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Meinung der Woche
15. Mai 2017

Dem System der Ungerechtigkeit den Stecker ziehen

Zu Gunsten der Themen Sicherheit, Handel und Flucht, Populismus, Extremismus, Terrorismus, scheint der Klimawandel auf internationalem Parkett an Bedeutung zu verlieren. Das zeigt sich auch im Vorfeld des G20-Gipfels in Hamburg, in dessen Agenda das Thema nur sehr beiläufig erwähnt wird.

Freya Nowak Pressesprecherin NoG20-Klimabündnis

Freya Nowak Pressesprecherin NoG20-Klimabündnis

15.05.2017 – Es wäre ohnehin recht naiv, zu glauben, die G20 könnten, ohne ihre eigene Konkurrenz-Logik zu überwinden, eine ernsthafte, schnelle Eindämmung des Klimawandels erreichen. Dass Sie nun gar nicht mehr darüber sprechen, ist deshalb trotzdem nicht zu begrüßen, denn es zeigt ein mangelndes Interesse an einem der fundamentalsten Herausforderungen unserer Zeit – der Erhaltung unserer eigenen Lebensgrundlagen. Beim letzten Gipfel im chinesischen Hangzhou 2016 wurde lediglich geschafft hervorzuheben, dass es wichtig sei, dass alle Länder dem Paris-Abkommen beitreten.

Bei allen Differenzen sind die Regierungen der G20 sich in einem Punkt einig: Die kapitalistische Profitmaschine muss am Laufen gehalten werden - koste es was es wolle. Wie üblich verkaufen sie dies mit dem irreführend auf die Wirtschaft angewendeten Begriff „Wachstum“: Mit mehr „Wachstum“ soll der Hunger in der Welt bekämpft und der Lebensstandard für alle gesteigert werden.

Doch dieses „Wachstum“ ist kein abstraktes Wundermittel, sondern findet in der realen stofflichen Welt statt. Was die G20 auf ihren Gipfeln beschließen, hat materielle Folgen: Ressourcen werden extrahiert, transportiert, verfeuert, Waren zirkulieren, wo für Menschen die Grenzen geschlossen sind. Eines der Hamburger Wahrzeichen - der Hamburger Hafen - ist dabei ein beispielhaftes Kaleidoskop für die vielfältigen negativen Auswirkungen der allgemeinen „Wachstums“-Politik. Kohle, Öl und Uran werden hierher importiert. Ein Teil der aus Kolumbien und Usbekistan stammenden Steinkohle wird gleich vor Ort im Kraftwerk Moorburg verbrannt.

Gegen den Gipfel als Ganzes und das System, das dort verwaltet wird, formiert sich breiter Protest und Widerstand. In diesem Kontext und solidarisch mit allen anderen Aktionen werden sowohl in einem Camp-Barrio - also einem „Viertel“ auf dem anitkapitalistischen Anti-G20-Camp - die Zusammenhänge von G20, Kapitalismus, Wachstum und Klimawandel beleuchtet. Es wird einen Austausch und gemeinsames Lernen über die Problematiken und Dynamiken geben. Darüber hinaus soll es einen „Klima-Block“ auf der Demo am 8. Juli geben, um der Welt zu zeigen, dass G20 und Klimawandel in einem Kausal-Zusammenhang stehen, der aufgebrochen werden muss, wenn wir ein gutes Leben für alle erreichen wollen.

Und auch über den Juli in Hamburg hinaus gibt es dieses Jahr viele Möglichkeiten, sich aktiv gegen Klimawandel einzusetzen. Denn die Folgen der gängigen Politik, die unbegrenztes „Wachstum“ schaffen soll, sind alltägliche Zerstörung: Tagebaue zur Braunkohle-Förderung und -Verstromung schaffen Mondlandschaften, der Import von Kohle z.B. aus Kolumbien befeuert dort soziale Ungleichheit und Menschenrechtsverletzungen. Beide heizen für den Energie-Hunger des „Wachstums“ dem Klima ein.

In Aktionen wie im Hafen von Amsterdam (Code Rood 24.-27. Juni) oder im Rheinischen Braunkohle-Revier (Ende Gelände 24.-29. August), aber auch in zahlreichen kleinen Aktionen und auf immer mehr Klimacamps in und außerhalb Deutschlands stellen sich Menschen dieser Zerstörung mit der Forderung nach radikaler globaler Gerechtigkeit in den Weg. Sie sind überzeugt, dass diese nur mit einer solidarischen und bedürfnisorientierten Wirtschaftsweise, einem echten Atomausstieg und dem Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energieträger, allen voran der Kohle, zu erreichen ist. Der Kapitalismus beruht auf der Ausbeutung von Ressourcen und ist historisch in seiner Entwicklung eng verknüpft mit der Nutzung fossiler Energien. Dort ist er sensibel – an diesem Stecker wird immer entschlossener gezogen.

Dabei wehren sich die Aktivist*innen gegen die Kriminalisierung der Proteste, denn sie sind nicht gewalttätig, sondern setzen sich der Gewalt des Alltäglichen, der systemischen Gewalt, in den Weg.

Kontakt: klima.presse@g20hamburg.org
Web: www.noG20klima.wordpress.com
Twitter: @UnplugG20
fb: www.facebook.com/.../

 

Freya Nowak ist Pressesprecherin des NoG20-Klimabündnisses.




Kommentare

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Eitel Heck 15.05.2017, 11:32:18

+132 Gut Antworten

Ich oute mich als Anhänger einer klimafreundlichen Energieerzeugung. Proteste gegen eine kapitalistische Profitmaschine sind nicht die Lösung.Es sind kreative Lösungen zur Rettung des Klimas gefragt.

1.Wind- und Sonnenstrom:

Ist mit den nachfolgenden Speichertechnologie eine bezahlbare Lösung für überschüssigen Strom in Sicht? Wenn ja, mit welchen Investitionsaufwendungen und Auswirkungen auf die Stromkosten?

Pumspeicherweke, Kugelspeicher für Offshore-Windparks, Druckluftspeicher in stillgelegten Bergwerken und Salzstöcken, Batterien, Power to Gas und Power to Heat.

2.Wasserkraftwerke:

geologischen Voraussetzung zum Ausbau in Deutschland begrenzt.Was bringt die Kooperation zur Versorgung mit Wasserkraftstrom mit Norwegen?

3.Geothermikraftwerke:

geologische Voraussetzungen zum Ausbau in Deutschland durch aufwendige und teure Tiefenbohrung in Deutschland begrenzt.

4.Biomassekraftwerke:

Nachteile:

-Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion, Abholzung der Regenwälter führt zur Klimaveränderung, fossile Kraftstoffe zur Erzeugung und Transport, CO2-Emission.

Ist es nicht möglich über den Tellerrand in andere Länder zu schauen?

-Wasserstoffkraftwerke mit umweltfreundlichen Brennzellen?

-Gezeitenkraftwerk auch an der deutschen Nordseeküste möglich?

-Lohnt es sich doch über Kernreaktoren der 4.Generation nachzudenken?

-Sind vielleicht Kraftfahrzeuge mit Wasserstoff-Brennzellen gegenüber E-Autos die klimafreundliche Lösung?

 

Solange keine Krativität bei der Lösung klimafreundlicher Energiezeugung einzieht, wird es immer nur bei den Proteten bleiben.


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