Wo sind die Ökologisten?

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Manuel Först, Redakteur von energiezukunft. (Foto: Manuel Först)

Alexander Dobrindt vergleicht tiefergehende ökologische Denk- und Handlungsweisen mit menschenverachtenden politischen und religiösen Ansichten. Zeit für eine Aufklärung über den Ökologismus und seine negative Konnotation durch Klimaleugner.

15.01.2017 – „Nationalisten, Ökologisten oder Islamisten“, für Alexander Dobrindt anscheinend ideologische Fremdzuweisungen, die für seine Argumentation in einen Topf gehören. Mit einem Essay zur „bürgerlich-konservativen Revolution“ sorgte der CSU-Politiker Anfang des Jahres für Aufsehen. Während sich ganz Deutschland über Dobrindts fehlende Kenntnis des Prenzlauer Bergs und seiner doch sehr bürgerlichen Struktur aufregte und ihm eine falsche Einordnung der Politik der letzten Jahrzehnte bescheinigte, ging der Angriff auf die Umwelt- und Klimaschützer unseres Landes fast vollständig unter.

Ökologisten! Woher stammt dieser Begriff eigentlich und was bedeutet er? Einen ersten Anhaltspunkt gibt Dobrindt selbst: „Ökologisten oder Islamisten(…)überhöhen das Kollektiv. Sie sehen(…)die Natur oder die Umma (die religiöse Glaubensgemeinschaft) wichtiger als die Einzelnen.“ Ok, Islamismus ist ein allgemein akzeptierter Begriff, der eine fundamentale, die Welt ins Verderben stürzende Ideologie beschreibt, doch wer akzeptiert den Ökologismus, um damit Umweltschützer und Klimaaktivsten zu diffamieren?

Ein ursprünglich positiv konnotierter Begriff

Der Begriff stammt ursprünglich von Andrew Dobson, ehemaliger Politikprofessor an der Keele University in England, der in seinem Buch „Green Political Thought“ den Ökologismus als politische Ideologie beschreibt, mit einer Programmatik für politisches Handeln und einer wünschenswerten Utopie der Gesellschaft. Dobson wollte mit der Erschaffung dieses Begriffs, seine Studenten und die Menschheit im Allgemeinen, zu mehr Aktivismus in Sachen Umwelt und Naturschutz bewegen. Er propagierte die Gleichheit und Interdependenz aller Spezies auf diesem Planeten und war der Meinung, dass dem ökonomischen Wachstum sowie dem ausufernden Konsum Grenzen gesetzt werden müssten. Es besteht nach Dobson die Notwendigkeit, dass die Gesellschaft einem nachhaltigeren Lebenswandel zustrebt, um den Planeten zu retten.

Doch leider fand der Ökologismus in der Folge zumeist Eingang in Texten und Diskussionen von Klimaleugnern. Recherchiert man den Begriff, stößt man vor allem auf Seiten wie science-skeptical.de und antiveganforum.com, die den von Menschen verursachten Klimawandel leugnen und jegliche ökologische Ansichten verunglimpfen. Dort werden Klimaforscher zu „Alarmisten“ degradiert, die vor etwas warnen, was längst noch nicht wissenschaftlich erwiesen sei. Umweltschützern und Klimaaktivsten wird eine menschenfeindliche Ideologie angedichtet, die die Welt dem Untergang geweiht sieht. Aktiver und passiver Widerstand gegen Umwelt- und Naturzerstörung werden in ein möglichst schlechtes Licht gerückt.

Dobrindt, der Autolobbyist

Schwer vorstellbar, dass Alexander Dobrindt sich auf Andrew Dobson bezieht, wenn er Ökologisten mit Nationalisten und Islamisten vergleicht. Die Vermutung liegt nahe, dass er sich mit seiner Meinung zu Natur- und Klimaschutz näher bei den Betreibern der eben genannten Seiten befindet, als eine ökologische Wende zu propagieren. In der Diesel-Abgasaffäre nahm der Verkehrsminister wiederholt die deutschen Autobauer in Schutz und positioniert sich auch sonst immer wieder als Lobbyist von VW und anderen, die weiterhin auf Verbrennungsmotoren bauen. Umweltministerin Hendricks kritisierte im letzten Jahr bereits, dass mit einem Verkehrsminister Dobrindt eine Mobilitätswende hin zu E-Autos nicht zu realisieren sei.

Und dass Union und SPD in den Sondierungsgesprächen als erstes die Klimaziele für 2020 kippten, daran trägt auch Dobrindt seinen Anteil. Bereits bei den Jamaika-Sondierungen im vergangenen Jahr brüskierte er einen Kompromissvorschlag der Grünen. Diese hatten Abstand von einem festen Endtermin für Neuzulassungen von Verbrennungsmotoren im Jahre 2030 genommen. Die Antwort Dobrindts: „Wenn man Schwachsinnstermine abräumt, dann ist das ja noch kein Kompromiss.“

Den Kohleausstieg wird es für Dobrindt nicht geben

Auch bei der Energiepolitik stellte sich Dobrindt auf Konfrontationskurs zu den Grünen. „Ein Kohleausstieg, das ist vollkommen abwegig“, sagte er der ARD eine Woche vor dem Scheitern der Sondierungsgespräche. Für seine Wähler indes gehört die schmutzige Energie längst der Vergangenheit an. Das einzige Braunkohlerevier Bayerns in der Oberpfalz wurde bereits 1982 geschlossen und beherbergt heute eine weitläufige Seenlandschaft.

Und während in Bayern die Bäume blühen und die Seen glitzern, bringen er und seine Partei im restlichen Deutschland das Rad der Klimapolitik zum Stillstand und führen Menschen auf das Abstellgleis, die versuchen unseren Planeten zu retten. Und die politische und wirtschaftliche Elite unseres Landes ist bereits jetzt weit davon entfernt, konsequent eine ökologische Wende voranzutreiben. Also: mehr Ökologisten braucht das Land!

Manuel Först studiert im Master of Governance und arbeitet seit Oktober 2017 für die Redaktion von energiezukunft.

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Forum

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  1. Rudolf Tarantik 17.01.2018, 17:00 Uhr
    In jedem Fall handelt es sich um einen sauber recherchierten Artikel der energiezukunft. Er zeigt wie wichtig es ist, sich immer wieder für saubere Energie einzusetzten. Und die sauberste Energie ist jene, die nicht erzeugt wird und jene die nicht sinnlos verschwendet wird.
  2. Eitel Heck 17.01.2018, 13:04 Uhr
    Herr Tarantik, ich wollte nur einen Kommentar zum Beitrag der Woche abgeben, aber Ihr Kommentar enthält erhebliche technische und auch ökonomische Unkenntnis, dass ich mich veranlasst sehe, nochmal einen Gegenkommentar abzugeben.
    Wenn Sie auf Subventionen hinweisen und Solarkraftwerke erwähnen, dann verweise ich darauf, dass Solarthermiekraftwerke zur großflächigen Stromerzeugung nur in Ländern mit sehr guter Sonneneinstrahlung zum Einsatz kommen. In Ländern mit guter Sonneneinstrahlung kommen zum Einsatz sowohl Photovoltaikanlagen, mehr für die kleinflächige Stromerzeugung, als auch Solathermiekraftwerke für die großflächige Stromerzeugung( Marokko, China, USA u.a.). Gegenüber Photovoltaik, die in der Nacht keinen Strom erzeugen, können Solarthermiekraftwerke durch moderne Wärmespeicher auch in den Nächten Strom erzeugen.
    Diese Solarthermiekraftwerke zur größflächigen Stromerzeugung sind auf Grund der diffusen Sonneneinstrahlung von 120W/m² im Zeitmittel in Deutschland nicht einsatzfähig.
    Bei Flugwinanlagen sollte die großtechnische Erprobung des Energiekonzerns e.on auf dem Testfeld in Irland abgewartet werden, bevor man sich ablehnend äußert.
    Zu Subventionen bei Windkraftanlagen verweise ich auf Bild.de vom 2.8.2017 unter dem Titel " Der Milliardenirrsinn der Windenergie".
    Mit 8 Milliarden EURO wird die Windenergie über die EEG-Umlage subventioniert.
    In vielen Gemeinden stehen Windkraftanlagen auf Flächen, die ausgerechnet Politikern gehören, die damit Pacht als Subventionen einnehmen. Es gibt damit das Problem der Selbstbedienung.
    Zur Atomenergie der Link:
    http://www.spektrum.de/news/kernkraftwerke-der-zukunft/1527265
  3. Rudolf Tarantik 17.01.2018, 11:28 Uhr
    Es gilt weltweit die Regel, dass sich langfristig die bessere und preisgünstigste Technik durchsetzen wird. Subventionen werden nicht ewig bezahlt werden können. Dies gilt für sowohl für Atom- und Kohlekraftwerke, als auch für Solarkraftwerke und Flugwindanlagen. Es ist nur heute schon abzusehen, dass die Techniken mit hohen Stückzahlen eindeutig billiger werden und die Großtechnologien wegen der fehlenden Lernrate absolut ins Hintertreffen geraten. Warum soll Deutschland in Techniken investieren, die aus diesem ökonomischen Prinzip grundsätzlich nicht billiger werden können und diametral einer flexiblen Stromerzeugung entgegenstehen.
  4. Eitel Heck 16.01.2018, 18:07 Uhr
    Wenn auf rückwärtsgewandte Poltiker hingewiesen wird, die die Bedeutung von niedrigen Stromkosten der Windkraftanlagen und Photovoltaik nicht erkennen, muss man sich mindestens die Mühe machen, diese Aussage zu begründen.
    Fakt ist:
    -Durch überschüssigen Windstrom entstehen zusätzliche Kosten von 1 Mrd.€ pro Jahr, die auf die Verbraucher umgelegt werden.
    Durch bessere Auslastung der Bestandsnetze sollen gemäß einer Information des BMWI die zusätzlichen Kosten um 200 Mio € pro Jahr reduziert werden.
    -Nach ca. 20 Jahren werden Windkraftanlagen wieder abgebaut und entsorgt.
    Gemäß einer Information von "neue Energie-05/2017" werden in den nächsten Jahrzehnten mehrere Hundertausend Tonnen Rotorblätter zur Entsorgung anfallen,deren Entsorgung noch nicht gelöst ist. Zielgruppe ist die Zementindustrie.
    Das Zementwerk Lägerdorf, dass bereits Rotorblätter in zerkleinerter Form eingesetzt hat, müsste zur bedarfsgrechten Verarbeitung des Rotorblatt-Zuschlagsmaterials ein neues Zementwerk im dreistelligen Millionen-EURO-Breich bauen.
    Andere Zementwerke müssten mit Kosten in Millionenhöhe umgerüstet werden.
    -Der Energiekonzern e.on hat in Irland ein Testfeld gebaut, um die bereits entwickelten Flugwindanlagen großtechnisch zu testen. Als Voraussetzung für den Bau von Flugwindanlagen wird gegenwärtig geklärt, wie sich Stürme und Vereisungen auswirken. Außerdem sind die Auswirkungen auf den Flugverkehr zu klären.
    Gegenüber Windkraftanlagen sind die Materialkosten von Flugwindanlagen um mindestens 90% geringer!! und die Jahresstromvolllaststunden wesentlich höher!!.
    Flugwindanlagen werden seit kurzer Zeit bereits in Alaska, USA zur Stromerzeugung eingesetzt.
  5. Rudolf Tarantik 16.01.2018, 10:48 Uhr
    Das einzige Problem, das rückwärtsgewandte Politiker haben, ist, dass erneuerbarer Strom aus neuen Wind- und Sonnenkraftwerken mittlerweile unter 5 Ct/KWh produziert werden kann, und somit sogar günstiger als neue fossile Kraftwerke sind.
  6. Eitel Heck 15.01.2018, 12:17 Uhr
    Korrektur von Tippfehlern:
    1.Satz: Ökologisten anstelle Ökonomisten,
    4.Satz: Investitionsvorhaben Energiewende
  7. Eitel Heck 15.01.2018, 11:28 Uhr
    Die Meinung der Woche endet mit dem Satz:
    mehr Ökonomisten braucht das Land.
    Elementare Norm für Investitionsentscheidungen ist, dass der wissenschaftlich-technische Vorlauf für einzelne Technologien geklärt ist, der Gesamtinvestitionsaufwand festgelegt und auf Einzelvorhaben aufgeschlüsselt wird, als Grundlage für Ausschreibungen. Mit dieser Investitionsdurchführung wurde ein wichtiger Beitrag zum Wohlstand in Deutschland geleistet.
    Dieses elementare Investitionsprinzip kommt bei der Energiewende nicht zur Anwendung.
    Es gibt für das Investitinsvorhabe Energiewenden weder einen festgelegten Investitionsaufwand, noch ökonomische Zielstellungen, aus denen sich für die Bevölkerung erkennbar, die Stromkostenentwicklung ableitet.
    Die Windkraftanlagen werden durch Investitionen bei vorhandenen konventionellen Kraftwerken erweitertet mit dem Versuch im Nachhinein offene Probleme( Stromspeicherung, Sektorkopplung, Entsorgung der Rotorblätter, Stromüberschüsse u.a.) zu lösen.
    Dabei wird die Investitionsdurchführung von einer Flut kaum noch lesbarer Studien begleitet. Ein Novum der Investitionsdurchführung in Deutschland.
    Nun werden mit dem Artikel die politischen und wirtschaftlichen Eliten im Lande kritisiert,dass sie nicht die ökologische Wende vorantreiben.
    Könnte es nicht möglich sein, dass sich in der Politik ökonomisches und markwirtschaftliches Denken durchsetzt und eine Umsteuerung der Energiewende eingeleitet wird?
    Die gegenwärtige Investitionsdurchführung ohne klare ökonomische Zielstellungen kann doch im bisherigen Niveau nicht fortgeführt werden.
    Allgemeine Schuldzuweisungen an die Politik und allgemeine Hinweise zur Sektorenkopplung helfen nicht, eine effiziente und klimafreundliche Energiewende zu gestalten.
    Frühere Investitionen haben doch gezeigt, wie in Deutschland Erfolg realisiert wird.
  8. Simon Wingen 15.01.2018, 11:17 Uhr
    Sauberer Artikel! Sauber recherchiert! Saubere Energie!

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