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Meinung der Woche
21. August 2017

E-Mobilität wirklich umweltfreundlich?

Der Dieselskandal hat den Selbstzünder in Verruf gebracht, doch auch die Benzinverbrenner stehen auf der Abschussliste. Doch ist das richtig? Es gibt nämlich eine klimaneutrale Lösung des Mobilitätsproblems, die kaum diskutiert wird. Und die heißt nicht nur Elektromobilität…

Dr. Gerhard Hofmann Agentur Zukunft

Dr. Gerhard Hofmann Agentur Zukunft

21.08.2017 – „Porsche prüft schnelles Aus für den Diesel: „Schon für sein neues Cayenne-Modell stellt der Hersteller den Selbstzünder in Frage“, hieß es jüngst „exklusiv“ in der FAZ. Und Uwe Hück, Betriebsratschef der Nobelmarke, verlangte gleich die Entlassung der gesamten Audi-Chefetage, denn die habe „Dieselmotoren mit Defeat Devices geliefert, also kranke Motoren“. Hück polterte, er könne „diese ganzen Lügen nicht mehr ertragen.“ Das, wie er es nannte, „Krebsgeschwür“, das „den ganzen Konzern krank gemacht“ habe, müsse „jetzt endlich richtig behandelt werden, und zwar nicht mit Puder, sondern mit Chemotherapie.“

Gleichzeitig will sich die SPD mit Lösungsvorschlägen für das Dieselgate profilieren: Kanzlerkandidat Schulz will als Anreiz für die Industrie eine verbindliche Quote für Neuzulassungen von Elektroautos in Europa – denn: Wer am schnellsten in der Produktion und Entwicklung sei, werde „diesen Markt für sich erobern". Oliver Lah vom Wuppertal Institut wies jüngst darauf hin, andere Länder wie Frankreich, China und sogar Indien hätten längst erkannt, „dass der Verbrennungsmotor eine Technologie der Vergangenheit ist, und dass Deutschland immer noch versucht, daran festzuhalten und somit eine Führungsrolle im Wettbewerb um nachhaltige Mobilitätslösungen aufs Spiel setzt".

Alle denken zu kurz (wie leider überhaupt langfristiges Denken aus der Mode gekommen zu sein scheint): Die Forderungen, den Verbrennungsmotor bald nicht mehr zuzulassen und als Alternative die Elektromobilität und Wasserstoff anzubieten, sind allerhöchstens Teile der Lösung. Sie setzen nicht nur ein wesentlich schnelleres Ausbautempo der Erneuerbaren Energien als gegenwärtig voraus.

Die bisherigen – leider viel zu erfolgreichen - Bemühungen der Kohle-Lobby und in ihrem Schlepptau der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft haben aber den unbedingt nötigen Ausbau von Photovoltaik, Wind, Geothermie und Bioenergie auf klimaschädlichste Weise abgebremst, unterfüttert mit dem lügenhaften Argument, die Erneuerbaren würden zu teuer. Deshalb kommt immer noch viel zu viel Strom aus fossilen Kraftwerken – den Sauriern der Energiegewinnung. Deshalb steigt der CO2-Ausstoß bei uns weiter, so dass wir die Pariser Vorgaben (nahezu sicher) deutlich verfehlen werden – unsinnigerweise wird deutscher Kohlestrom sogar immer noch exportiert.

Am weitesten hinkt der Verkehr beim Schadstoffausstoß hinterher. Aber Elektromobilität ist erst dann klimadienlich, wenn erstens der Strom zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energieträgern stammt, das gleiche gilt für Wasserstoff – sonst verlagern wir lediglich den Auspuff in die Kraftwerke – und wenn, zweitens Batterieproduktion und -entsorgung die Umwelt geringer belasten. Denn einer schwedischen Studie zufolge sind Elektrofahrzeuge kaum umweltfreundlicher als Verbrenner. Die Herstellung der Lithium-Ionen-Batterien verbrauche nicht nur teure Rohstoffe, sondern sei zudem so energie- und CO2-intensiv, dass sich ein positiver Umwelteffekt erst nach Jahren ergebe. Jede Kilowattstunde Batterie-Speicherkapazität setzt demnach bereits in der Fabrik 150-200 kg CO2 frei. Zum Vergleich: Ein Hin- und Rückflug Stockholm-New York führt gemäß der UN-Luftfahrtorganisation ICAO zu Emissionen von etwa 600 kg CO2. Ein herkömmlicher Otto- oder Dieselmotor könnte bis zu acht Jahren laufen, um ebenso viel CO2 auszustoßen.

Nun ist allerdings der Schluss nicht unproblematisch, dass ein Verbrenner jahrelang fahren kann, bis er die schon bei der Herstellung des E-Autos angefallene Umweltbelastung erreicht hat. Denn das würde bedeuten, dass die Produktion von Verbrennungsmotoren samt herkömmlicher Batterien CO2-frei abläuft. Dazu kommt die „Entsorgung“ des außer Dienst gestellten Vehikels.

Das Umweltbundesamt glaubt, dass in Bezug auf Schadgase die Elektromobilität etwa so gut sei wie sparsame Verbrenner. Und auch das Heidelberger Institut für Energie- und Umweltforschung (IFEU) kam zu dem Schluss, dass E-Pkw über ihre gesamte Lebensdauer bei Nutzung des deutschen Strommixes ähnliche Klimabilanzen haben wie Verbrenner.

Wissenschaftler der University of Minnesota rechneten jüngst gar vor, Elektroautos emittierten pro Kilometer gut doppelt so viel Feinstaub und Ozon wie Benziner, wenn sie mit Fossilstrom fahren. Die US-Forscher schätzten 3.000 zusätzliche Tote pro Jahr als Folge der dadurch hervorgerufenen Luftverschmutzung.

Der Verkehrsexperte Axel Friedrich hält das gegenwärtige Prinzip Elektroauto, vor allem den beschleunigungs- und reichweite-starken, schnellen und teuren Tesla nicht für zukunftsfähig: „Für diese Batterien haben wir viel zu wenig Kobalt, Coltan und Lithium. Und Bei Lithium-Batterien muss dazu noch berücksichtigt werden, dass fast alle Batterien in China hergestellt werden. Dort ist der Kohlestromanteil besonders hoch. Und ein Recycling gibt es bisher nicht.“

Was also tun?

Erstaunlicherweise fällt eine wichtige Option in der aktuellen Diskussion fast völlig unter den Tisch: Die Entwicklung schadstofffreier sogenannter Designer-Fuels. Motoren wurden zwar extrem optimiert, aber Treibstoffe blieben seit Carl Benz und Rudolf Diesel nahezu unverändert. Unter diesen synthetischen Kraftstoffen sind Oxymethylenether die meistversprechenden – Verbindungen aus Kohlenstoff, Sauerstoff und Wasserstoff, die effizient und nahezu emissionsfrei verbrennen – die Motoren können dabei die gleichen bleiben. Designer Fuels sind klimaneutral, weil zu ihrer Herstellung CO2 verwendet und durch ihren Einsatz gleich viel fossile Energie eingespart wird.

Entsprechende Forschungsprojekte – Kopernikus P2X und Carbon2Chem – sollen unterschiedliche Möglichkeiten testen, wie man „E-Fuels“ aus CO2, Wasser und Erneuerbarem Strom herstellen kann oder wie sie aus Hüttengasen gewonnen werden können. Fest steht allerdings, auch wenn es eine Binsenweisheit ist: Die Erneuerbaren müssen wesentlich schneller ausgebaut werden als bisher.

Dr. Gerhard Hofmann leitet die Agentur Zukunft - Büro für Nachhaltigkeitsfragen.




Kommentare

Diskutieren Sie über diesen Artikel

Franz H. 22.08.2017, 10:20:47

+246 Gut Antworten

Und wieder ein schlecht recherchierter Artikel, der völlig kritiklos genau die Studien übernimmt, die gegen die Elektromobilität geschrieben wurden.

 

Ich bin sehr gespannt, wann die Medien und ihre Journalisten endlich die REALITÄT wiedergeben, die hinreichend bekannt sein sollte.

 

ALLE öffentlichen Ladesäulen in Deutschland und wohl auch europaweit werden NICHT mit fossilem, sondern mit ÖKOSTROM betrieben. Damit sind sämtliche Aussagen dazu wertlos. Auch bei den privaten Ladeanschlüssen hatten laut Bundesverband Elektromobilität bereits vor 4 Jahren etwa 65 % aller Elektrofahrer bereits Ökostrom - mit steigender Tendenz.

 

Und zu den Batterien (für Elektroautos): TESLA stellt seine Batterien selbst her, ebenfalls mit Ökostrom. Die Gigafactory wird im Endausbau mehr Batterien herstellen - für Elektroautos - als alle anderen Batteriefabriken der Welt zusammen.

 

Mag sein, dass China die meisten Batterien herstellt, aber es geht hier nicht um die Batterien bzw. Akkus für Smartphones!

 

BITTE nicht Äpfel mit Birnen vergleichen!

Eitel Heck 22.08.2017, 12:07:37

+252 Gut Antworten

Die Bewertung der Elektroautos mit Li-Ionen-Batterien ist richtig dargestellt.

Diese E-Autos benötigen Lithium, Kupfer, Nickel, Mangan und Kobalt, deren Herstellung in der Klimabilanz berücksichtigt werden muss.

Die Förderung der weltweit größten Li-Vorkommen in einer Wüstenregion in Chile erfolgt mit großen Mengen Wasser, das zur Versorgung der Bevölkerung der Bevölkerung Mangelware ist. Die Lithiumgewinnung über das Lithiumkarbonat ist energieintensiv mit CO2-Emission.

Bei einem Elektroauto mit 70 kW werden 63 kg Kupfer benötigt. Bei den angestrebten 1,0 Mio Elektoautos bedeutet das 63.000 to Kupfer.

Ausgangsprodukt zur Kupferherstellung sind Kupferkies mit 2% Kupfergehalt.Zur Herstellung von reinem Kupfer sind mehrere energieintensive und umweltbelastente( SO2, CO2 u.a.) Verfahrenstufen notwendig.

Ähnlich energieintensiv und umweltbelastend ist die Herstellung von Nickel, Kobalt und Mangan.

Bei der grünen Energiewende wird oft bei der Bewertung der Klimaziele die Rohstoffkette, die vielfach in anderen Ländern erfolgt, ausgeblendet.

Selbstverständlich entsteht bei Oxymethylenether als synthetischer Kraftstoff auch CO2- Emission, die gegenüber fossilen Kraftstoffen aber geringer ist.

Völlig CO2-emissionsfrei sind:

-Kraftfahrzeuge mit Wasserstoff-Brennstoffzellen( Toyota Mirai)

-Kraftfahrzeuge mit Hydrazin-Brennstoffzellen, die noch in das grüne Gedankengut Einzug finden müssen und gefördert werden sollten.

Vorteile der Hydrazin-Brennstoffzelle gegenüber Elektroautos:

-keine umweltbeeinflussende Rohstoffe( Lithium, Kupfer, Nickel, Kobalt, Mangan),

-niedrige Produktionskosten,

-schnelle Auftankung,

-keine Explosionsgefahr, die bei Li-Ionen-Batterien besteht,

-gut einzuordnen in die Infrastruktur.

Thomas Blöthe 23.08.2017, 13:22:24

+238 Gut Antworten

Und die Wirtschaftswoche schriebt zu diesem Thema genau das Gegenteil.

http://www.wiwo.de/unternehmen/auto/oeko-bilanz-von-e-autos-umweltluege-elektroauto-von-wegen/v_detail_tab_print/20178504.html

 

Aber wieso ist es ok, wenn DesignerFuel aus erneuerbarem Strom gewonnen wird, und die verglichenen E-Autos mit fossilem Strom fahren??

Eitel Heck 26.08.2017, 15:01:05

+247 Gut Antworten

zu Thomas Blöthe:

Den genannten Artikel in der Wirtschaftswoche habe ich gelesen.

Er stellt nicht das Gegenteil zur Meinung der Woche dar.

Richtig ist, wenn die Meinung der Woche auf Rohstoffe für E-Autos hinweist, die energieintensiv und umweltbelastend hergestellt werden müssen( Lithium, Kuppfer, Mangan, Kobalt, Nickel).

Die Meinung der Woche verweist auf einen synthetischen Kraftstoff(Oxymethylenether), herstellbar aus Elektrolysewasserstoff mit überschüssigem Windstrom und Kohlendioxid. Eine durchaus gute Idee.

Neben E-Autos mit Lithium-Ionen-Batterien gibt es andere Entwicklungen für E-Autos, die vielversprechend sind:

-Elektroauto Sion mit Solarbatterie,

-E-Auto Quantino mit Redox Flow Batterie,

-E-Auto mit Flashbattery-Technologie ( Rohstoffbasis Nanomaterialien),

Mit meinem Kommentar stelle ich die Hydrazin-Brennstoffzelle für Kraftfahrzeuge vor, die möglicherweise dem Großteil der Bevölkerung unbekannt ist.

Vorteile:

-ohne CO2-Emission,

-schnelle Auftankung wie bei fossilen Kraftstoffen,

-niedrige Produktionskosten,

-keine Explosionsgefahr, die bei Lithium-Ionen-Batterien besteht,

-gut einordenbar in die Infrastruktur,

-die gegenwärtigen Verbrennungsmotoren können mit geringen Veränderungen auch für Hydrazin als Kraftstoff eingesetzt werden.

Der noch zu fördernder Dual Fluid Kernreaktor ist in der Lage, die Stromproduktion mit der Hydrazinproduktion zu koppeln.

So eine Sektorenkopplung ist für Deutschland Neuland.

Zu diesem Kernreaktor gab es in diesem Portal ziemlich aggresive Gegenkommentare.

Das ist aber aus europäischer Sicht kein Problem, denn Polen mit ingenieurtechnisch gut ausgebildeten Entscheidungsträgern will diesen effizienten Kernreaktor bauen.


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