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Meinung der Woche
12. März 2018

Energie aus Meereswellen: Pioniere gesucht!

Neben Sonne und Wind fristet die Wellenenergie seit Jahren ein Schattendasein. Zu Unrecht, birgt sie doch ein enormes weltweites Potential. Einige mutige Pioniere sind auf einem guten Weg, das endlich zu ändern.

Philipp Sinn, Gründer und Geschäftsführer von SINN Power

Philipp Sinn, Gründer und Geschäftsführer von SINN Power
Foto: © SINN Power

12.03.2018 – Mehr Erneuerbare Energien – das wünschen sich angesichts des drohenden Klimawandels immer mehr Menschen auf der ganzen Welt. Wir möchten „grünen Strom“ haben und die Treibhausgase aus der Verbrennung von fossilen Brennstoffen minimieren. Wie dieses Ziel erreicht werden soll, ist vermeintlich klar: Natürlich mit Hilfe von Wind- und Solarenergie! Doch Energie ist in so vielfältiger Form auf unserer Erde verfügbar. Um eine technisch und wirtschaftlich tragfähige grüne Stromversorgung zu erreichen, sollten wir alle Varianten mit einbeziehen.

Wellenenergie – was ist das eigentlich?

Mit Sicherheit haben Sie schon einmal etwas von Wasserkraftwerken gehört. Dabei wird das Wasser in den Bergen angestaut und durch Turbinen fallen gelassen, wodurch Strom entsteht. Auch Gezeitenkraftwerke funktionieren nach einem ähnlichen Prinzip, bei dem das langsam hin und her fließende Wasser Turbinen durchströmt und antreibt. Doch sagt Ihnen der Begriff der Wellenenergie etwas?

Falls Sie jetzt den Kopf schütteln, sind sie damit nicht allein. Es ist leider noch kaum bekannt, dass die Wellen auf unseren Ozeanen, die immerhin 71 Prozent der Erdoberfläche einnehmen, ein enormes Energiepotential bergen. Gleichzeitig leben mehr als 60 Prozent der weltweiten Bevölkerung weniger als 80 Kilometer von einer Küste entfernt. Es könnte also theoretisch ein Großteil der Menschheit mit Energie durch Meereswellen versorgt werden. Denn das Energiepotential ist da, es muss nur noch nutzbar gemacht werden.

Vorteile der Energie aus dem Meer

Die Energie, die in den Wellen steckt, kommt aus diversen Windgebieten auf einer Meeresfläche. Der Wind fegt über die Wasseroberfläche und erzeugt dabei ein kleines Kräuseln, das sich über die Weite der Ozeane durch immer neue Winde zu immer höheren Wellenbergen steigert. Die so gesammelte Energiemenge ist enorm – eine Bündelung der Windenergie zusammenhängender Meeresflächen – und das Besondere an ihr ist: Sie kann über Tausende von Kilometern hinweg transportiert werden, ohne dass sie verloren geht.

Neben ihrer hohen Energiedichte bieten Meereswellen noch einen zentralen Vorteil im Vergleich zu Sonne oder Wind: Wellenenergie ist grundlastfähig, das bedeutet, dass die Energie der Meere eine dauerhafte und zuverlässige Energiequelle darstellen kann. Solarenergie hat dahingehend einen entscheidenden Nachteil: Sie kann nur tagsüber generiert werden, wodurch ein enormes Speicherproblem entsteht. In unserer Gesellschaft benötigen wir immer und überall Elektrizität, die uns Solar- oder Windenergie nicht ohne Weiteres bereitstellen kann.

Enormes Potential – doch schwer zu erschließen

Doch warum wird die Wellenenergie als so vielversprechende erneuerbare Energieform nicht ausreichend genutzt? Vielleicht liegt es an dem Mangel an Pionieren, die die Innovationskraft besitzen, eine so neue regenerative Energieform voranzubringen. Bisher gibt es nur wenige Unternehmen, die sich dieser Herausforderung mit dem nötigen Nachdruck annehmen wie die Pioniere der Wind- und Solarenergie vor 50 Jahren.

Wie bereits das Scheitern einiger Projektansätze in der Vergangenheit gezeigt hat, ist es eine echte Herausforderung, Strom aus Meereswellen zu erzeugen. Es gilt, eine Technologie zu entwickeln, die unter schwierigen Umweltbedingungen wie Salzwasser und Stürmen funktioniert – und dabei Strom zu einem Preis erzeugt, der mit den gängigen regenerativen Energien konkurrieren kann. Des Weiteren ist es essentiell, dass das System so wartungsfrei wie möglich und leicht zu transportieren ist. Denn oft wird Wellenenergie dort am dringendsten benötigt, wo es wenig Alternativen gibt: Viele Küsten und Inseln haben bis heute noch keine Stromversorgung oder nutzen äußerst umweltschädliche Dieselaggregate.

Gesucht: Pioniere mit frischen Ansätzen!

Auch wenn die Hürde also hoch hängt: Einige junge Unternehmen legen großen Ehrgeiz dabei an den Tag, sie mit den Möglichkeiten der heute verfügbaren Technologien zu überwinden. Zu den weltweiten Innovationsführern zählen momentan neben einigen US-amerikanischen und britischen Forschungsprojekten insbesondere die finnische Firma AW Energy und das deutsche Startup SINN Power. Auch wenn beide im Grundprinzip sehr verschiedene Technologieansätze verfolgen, tun sie dies auf ihre Weise mit Erfolg: Beide Unternehmen konnten bereits funktionierende Prototypen im Meer platzieren und stehen kurz vor dem Markteintritt.

So bin ich mir äußerst sicher, dass die Wellenenergie das Potential hat, schon bald eine neue Phase der Energieversorgung einzuleiten. Wie früher bei den Pionieren der Sonnen- und Windenergie liegt es heute an den Innovatoren – unterstützt durch entschlossene politische Akteure und zukunftsorientierte Investoren – der Wellenenergie ihren verdienten Platz im weltweiten Portfolio der Erneuerbaren Energien zu verschaffen.

Dr.-Ing. Philipp Sinn ist Gründer und Geschäftsführer von SINN Power. Das bayerische Startup entwickelt ein modulares Wellenkraftwerk, dessen neueste Generation im Sommer 2018 auf Kreta getestet wird.




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