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Meinung der Woche
02. September 2019

Ein Frei-Tag fürs Klima

Seit Monaten streiken die Schüler*innen von Fridays for Future jeden Freitag fürs Klima. Sie setzen die Politik unter Zugzwang. Am 20. September will die Regierung ihre neue Klimapolitik vorstellen. Für diesen Tag ruft Fridays for Future zum ersten Mal auch Erwachsene zum Klimastreik auf.

Lara Eckstein, Klima-Campaignerin bei Campact

Lara Eckstein, Klima-Campaignerin bei Campact
Lara Eckstein, Klima-Campaignerin bei Campact
Foto: © Uwe Hiksch

02.09.2019 – „Der Klimastreik ist für alle gedacht, weil es nicht ausreicht, dass nur die junge Generation auf die Straße geht”, sagt Carla Reemtsma von Fridays for Future. Deshalb wenden die Schüler*innen sich jetzt erstmals an uns Erwachsene: Wir alle sind aufgerufen, am Freitag, den 20. September, unseren Alltag zu unterbrechen für den größten Klimastreik aller Zeiten.

Es ist ein mutiger Aufruf der Schüler*innen – und einer, in dem Verzweiflung mitschwingt. Seit neun Monaten gehen Tausende junger Menschen im ganzen Land freitags auf die Straße. Sie sind Teil einer weltweiten Bewegung: Von Afghanistan bis Uruguay streiken Kinder und Jugendliche fürs Klima. Sie opfern ihre Lernzeit und ihre Freizeit, weil sie nicht zusehen wollen, wie die Politik ihre Zukunft verfeuert. Doch die Bundesregierung liefert bisher nur warme Worte und heiße Luft. „Alleine schaffen wir es nicht, das Klima zu retten“, sagte Carla Reemtsma.

Am 20. September kommt das Klimakabinett zur entscheidenden Sitzung zusammen. Es geht um die neue Klimapolitik der Bundesregierung. Das Ziel ist klar: 55 Prozent weniger Treibhausgase soll Deutschland bis 2030 ausstoßen. Konkrete Maßnahmen für den Weg dorthin gibt es bisher aber nicht. Im Gegenteil: Die Energiewende wird ausgebremst. Kohlekraftwerke laufen weiter – kein einziges Gigawatt ist vom Netz gegangen, seit die Kohlekommission vor einem halben Jahr ihren Ausstiegsplan vorgelegt hat. In den Sektoren Verkehr, Wärme und Landwirtschaft gibt es noch weniger Bewegung beim Klimaschutz.

Zwar hat Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) ein Klima-Konzept mit festen Reduktionszielen für Treibhausgase in allen Sektoren auf den Tisch gelegt. Doch dafür bekommt sie vom Koalitionspartner keine Unterstützung. Was CDU und CSU stattdessen vorschlagen, sind plumpe Ablenkungsmanöver: ein bisschen Rabatt auf Bahnfahrten, ein Belohnungsgeld für alle, die Bäume pflanzen, und einen Emissionshandel, der erst in Jahren eingeführt werden kann. Das Kalkül dahinter: So soll am 20. September die Klima-Debatte vom Tisch geräumt werden, ohne dass wir bei Energie-, Verkehrs- und Agrarwende auch nur einen Schritt weiterkommen. Es liegt jetzt auch an uns Erwachsenen, der Regierung deutlich zu machen, dass wir sie damit nicht durchkommen lassen.

Ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis von Klima-, Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen und sozialen Bewegungen ruft dazu auf, sich dem Klimastreik anzuschließen – ebenso Kirchen, Gewerkschaften und Unternehmen. Niemand muss dabei den Arbeitsplatz gefährden: Die Demo-Teilnahme kann als Betriebsausflug organisiert werden oder an einem Urlaubstag, beim Abfeiern von Überstunden oder in der verlängerten Mittagspause stattfinden. Wichtig ist zu zeigen, auf welcher Seite wir stehen.

Nicht nur in Deutschland wird protestiert. Greta Thunberg hat zu weltweiten Klimastreiks rund um den UN-Sondergipfel in New York aufgerufen. Hunderttausende auf der ganzen Welt werden sich beteiligen. Durch die Schüler*innen von Fridays for Future hat die Klimakrise endlich die politische Bedeutung bekommen, die sie verdient. Damit jetzt Maßnahmen für wirksamen Klimaschutz folgen, braucht es uns alle.

Am 20. September heißt es: Alle gemeinsam fürs Klima auf die Straße!

Weitere Infos:

Website des zivilgesellschaftlichen Bündnisses für den Klimastreik

Website von Fridays for Future




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