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Meinung der Woche
01. September 2014

Die Wärmeenergie nicht vergessen!

Die Energiewende in Deutschland: Netzausbau. Fracking. EEG und Industriebefreiung. Photovoltaik-Einspeisevergütungssätze. Angela Merkel. Das sind alles Probleme der Energiewende. Aber ein großes Potential und eine große Chance für die Energiewende wird in den Medien häufig vergessen: Die Eigenheime und Wohnungen.

Stephan GüntherEnergiebloggerenergieheld.de

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Stephan Günther ist leitender Online-Redakteur für das unabhängige Informations- und Beratungsportal www.energieheld.de aus Hannover. (Foto: Stephan Günther)
Stephan Günther ist leitender Online-Redakteur für das unabhängige Informations- und Beratungsportal www.energieheld.de aus Hannover. (Foto: Stephan Günther)

01.09.2014 – Das Energieeinsparpotential in Wohnungen – und mehr noch in Eigenheimen – ist enorm. Da werden alte Stromheizkörper betrieben und ungedämmte Gebäude heizen zu undichten Fenstern hinaus. Abgesehen von der Verheizung der eigenen Energiekosten wird so auch unnötig viel CO2 emittiert. Schließlich muss die benötigte Wärme ja erst mal erzeugt werden. Dies geschieht in der Regel durch Gas- und Ölheizungen.

Aus Sicht des Umweltschutzes ist die beste Energie immer noch die Energie, die gar nicht benötigt wird. Was ich damit meine ist, dass die Reduzierung des Energieverbrauchs ökologischer ist, als bei gleichbleibendem Verbrauch fossile Energieträger durch erneuerbare Energieträger zu ersetzen. Wieso? Weil auch die Produktion und Wartung von Erneuerbaren Energien Ressourcen und somit CO2 verbraucht.

Ich möchte hier einmal die Chance nutzen um auf das Potential von energieeffizienten Eigenheimen hinzuweisen. Die Energiewende wird nämlich nicht nur durch die Politik und Stromtrassen quer durchs Land entschieden, sondern kann zu einem sehr großen Teil in den Haushalten der Bürger selbst umgesetzt werden.

Hier einige Tipps und Hinweise, wie Sie sich die eigene Energiewende erschaffen können (und mittelfristig sogar noch Geld sparen)!

Leider keine Patentlösungen

Gleich vorab: Die Energiewende ist ein komplexes Thema, ebenso wie die Sinnhaftigkeit der verschiedenen Sanierungsmaßnahmen. Was leisten neue Fenster? Wie hoch ist der Energieeffizienzunterschied von alten und modernen Heizungsanlagen? Es gilt dabei jedes Mal Einzeluntersuchungen durchzuführen. Man kann nie pauschal sagen, dass eine Umstellung auf diese oder jene Technik die absolut beste Lösung ist. Jedes Haus ist anders, die Fenster sind unterschiedlich, die Dämmung unterschiedlich dick und besteht aus unterschiedlichen Dämmstoffen, ein Anschluss an das Gasnetz beispielsweise, ist in ländlichen Gegenden oft gar nicht möglich.

Jedoch lässt sich mit Sicherheit sagen, dass das Einsparpotential für die meisten Eigenheime groß ist. Es gilt nur herauszufinden, welche Sanierungsmaßnahmen die geeigneten sind. Vereinfachte Berechnungen mit realistischen Grundannahmen lassen es jedoch schon zu, das Potential recht zuverlässig zu analysieren und ungefähr abzuschätzen.

Wie hoch ist also das Potential der Eigenheime?

Zunächst einige Fakten:

  • Es gibt 18.000.000 Wohngebäude in Deutschland
  • davon sind etwa 75 % noch vor 1979 gebaut
  • somit gibt es theoretisch 13.000.000 sanierungsbedürftige Altbauten
  • Zur Erfüllung der offiziellen Klimaschutzziele der BRD müssen bis 2050 jährlich 2 % aller Altbauten saniert werden. Das wären 260.000 Gebäude jährlich. Die aktuelle Rate liegt bei 1 %.

Viel zu tun also. Auch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) hat uns in einem energieheld-Interview bestätigt:
Natürlich muss die Sanierungsrate deutlich gesteigert werden.

Übersicht der Potenziale

Anhand von Beispielrechnungen soll hier mal das allgemeine Potential für ein Durchschnittshaus aufgezeigt werden.

Berechnungsgrundlage: Es wird hier immer versucht möglichst realistischen Annahmen Genüge zu tun. Das heißt, Ausgang ist ein durchschnittliches Einfamilienhaus mit 140 Quadratmeter Wohnfläche, freistehend, Baujahr 1960, 4-Personen, 2 Etagen, kompakter Grundriss, ohne Beheizung des Dachgeschosses und Kellers, Niedertemperatur-Ölheizkessel, normales Heizverhalten. Ebenfalls wird eine Preissteigerung der Energiekosten angenommen, in der Art, wie sie in der Vergangenheit vorkam.

Neue Fenster
Austausch von alten 2-fach-verglasten Fenstern, hin zu modernen 2-fach-verglasten Kunststoff-Wärmeschutzverglasungen. (Investitionsvolumen: ca. 10.500 Euro)

Energieeffizienzpotential – jährliche Einsparung: 600 kg CO2, 2.100 kWh, 200 Euro Energiekosten (Tendenz jährlich steigend)

Neue Heizung
Austausch des Heizungssystems. Niedertemperatur-Ölkessel zu Gas-Brennwertkessel. (Investitionsvolumen: ca. 8.000 Euro)

Energieeffizienzpotential – jährliche Einsparung: 3.400 kg CO2, 3.800 kWh, 1.500 Euro (Tendenz jährlich steigend)

Solarthermie
Kommt zu dem Gasbrennwertkessel noch eine Solarthermieanlage hinzu, welche sowohl für die Warmwasserbereitung, als auch heizungsunterstützend genutzt wird, ergeben sich folgende Potentiale. (Investitionsvolumen: Gasheizung + Solarthermie ca. 16.000 Euro)

Energieeffizienzpotential – jährliche Einsparung: 5.100 kg CO2, 10.700 kWh, 1.950 Euro (Tendenz jährlich steigend)

Nachträgliche Dämmung
Dämmung der Kellerdecke  und der obersten Geschossdecke.  (Investitionsvolumen: ca. 5.000 Euro)

Energieeffizienzpotential – jährliche Einsparung: 3.800 kg CO2, 12.600 kWh, 1.250 Euro (Tendenz jährlich steigend)

In Kombination entstehen zwischen den Maßnahmen Synergieeffekte. Eine Solarthermieanlage zusammen mit einer modernen Heizung ist effizienter als alleine, da die neue Heizung eine geringere Vorlauftemperatur benötigt, etc.

But wait, there is more!

Dämmmaßnahmen können vielfältig sein, Dachdämmung, Kellerdämmung, Kerndämmung, etc. Vor allem die Dämmung der Fassade mit WDVS erweist sich als sehr effizient, wenn auch kostspieliger. Hier können die CO2- und Energieeinsparungen noch wesentlich höher sein.

Die Photovoltaikanlagen-Berechnung ist hier gar nicht aufgeführt. Damit erzeugen Sie Ihren eigenen Ökostrom und können mit einem Stromspeicher den Eigenverbrauch erhöhen. Bei höherem Stromverbrauch kann das sehr sinnvoll sein.

Umstellung auf LED-Technologien: Wer seine herkömmlichen Glühbirnen durch moderne LED-Lampen ersetzt, spart mittelfristig viele kWh Strom und damit CO2 ein. Ein 100 Quadratmeter großes Büro kann mit einer Umstellung, laut der Deutschen Energie-Agentur dena, jährlich etwa 400,- Euro Stromkosten sparen.

Einige moderne Heizungsanlagen laufen mit Erneuerbaren Energien. Pelletheizungen und Wärmepumpen können das Gebäude fast CO2-neutral mit Wärmeenergie versorgen.

Fazit

Die obigen Berechnungen liegen einem möglichst realistischen Ausgangsszenario zugrunde. Da ich hier die Freude und Ehre habe für die „MEINUNG der Woche“ zu schreiben, nehme ich dies noch einmal wörtlich und füge hier zusätzlich meinen eigenen Standpunkt hinzu:
 

  • Die so genannte „Bürgerenergiewende“ ist unterschätzt
  • In energieeffizienten Gebäuden liegt ein riesiges Potential der Energiewende
  • Moderne Technik ist wesentlich (Energie-) effizienter geworden
  • Investitionen in Gebäude lohnen sich doppelt, für die Umwelt und den Geldbeutel
  • Vor allem Einblasdämmung ist günstig, schnell umsetzbar und bringt sehr viel.

Doch selbst wenn sich die Investition in ein energieeffizienteres Haus gar nicht rentieren würde und man nach der Lebensdauer, zum Beispiel einer neuen Heizung, lediglich die Investition wieder eingespart hätte, so hätte man TROTZDEM eine Menge CO2 eingespart. Und das ganze quasi zum NULLTARIF! Man muss nicht zwangsläufig immer auch Geld mit der Energiewende verdienen, die eigene CO2-Emission zu verringern kann durchaus ebenfalls ein anstrebsames Ziel sein!

Fakt

Natürlich muss die Finanzierung dabei möglich und die Maßnahme auch wirtschaftlich einigermaßen sinnvoll sein. In den allermeisten Fällen sind Sanierungsmaßnahmen auch wirtschaftlich. Teilweise amortisieren sich Energieeffizienz-Maßnahmen bereits nach wenigen Jahren, manchmal auch erst nach Jahrzehnten. Eben je nach Maßnahme, Einsparungshöhe und Investitionsvolumen.
Mehr zu der Berechnung von Einsparpotentialen von Gebäuden erfahren Sie hier

Stephan Günther (31, Dipl. Ök.) ist leitender Online-Redakteur für das unabhängige Informations- und Beratungsportal www.energieheld.de aus Hannover. Ziel dieses Startups ist es, die Energiewende in Deutschland ein Stück weit mit voranzubringen. Zu diesem Zwecke informiert und berät energieheld kostenlos zum Thema „energetische Gebäudesanierung“. Bei Interesse können entsprechende Fachbetriebe vermittelt werden. Nebenbei ist Stephan Günther in dem Netzwerk für Energiewende, den Energiebloggern, tätig.




Kommentare

Diskutieren Sie über diesen Artikel

Michael Wolters 01.09.2014, 12:13:09

+237 Gut Antworten

Ihr Artikel ist Gut und gefällt mir habe jedoch einige Anmerkungen

Neue Heizung Einsprung 3800 KW dürfte ca. 350€ im Jahr einsparen

Solarthermie 10.700 KW dürfte ca. 1.000€ im Jahr einsparen

Auf die Wohlfühltemperatur in einem gut gedämmten Haus gehen Sie zu wenig ein. Es gibt keine Zugluft Erscheinungen. Die Temperatur ist das ganze Jahr angenehm.

Erich Görgens 01.09.2014, 13:31:06

+225 Gut Antworten

Kann die Energiewende die Welt verändern...?

 

Hier mein Statement:

Ja, und zwar garantiert..! Wo wir 100% umweltschädigende, kinetische Energie gegen ~100% der völlig umweltfreundlichen, potenzielle Energie austauschen, haben wir alle energetisch bedingte Umwelt- und Energieprobleme nachhaltig gelöst. D. h., die Umwelt würde sich wieder regenerieren, alle Energiespar-, Beschaffungs- und Entsorgungsmaßnahmen würden so entfallen, Forschungs- und Wirtschaftsressourcen könnten neue Bereiche erschließen, zivilisatorische Errungenschaften ließen sich nachhaltiger sichern und

uns dazu befähigen, dass wir uns neue- und vorteilhaftere Lebensgrundlagen, schaffen.

 

Eine Utopie..? Ein Verstoß gegen die Energiesätze....? Ein Perpetuum mobile...? NEIN, weder das Eine- noch das Andere- aber unwiderlegbar „Stand von Wissenschaft und Technik.“

 

Hier ist der Beweis: Millionenfach im Einsatz, sparen Aufzüge mit Gegengewicht als reale Maschinen, im Idealfall 100% kinetisc

Erich Görgens 01.09.2014, 13:54:47

+231 Gut Antworten

Wie soll potenzielle Energie all unsere Umwelt-/Energieprobleme lösen..?

1. Weil potenzielle Energie immer und überall, völlig umweltfreundlich, ohne Entsorgungsprobleme oder Ressourcenabhängigkeit, als Ersatz umweltschädigender und kinetischer Energie), verfügbar ist.

2. PE-Drive ist in der Rotation-fortlaufend in allen technischen Bereichen als Antriebs-/Energiebereitstellungstechnologie, eingesetzt werden.

3.Keine andere Energieform oder Technologie, kann dsiese Alleinstellungsmerkmale erfüllen.

4. Anwendungskonzepte für Bürgerbeteiligung, Kaftwerke, Kommunen, Hochhäuser und deren komplette Infrastruktur sowie zur Realisierung der bisher unmöglichen „autarken E-Mobilität“ in allen Verkehrsbereichen (Straße, Schiene, Wasser und Luft).

5. Beschaffungs-, Anwendungs- oder Entsorgungsprobleme (auch bei Erneuerbaren Energien), entfallen mit PE-Drive so wie Stromtrassen, diverse Speichersysteme, die falsche Gebäudedämmung oder Energieeinsparmaßnahmen.


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