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Meinung der Woche
16. Oktober 2017

Braucht es ein Bedingungsloses Grundeinkommen?

Die Riege der Unterstützer für die Idee eines Bedingungslosen Grundeinkommens wird immer länger: Unternehmen, politische Entscheidungsträger, Philosophen… plädieren genauso für ein Umdenken wie die Aktivisten und Akteure einer neuen sozialen Bewegung. Und ja, wir brauchen eine andere Bewertung und Entlohnung von Erwerbs-, Sorge- und ehrenamtlicher Arbeit – angesichts der Veränderungsprozesse, die bevorstehen.

Dr. Katharina Reuter, Geschäftsführung UnternehmensGrün e.V.

Dr. Katharina Reuter, Geschäftsführung UnternehmensGrün e.V.
Dr. Katharina Reuter ist Geschäftsführerin von UnternehmensGrün e.V. (Foto. Caro Hoene)
Dr. Katharina Reuter ist Geschäftsführerin von UnternehmensGrün e.V. (Foto. Caro Hoene)

16.10.2017 - Veränderungen, die durch die Digitalisierung ausgelöst oder verstärkt werden. Wie das ganz konkret aussieht, wissen wir heute noch nicht – aber wir brauchen innovative Konzepte, um auf die Veränderungen in der Wirtschaft, Technik aber auch im sozialen Gefüge zu reagieren. Das Bedingungslose Grundeinkommen gehört dazu. Denn es wird Entwicklungspotenziale freisetzen, die es uns ermöglichen wird, Anpassungsprozesse effektiver, mutig aber auch abgesichert anzugehen.

Das Grundeinkommen hat vier grundlegende Elemente:

• Existenz- und Teilhabesicherung
• individueller Rechtsanspruch für alle Menschen
• keine Bedürftigkeitsprüfung
• kein Zwang zur Arbeit oder zu anderen Gegenleistungen.

Zentral ist meiner Meinung nach, dass wir anders über Arbeit nachdenken müssen. Was gilt künftig als Arbeit? Was ist mit der Arbeit, die heute schon unbezahlt geleistet wird (Care-Arbeit, ehrenamtliche Arbeit)? Was ist gute Arbeit oder wie kann Arbeit so umgestaltet werden, dass sie sozialökologisch gerecht ist? Hierzu gibt es bereits erste Experimente in anderen Ländern (Finnland, 2000 Personen; Utrecht/ Niederlande, 300 Personen; geplant: GiveDirectly/ Kenia, 26.000 Personen).

In Deutschland wurden über den Verein „Mein Grundeinkommen e.V.“ schon mehr als 100 Grundeinkommen für jeweils ein Jahr ermöglicht. Hier wird im Reallabor ausprobiert: Wie ändert sich mein Leben mit einem Grundeinkommen von 1.000 EUR im Monat? Teilnehmer Alexander bspw. antwortet: „Mir fällt auf, dass viele das Wort bedingungslos nicht verstehen und man erstmal jemand anderem nichts gönnt, statt weiter zu denken. Immer wieder höre ich: Die Sozialschmarotzer hätten dann ja noch weniger Grund, arbeiten zu gehen. Nun, ich sehe das anders: Zum einen motiviert das vielleicht auch ein bisschen, arbeiten zu gehen und zum anderen muss man bedenken, dass es dann ja jede*r bekommt. Das heißt, geht jemand deswegen nicht arbeiten: Ok, seine Sache. Aber gehe ich arbeiten, dann hab‘ ich ein extra Geld.“ Alexander geht zusätzlich zum Grundeinkommen arbeiten.

Diese Pilotprojekte bieten also wichtige Experimentierfelder, aber sie sind noch weit von einem echten und vor allem bedingungslosen Grundeinkommen entfernt. Das Instrument Grundeinkommen braucht gerade deshalb noch mehr (Er)Forschung. Ein bedingungsloses Grundeinkommen wäre gerechter und klarer als Hartz IV und das Geflecht weiterer staatlicher Leistungen. Es ist eine sozialpolitisch gebotene Anforderung an Verteilungsgerechtigkeit, Chancengleichheit und insbesondere die materielle Absicherung vor den Risiken plötzlichen Einkommensverlustes. Für die Erprobung und Erforschung in größerem Maßstab braucht es politischen Mut.

Dr. Katharina Reuter ist Geschäftsführerin von UnternehmensGrün e.V., dem Bundesverband der Grünen Wirtschaft. (Der Text ist hier in ähnlicher Form erschienen: politische ökologie Nr. 150, “Geht doch! Geschichten, die zum Wandel anstiften”, oekom verlag, München 2017)




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