

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel

Keine Kommentare gefunden!

Ihr Kommentar zum Thema

(wird nicht veröffentlicht)

max 2.000 Zeichen

Umfrage

Beim Dieselgipfel wurden weitere 500 Millionen für Kommunen vereinbart, um die Stickoxid-Emissionen aus dem Autoverkehr zu senken. Reicht das?