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Meinung der Woche
12. Februar 2018

Die Macht der Crowd

Vor allem Start-ups, aber auch etablierte Unternehmen setzen zunehmend auf Crowdinvesting, um die Kreditfinanzierung von Banken zu ergänzen – oft mit Geschäftsmodellen in den Bereichen Energiewende und Nachhaltigkeit. Über den reinen Profit hinaus ist dabei das Ziel, humanitäre und ökologische Ansätze zu unterstützen.

Matthias Willenbacher, Gründer, Investor, Buchautor

Matthias Willenbacher, Gründer, Investor, Buchautor
Foto: Der Autor springt Treppen hoch
Matthias Willenbacher ist Gründer, Investor und Buchautor. (Foto: Privat)

12.02.2018 –Demokratie auf dem Finanzmarkt? Das hört sich erst mal etwas ungewöhnlich an, bestimmt aber zunehmend unseren Alltag. Denn der Finanzmarkt, wie wir ihn kennen, ist nicht mehr alternativlos. Bis vor wenigen Jahren haben institutionelle Anleger, wie Banken oder Investmentfonds noch entschieden, wo die Gelder ihrer Kunden hinfließen und was damit gefördert wird. Warum aber den großen Finanzmarktakteuren die Macht der Geldanlagen und Entscheidungen über wirtschaftliche Entwicklungen überlassen, wenn wir als Bürger direkten Einfluss nehmen können? Über Crowdinvestment und Crowdfunding können Menschen mittlerweile ihr Geld ganz einfach selbst anlegen und Innovationen bzw. Technologien voranbringen, die ihnen am Herzen liegen. Das Risiko ist dabei nicht größer oder geringer als bei herkömmlichen Geldanlagen.

Zunächst sollte man aber den Unterschied zwischen Crowdinvestment und Crowdfunding kennen. Bei Crowdinvestments verleihen Kleinanleger Geld an Unternehmen mit zukunftsfähigen Geschäftsmodellen, z.B. durch eine Beteiligung oder eine Art Kredit, und profitieren von den Gewinnen. Dies erfordert ein gewisses Eigenkapital, das in der Regel bei 500 Euro anfängt. Crowdinvestoren können damit – im Gegensatz zu den Anlagen über die Bank – selbst entscheiden, wo sie ihr Geld anlegen wollen, um gemeinsam mit anderen große Projekte zu verwirklichen.

Allein im Jahr 2016 wurde in Deutschland ein Wachstum des Crowdinvesting-Volumens von 63,8 Mio. Euro verzeichnet – das sind fast 40 Prozent mehr im Vergleich zum Vorjahr. Eines der erfolgreichsten Crowdinvestments der letzten Jahre war übrigens SONO Motors, die ihrem Ziel, ein erschwingliches Elektroauto mit integrierten Solarpanels auf den Markt zu bringen, einen großen Schritt nähergekommen sind.

Beim Crowdfunding ist man als Anleger nicht direkt an den Gewinnen des geförderten Unternehmens beteiligt, sondern man sponsert mit seinem Geld ein Unternehmen oder ein Produkt, um dadurch andere Vorteile, wie beispielsweise die frühere Nutzung eines Produkts, zu genießen. Beim Crowdfunding werden üblicherweise kleinere Summen als beim Crowdinvestment getätigt. Das bedeutet, dass jeder mit nur ein paar Euro selbst zum Investor werden kann.

Warum erst jetzt?

Doch warum sind Crowdinvestment und Crowdfunding gerade jetzt auf dem Vormarsch? Das Modell ist schließlich keine neue Erfindung. Dass eine Gruppe von Menschen, ob in kirchlichen Gemeinden oder einfach in der Familie, zusammen Geld oder Ressourcen auftreibt, um eine bestimmte Sache oder Person zu unterstützen, gibt es schließlich seit Anbeginn der menschlichen Zivilisation. Aber eine globale Vernetzung von Gleichgesinnten ist erst in den letzten Jahren durch das Internet möglich geworden, denn Crowdinvesting und Crowdfunding funktionieren nur online. Manche mögen die zunehmende Digitalisierung unserer Gesellschaft als Fluch bezeichnen, aber es bringt zumindest bei Geldanlagen mehr Transparenz in das Geschäft. Anleger können endlich frei und selbstbestimmt über ihre Investitionen entscheiden.

Zusammen mit geringem Einsatz Großes erreichen

Die Essenz sowohl aus Crowdfunding als auch -investment besteht darin, dass viele Einzelne etwas ganz Großes bewegen können. Was könnte demokratischer sein? Für beide Methoden gibt es verschiedene Online-Plattformen, auf denen Projekte gelistet sind, die für eine Investition in Frage kommen. Einige Online-Plattformen, wie zum Beispiel WIWIN, erleichtern privaten Anlegern die Investitionsentscheidung, indem die Betreiber des Portals bereits eine Vorauswahl über rentable Investitionsmöglichkeiten treffen.

Es sind besonders junge Unternehmen und Start-ups, die auf die Macht der Crowd setzen, anstatt ihr Startkapital von Banken einzuholen. Doch auch etablierte Unternehmen setzen zunehmend auf Crowdinvesting, um die Kreditfinanzierung von Banken zu ergänzen. Häufig handelt es sich hierbei um Geschäftsmodelle in den Bereichen Energiewende, Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft. In diesen Feldern wollen die Anleger nicht nur von den Gewinnen profitieren, sondern darüber hinaus auch humanitäre oder ökologische Ansätze unterstützen. Sie sind sich bewusst, dass ihr Geld etwas bewegen kann. Sie sind entschlossen, mit ihrem Geld Projekte voranzubringen, hinter denen sie auch persönlich stehen und die neben einer Rendite vor allem gesellschaftlich einen Nutzen bringen.

Was die Rendite angeht, so sind nachhaltige Geldanlagen mindestens genauso attraktiv wie Investitionen, die entgegen dem ökologischen oder sozialen Trend aufgesetzt sind. Windbürgerparks oder ein Solarbetriebenes Auto erwirtschaften mittlerweile auch bis zu zweistelligen Renditen pro Jahr. Eins ist auf jeden Fall klar: Der Trend der selbstbestimmten Geldanlage ist nicht aufzuhalten. Immer mehr Menschen suchen nach Plattformen für Crowdinvesting und -funding. Sie eint das Anliegen, innovative und gleichzeitig nachhaltige Projekte zu unterstützen und dabei einen finanziell profitablen Deal abzuschließen. Am Ende haben Anleger mit ihren Investitionsentscheidungen einen enormen Einfluss auf die Entwicklung unserer Gesellschaft. Indem sie ökologische oder soziale Projekte unterstützen, haben sie einen positiven gesellschaftlichen Einfluss und demokratisieren gleichzeitig unbewusst den Finanzmarkt. Sie bringen die Crowd an die Macht.

Matthias Willenbacher ist Gründer der Firmengruppe juwi, Investor und Buchautor.




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