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Meinung der Woche
25. März 2019

Der undurchsichtige Dschungel von Kompensationszertifikaten

Laut Referentenentwurf des Klimaschutzgesetzes soll die Bundesverwaltung ab 2030 klimaneutral arbeiten. Ohne umfangreiche CO2-Einsparungen wird der Staat damit bald großer Einkäufer von Kompensationszertifikaten. Damit wird es höchste Zeit, klare Regeln für den Handel mit den Zertifikaten festzulegen. Bislang fehlen diese nämlich komplett.

Dr. Dörte Fouquet ist Vorstandsmitglied des IKEM - Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität

Dr. Dörte Fouquet ist Vorstandsmitglied des IKEM - Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität
Dr. Dörte Fouquet, Partnerin bei BBH und Vorstandsmitglied des Renewable Energy Institute
Foto: © BBH

25.03.2019Nun also ein Klima-Kabinett: Klimaschutz soll mal wieder Chefsache werden. Vergangene Woche hat sich die Bundesregierung darauf geeinigt, einen Kabinettsausschuss „Klimaschutz“ einzusetzen. Ziel des Ausschusses ist es, die verbindlichen Klimaschutzziele für das Jahr 2030 vorzubereiten. Die Bundesregierung betont, mit der Einrichtung des Kabinettausschusses „die politische Bedeutung des Klimaschutzes zu unterstreichen“ und „die Arbeit an der gesetzlichen Umsetzung des Klimaschutzplans auf höchster politischer Ebene zu intensivieren“. Gleichzeitig verliert Regierungssprecher Seibert in seiner Erklärung kein Wort darüber, dass Deutschland das Klimaziel 2020 krachend verfehlt. Der Blick geht nach vorn, die Zukunft wird es schon richten.

Richten soll es Bundesumweltministerin Svenja Schulze. Sie ist Vorsitzende des Gremiums. Weitere Ständige Mitglieder sind Bundesinnenminister Horst Seehofer, Wirtschaftsminister Peter Altmaier und Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner. Auch Verkehrsminister Andreas Scheuer sitzt neben Kanzlerin Angela Merkel im Klimakabinett. Für Schulze wird es vor allem darum gehen, ihr Klimaschutzgesetz endlich voranzubringen.

Proteste aus den Ministerien

Schulzes Referentenentwurf sieht vor, die Klimaziele einzelner Sektoren aus dem Klimaschutzplan – etwa Verkehr, Gebäude oder Landwirtschaft – in das Gesetz zu überführen. Dabei lässt sie den Ressorts freie Hand, wie diese die Ziele zu erreichen haben. Allerdings sollen die Ministerien zur Verantwortung gezogen werden, wenn diese ihre Ziele verfehlen. Sollte Deutschland gezwungen sein, zusätzliche Emissionsrechte von anderen Staaten der Europäischen Union zu kaufen, werden die Kosten anteilig auf die Etats der Ministerien angerechnet. Aus den Fachministerien kommt es daher zu Protesten.

Mit gutem Beispiel voran geht das Entwicklungsministerium. Minister Gerd Müller hat bereits Ende letzten Jahres angekündigt, dass sein Haus ab 2020 emissionsfrei arbeiten wird. Dazu soll der Energiebedarf des Ministeriums reduziert und nicht vermeidbare Treibhausgasemissionen künftig mittels Klimakompensation ausgeglichen werden.

CO2-Kompensationmaßnahmen neutralisieren ausgestoßene Klimagase. Für jede Tonne CO2, die nicht vermieden werden kann, wird ein Zertifikat erworben, das Projekte zur CO2-Reduktion finanziert. So wird dieselbe Menge Kohlendioxid an anderer Stelle gebunden oder CO2-Emissionen anderweitig gesenkt. Häufig ist es günstiger, CO2 in weniger entwickelten Ländern einzusparen. Darum finanzieren wir aus Deutschland etwa Klimaschutzprojekte in Kenia. Global betrachtet ist es für das Weltklima nebensächlich, wo wir das klimaschädliche Gas einsparen – solange überhaupt gespart wird.

Klimaneutrale Bundesverwaltung ab 2030

Das Klimaschutzgesetz soll sogar noch weiter gehen: Neben den Reduktionszielen für verschiedene Ressorts legt das Gesetz fest, dass die gesamte Bundesverwaltung ab 2030 klimaneutral arbeiten soll. Auch hier soll zunächst der Anteil erneuerbarer Energien sowie die Energieeffizienz gesteigert werden. Auch Klimakompensation spielt eine Schlüsselrolle. Im Gesetzesentwurf heißt es: „Nicht vermiedene Treibhausgasemissionen sollen kompensiert werden.“

Da sich auf absehbare Zeit weder Dienstreisen noch der Energiebedarf einer Verwaltung zu 100 Prozent klimaneutral gestalten lassen, wird die Bundesverwaltung bald zum großen Nachfrager von Klimazertifikaten. In Welchem Anbieter von Klimazertifikaten kann ich vertrauen? absehbarer Zeit ist der Bund daher mit Herausforderungen konfrontiert, die ambitionierte Unternehmen und Verbraucher bereits seit Jahren kennen: Welchem Anbieter von Klimazertifikaten kann ich vertrauen? Woher weiß ich, dass das Geld auch wirklich dem Schutze des Klimas zugutekommt und wie steht es eigentlich um die Qualitätsstandards der Zertifikate? Insbesondere der Blick auf Qualitätsstandards ist wichtig: So muss etwa die Langfristigkeit von Maßnahmen, gesichert werden. Der Klimanutzen ist gering, wenn Zertifikate den Schutz des Regenwaldes im Amazonas versprechen, dieser nach einem Regierungswechsel jedoch trotzdem abgeholzt wird.

Für viele Konsumenten ist jedoch vor allem der Preis das wichtigste Kriterium für den Kauf eines Zertifikates – und diese unterscheiden sich erheblich: Je nach Qualitätsstandard und Abnahmevolumen gibt es die günstigsten Zertifikate bereits ab 40 Cent pro Tonne CO2. Der Preis für die Kompensation einer Tonne durch norddeutsche Moore kostet hingegen bis zu 60 Euro pro Tonne. Moore gelten als die idealen CO2-Speicher, da sie bis zu viermal mehr Kohlendioxid als tropische Regenwälder aufnehmen und für viele Jahrzehnte speichern können. Der damit verbundene Aufwand ist jedoch beträchtlich. Die Revitalisierung der Moore dauert viele Jahre, und ist vergleichsweise teuer. Andere Klimamaßnahmen sind schneller umzusetzen. Werden etwa Feuerstellen in Ruanda gegen effiziente Kocher getauscht, ist das nicht nur günstiger, die Maßnahme senkt den CO2-Verbrauch auch innerhalb kurzer Zeit. Andererseits lassen sich die Einsparungen kaum langfristig garantieren oder gar akkurat bemessen. Wichtigster Preisindikator ist daher die Qualität der CO2-Zertifikate: Als besonders günstig gelten Certified Emission Reductions (CERs) sowie Voluntary Carbon Standard (VCS)-Zertifikate. Am teuersten sind besagte Moorschutz-Zertifikate, etwa MoorFutures, und Gold-Standard CERs. Doch es gibt viele weitere Siegel.

Gütesiegel „klimaneutral“

Der Markt ist bislang ein Graubereich: bei privatwirtschaftlich organisierten Kompensationsmaßnahmen gibt es hinsichtlich des Dokumentations- und Validierungsprozess keine Vorgaben des Gesetzgebers. Private Projektträger finanzieren Klimaschutzprojekte und stellen dafür entsprechende Zertifikate aus. Diese Ausstellung unterliegt keiner staatlichen Kontrolle. Da diese Zertifikate nicht am europäischen Emissionshandel teilnehmen und auch nicht auf die Kyoto-Reduktionsziele angerechnet werden, besteht formal auch keine Notwendigkeit für eine völker- oder europarechtliche Regulierung. Vor dem Hintergrund uneinheitlicher Qualitätsstandards und Preisen werben viele private Zertifikatsanbieter dennoch für mehr Regulierung. Ziel sollte die Etablierung eines staatlichen Gütesiegels sein.

Um seriöse Anbieter zu erkennen, braucht es transparente Standards und ein einheitliches Gütesiegel. Abhilfe kann ein einheitliches „Bio-Siegel“ für Abhilfe kann ein einheitliches „Bio-Siegel“ für Klimakompensation schaffen.Klimakompensation schaffen. Es stellt sicher, dass ein Zertifikat unser Klima wirklich schützt. Seriöse Anbieter werben schon lange für die einheitliche Kennzeichnung. Ein solches Siegel verspricht große Chancen. Es könnte einen ähnlich hohen Stellenwert wie das Bio-Label erhalten. Klimaneutral ist dann das neue Bio.

Ziel ist, dass Konsumenten dann direkt Produkte kaufen können, die neben einem Bio- auch das Klimaneutral-Siegel führen. Das Siegel zeichnet aber auch Kompensationszertifikate aus, die etwa die Bundesverwaltung nachfragt. Ansatzpunkt für die staatliche Vergabe des Siegels kann die gesetzliche Einführung einheitlicher Qualitätsstandards sein. Dabei könnten private Akteure mit der Zertifizierung und Validierung der Klimaprojekte beliehen werden. Als weithin akzeptiertes Branchenlabel hat sich das von mehreren Umweltverbänden vergebene Gold Standard-Siegel etabliert. Mit einer Beleihung der Zertifizierungsstelle kann unkompliziert ein staatliches Gütesiegel geschaffen werden. Ähnliches kennen wir beim TÜV, der im Auftrag des Staates die Verkehrstüchtigkeit unserer Autos überprüft.

Die Gunst der Stunde nutzen

Die laufende Klimaschutzgesetzgebung bietet die Gelegenheit, die Lücke zu schließen und endlich ein einheitliches Gütesiegel zu etablieren. Umweltministerin Svenja Schulze sollte die Gunst der Stunde nutzen und das Wild West-Treiben auf dem Markt mit Klimazertifikaten endlich beenden. Immerhin wird der Staat bald großer Nachfrager der Zertifikate. Weiterer Vorteil: Das Gütesiegel „klimaneutral“ ist universell und gilt für Privatpersonen, Unternehmen, Bundesländer und den Bund gleichermaßen.

Bislang bleibt der Gesetzgeber in der vorläufigen Gesetzesbegründung zum Klimaschutzgesetz äußerst vage. Er legt lediglich fest, dass in einem Maßnahmenprogramm genauer geregelt werden müsse, „in welchen Fällen zu kompensieren ist, wie die zu leistende Kompensation zu ermitteln ist, welche Höhe sie hat und wodurch sie erfolgen soll“. Verbindliche Standards und Regeln sieht das Gesetz nicht vor. Doch insbesondere die öffentliche Hand sollte nach transparenten Standards handeln. Die Standards hätten ferner Vorbildfunktion für Landesregierungen und könnten sogar Signalcharakter für eine europäische Initiative haben.

Mit Blick auf künftige Landesklimaschutzgesetze profitieren auch die Bundesländer von der Einführung verbindlicher Regelungen. Andernfalls droht die Klimakompensation ein unübersichtlicher Flickenteppich zu werden, bei der jedes Land eigene Anforderungen an die Zertifikate festlegt. Setzt der Bund Standards und schafft ein Gütesiegel für Klimazertifikate, geht er als Vorbild für Privatpersonen, Wirtschaft und Länder voran. Die Bundesländer und Kommunen können die Standards dann für ihre eigene Klimakompensation nutzen. Damit diese von allen mitgetragen werden, sollte der Bund die Standards mit den Ländern ausarbeiten. Dazu bedarf es einer weitreichenden Bund-Länder-Koordination beim Klimaschutz. Und auch für Verbraucher schafft das Siegel mehr Transparenz. Dies ist wichtig, da der Preis nicht das wichtigste Entscheidungskriterium beim Kauf der Zertifikate sein darf.

Dr. Dörte Fouquet ist Vorstandsmitglied des IKEM - Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität.

 




Kommentare

Diskutieren Sie über diesen Artikel

Andreas Weckwert 26.03.2019, 09:05:44

Nein, ich ärgere mich nicht mehr über solche Artikel...

 

Zu oft kommt es vor, dass vermeintliche Fachleute und Experten denken, ihre unreflektierte Meinung kund tun zu müssen. Hat den Frau Dr. Dörte Fouquet verstanden, dass sie vom freiwilligen Klimaschutz spricht? Also von einem Engagement von Unternehmen und Privatpersonen die eigentlich "per Gesetzgeber" gar nichts tun müssten? Und dennoch engagieren sie sich und stellen Produkte, Prozesse oder Unternehmen klimaneutral. Unverständlich für mich ist auch, wie man behaupten kann, dass Gold Standard Zertifikate besonders teuer (und damit von besonderer Qualität?) sind. Die günstigsten Zertifikate, die Gold Standard zertifiziert sind, kann man auf dem freien Markt bereits für 0,50 EURO kaufen. Ein weiteres Ärgernis ist die Aussage “Private Projektträger finanzieren Klimaschutzprojekte und stellen dafür entsprechende Zertifikate aus." Richtig wäre, die meisten Klimaschutzprojekte sind nach einem Klimaschutzstandard zertifiziert. Zertifikatsmengen, die ein Projekt durch Bindung oder Vermeidung von CO2 generiert, werden vom Standard überprüft und dem jeweiligen Projekt zugewiesen. Diese Zertifikate können dann verkauft und im jeweiligen Register stillgelegt werden. Was daran ist den bitte "Grau". Und nun zu guter letzt: der Staat wird, und das ist auch gut so, nicht alles regeln und auch nicht alles regeln können. Sieht man sich in der Geschichte einmal um, wurden die großen Veränderungen nicht von Staaten sondern meist von Unternehmen und Bürgern organisiert. Ich empfehle dringend, aus Unwissenheit nicht immer gleich nach dem Staat zu rufen. Und noch einen letzten Punkt, von IKEM hätte ich mir wirklich mehr Fach- und Sachverstand erwartet. Hier scheinen erhebliche Lücken, was den freiwilligen Klimaschutz angeht, vorhanden zu sein, die wir gerne helfen in einer öffentlichen Diskussion zu schließen.

 

Mit den besten Grüßen

Andreas Weckwert, Initiator des Klimaschutzprojektes PROJECT TOGO

natureOffice

Robert Werner 26.03.2019, 15:57:39

+51 Gut

Ich schließe mich Herrn Weckwert voll und ganz an!

Robert Werner

Greenmiles GmbH

Dominik Dicken 26.03.2019, 13:52:35

Sehr geehrter Herr Weckwert,

vielen Dank für Ihren Kommentar. Zunächst bedauern wir, dass Sie sich über einen Meinungsartikel derart ärgern können. Wir freuen uns immer über einen fundierten Austausch und sind auch an einer öffentlichen Diskussion zum Thema interessiert. Sehr gerne hätten wir mit Ihnen im Rahmen unserer Jahrestagung zum Thema gesprochen.

Wir stehen hinter dem Meinungsartikel unseres Vorstandsmitglieds und sind davon überzeugt, dass der Markt von einheitlichen Standards und einem Gütesiegel profitiert. Gleichzeitig begrüßen wir ausdrücklich das Engagement privater Initiativen für den Klimaschutz. Ab dem Zeitpunkt, wo der Staat jedoch zum großen Käufer von Klimazertifikaten wird, braucht es unserer Meinung nach transparente Kriterien beim Kauf der Zertifikate. Der Staat kompensiert nicht freiwillig, sondern würde durch das Klimaschutzgesetz zur Kompensation verpflichtet. Werden keine Standards formuliert, droht die Bundesverwaltung einzig Projekte zu unterstützen, die zum günstigsten Preis angeboten werden können. Unser Vorschlag, den am Markt etablierten Gold Standard aufzuwerten und zu einem „Bio-Siegel“ für Klimakompensation zu machen, stellt keinen unverhältnismäßigen Eingriff des Staates in den Markt dar. Vielmehr beflügelt er den Markt, da Unternehmen – ähnlich wie beim Bio-Siegel – vereinfacht die klimaneutrale Eigenschaft ihrer Produkte und Dienstleistungen kommunizieren können. Durch die Beleihung des Gold Standards wird ferner sichergestellt, dass neben dem Klimanutzen möglichst viele SDGs adressiert werden. So kann vermehrt für das wichtige Thema Klimakompensation sensibilisiert werden.

Wie gesagt, wir stehen einem Austausch offen gegenüber und freuen uns Ihre Rückmeldung.

Viele freundliche Grüße

Dominik Dicken

(dominik.dicken@ikem.de)

Andreas Weckwert 27.03.2019, 14:57:23

+63 Gut

Antwort, Teil 1

Lieber Herr Dicken,

 

lassen Sie uns doch bitte zunächst einmal klären, ob der Kommentar eine private Meinung von Dr. Dörte Fouquet, immerhin Vorstandsmitglied des IKEM - Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität ist oder ob das eine Meinungsäußerung des Instituts war. Das wäre für die Einordnung des Artikels wichtig, nachdem Sie nun schreiben: „Wir stehen hinter dem Meinungsartikel unseres Vorstandsmitglieds und sind davon überzeugt, dass der Markt von einheitlichen Standards und einem Gütesiegel profitiert.“ 
Ich verstehe nicht, was Sie mit „einheitlichen Standards und Gütesiegel“ meinen. Wer soll denn diesen Standard definieren (im freiwilligen Klimaschutz) und wer will nun Unternehmen, die sich bereits seit mehr als 11 Jahren freiwillig im Klimaschutz engagieren in dieser Richtung Empfehlungen aussprechen? Diese Unternehmen haben eben in der Vergangenheit nicht auf den Staat gewartet sondern handeln bereits in Eigenverantwortung.

 

Und weiter, wenn „der Staat“ künftig Klimaschutzzertifikate in großen Mengen einkauft (weil er seine Selbstverpflichtung mal wieder nicht halten kann) dann muss „der Staat“ für sich Regeln aufstellen welche Merkmale ein Klimaschutzprojekt aufweisen muss, damit es von Behörden eingekauft werden darf. Das hat doch zunächst mit dem freiwilligen Privat/ Unternehmenssektor nichts zu tun. Vermischen Sie da nicht einige Dinge miteinander?

Muss sich denn jetzt der ganze Markt nach dem Staat richten? Oder richtet sich der Staat nicht besser nach dem Markt, der seit vielen Jahren funktioniert!

 

Ihre Ängste, der „Staat“ könnte ohne Vorschriften lediglich günstige Zertifikate einkaufen sind natürlich berechtigt, aber hier sprechen wir eher von Ausschreibungskriterien, die eben geregelt werden müssen - aber doch nicht für die Allgemeinheit und schon gar nicht für den Privatsektor. Ebenfalls möchten wir Sie erinnern, dass es eine ganze Flut an Gold Standard Zertifikaten gibt, die nicht mehr als EUR 0,50 kosten!

Andreas Weckwert 27.03.2019, 14:58:06

+55 Gut

Antwort, Teil 2

 

Und dann - „Unser Vorschlag, den am Markt etablierten Gold Standard aufzuwerten und zu einem „Bio-Siegel“ für Klimakompensation zu machen, stellt keinen unverhältnismäßigen Eingriff des Staates in den Markt dar.“

Der Gold Standard ist erstens eine Stiftung mit Sitz in der Schweiz, also eine Stiftung nach Schweizer Recht und zweitens, wie kommen Sie eigentlich auf den Gedanken, der Gold Standard sei im Markt besonders etabliert? VCS, den Frau Dr. Dörte Fouquet eher als billig-Standard darstellt, hat bei weitem mehr Klimaschutzprojekte zertifiziert und steht, was die Kriterien angeht, dem, Gold Standard in keinster Weise nach. Das wäre eine fatale Fehleinschätzung. Im Gegenteil, der VCS ist beispielsweise für die Zertifizierung von Aufforstungsprojekten sehr viel besser geeignet als der Gold Standard.

 

Es gibt auch auf dem Markt kein Problem mit der Kommunikation der Klimaneutralität von Produkten, Prozessen oder Unternehmen! Wie kommen Sie darauf? Weshalb sollte hier etwas vereinheitlicht werden? Unterschiedliche Projekte zertifiziert durch unterschiedliche Regularien bieten dem Markt CO2-Zertifkate unterschiedlicher Qualitäten. Gemäß einem variierenden Kundenwunsch und Budget!

 

Und weiter, auch andere Klimaschutzstandards adressieren SDGs. Das ist doch keine Erfindung vom Gold Standard. Natürlich sind wir der Meinung, dass Klimaschutz auch zur Verbesserung der sozialen Strukturen und der Lebensgrundlage von Menschen dienen sollte. Aber vermischen Sie bzw. Klimaschutzstandards hier nicht zwei Dinge die im Grundsatz nichts miteinander zu tun haben? Eine Tonne CO2 Vermeidung oder Bindung ist eine Tonne CO2. Dem Klimawandel ist es sicherlich egal, ob diese Tonne CO2 besonders schön und hübsch kompensiert wird oder nicht. Die Wirkung ist die gleiche. Und war es nicht der Gold Standard, der auch durch die Nachzertifizierung von CDM Projekten erst die Flut von günstigen Zertifikaten ausgelöst hat?

Andreas Weckwert 27.03.2019, 14:59:01

+57 Gut

Antwort, Teil 3

Ich denke, wir tun gut daran, den „Staat“ nicht all zu laut zu rufen um den Markt, der sich um verantwortungsbewusste Unternehmen, die sich auch ohne Klimakabinett im freiwilligen Klimaschutz engagieren, auszubauen und als Vorbild zu nehmen. Ich sehe auch nicht, wie Dr. Dörte Fouquet, scharenweise unseriöser Anbieter oder intransparente Zertifikate. Es werden Zertifikate vom VCS-Standard, von Plan Vivo, vom Gold Standard und anderen gekauft. Da kann sich doch jeder selbst ein Bild machen und nachlesen wofür der jeweilige Standard steht. Und was sagen Sie Organisationen wie der Klima-Kollekte, die in Ihrem Portfolio fünf nicht zertifizierte Projekte haben. Projekte die sich an die Kriterien eines anderen Standards anlehnen. Meinen Sie solche Organisationen wenn Sie von unseriös sprechen? Oder myclimate, eine Stiftung aus der Schweiz, die gratis Spardüsen für Wasserhähne anbietet und sich eine CO2-Reduktion von 5.000 Tonnen gutschreiben lässt? Oder vielleicht Ferrero mit seiner im Gold Standard zertifizierten Haselnussplantage? Ich denke der Markt und die Käufer sind bereits so viel weiter als so manches Institut oder Organisation das wahrhaben möchte.

 

Der Beitrag bzw. die Meinung Ihres Vorstandsmitgliedes trägt in keinster Weise zu irgend etwas bei. Das einzige was er schafft ist Verunsicherung! Auf dem freiwilligen Markt der CO2-Kompensation, der in keinster Weise ein Dschungel von Kompensationszertifikaten ist, herrscht weder ein „Wild-West-Treiben“ noch fordern seriöse Anbieter ein einheitliches Gütesiegel oder werben für mehr Regulierung! Auch kann man an einem einheitlichen Gütesiegel kein seriöses von einem unseriösen Unternehmen unterscheiden, denn auf dem übersichtlichen Markt der Kompensationsdienstleister befindet sich kein unseriöses! Dies jedoch Ihrerseits einfach einmal so in den Raum zu werfen finde ich hingegen höchst unseriös!

Andreas Weckwert 27.03.2019, 14:59:46

+51 Gut

Antwort, Teil 4

 

Gerne stehen wir Ihrem Institut als Berater zur Verfügung, sollten Sie daran interessiert sein, echte und korrekte Informationen darüber wie der CO2-Handel am freiwilligen Markt funktioniert, zu sammeln!

 

Mit den besten Grüßen,

Andreas Weckwert

natureOffice


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