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Meinung der Woche
16. Juni 2014

Energieautarkie – Vision oder Realität?

Die Bürger-Energiewende hat viele Facetten und muss sich auch von den neuen EEG-Plänen nicht unterkriegen lassen. Ein Hausmodell zeigt: Energieautark, bezahlbar und die Gesellschaft am Nutzen teilhaben lassen – das ist keine Vision, sondern Realität – und Vernetzung mal ganz anders.

Prof. Dipl.-Ing. Timo LeukefeldEnergieexperte und ArchitektDas Energieautarke Haus

Prof. Dipl.-Ing. Timo LeukefeldEnergieexperte und ArchitektDas Energieautarke Haus
Professor Timo Leukefeld ist Energieexperte und Architekt.
Professor Timo Leukefeld ist Energieexperte und Architekt.

16.06.2014 – In Freiberg/Sachsen gibt es zwei Einfamilienhäuser, die sich weitgehend selbst mit Wärme, Strom und Mobilität aus der Sonne versorgen. Solarthermie mit Langzeitwärmespeicher und Photovoltaik samt Elektrospeicher versorgen diese Häuser mit Energie und lassen sie zur Tankstelle werden. Eines der beiden Häuser bewohne ich selbst mit meiner Familie, im anderen wohnt der Solarexperte Stephan Riedel mit seiner Familie – ein Langzeitversuch, den wir vor über einem Jahr gestartet haben. Wir brauchen uns weder einzuschränken, noch zu sparen – intelligentes Verschwenden ohne schlechtes Gewissen.

Keine Robinson Lösung, sondern „Vernetzung“ – aber anders!
Für uns Bauherren und Energieexperten ist diese individuelle Autarkie nur lebbar, wenn wir langfristig den Nutzen teilen können. Innovative Lösungen vernetzen die autarken Gebäude. So haben alle etwas davon: Bewohner, Energieversorger und Gesellschaft.

Speicherplatz zum Nutzen der Allgemeinheit
Wir stellen dem regionalen Energieversorger den Elektroakku des Hauses sowie den des E-Mobils zur Verfügung. Den Energieversorgern kommt dies vor allem im Zusammenhang mit den häufig fluktuierend auftretenden Erneuerbaren Energien zugute: Ist das Energieaufkommen im Netz höher als der Verbrauch, kann Strom eingespeichert und bei entsprechendem Mangel entnommen werden. Dies dient zum einen der Stabilisierung des öffentlichen Stromnetzes. Zum anderen kann dies zu Gewinnen führen: Liegt ein Überschuss vor, sinken die Strompreise an der Börse. Der Strom kann in diesen Speichern zwischengelagert werden, bis der Strompreis, bei geringem Energieaufkommen, wieder ansteigt. Ähnlich verfahren die Bewohner mit dem Langzeitwärmespeicher: Dieser wird für einen ähnlichen Zweck den Stadtwerken zur Verfügung gestellt, die dort Stromüberschüsse als Wärme einlagern.

Neue dezentrale Geschäftsmodelle statt Subventionen
Diese Prinzipien sollen in einem nächsten Schritt zu einem echten Geschäftsmodell erweitert werden: Die Energieversorger legen einen Anteil des Gewinns, den sie durch die Einlagerung oder die Entnahme von Energie erwirtschaften, auf die Hauseigentümer, die in den Speicherplatz investieren, um. Statt über staatliche Subventionen, werden auf diese Weise echte Anreize geschaffen, sich bei der Entscheidung für ein Hausmodell in die allgemeine Versorgungslage aktiv mit einzubringen. 

Timo Leukefeld ist Energieexperte und Architekt. Mit dem Bau des „Energieautarken Hauses“ setzte er sein Konzept zum energieautarken Wohnen in die Praxis um. Seit 2011 hält Timo Leukefeld eine Honorarprofessur am Lehrstuhl Solarthermie an der Berufsakademie Sachsen, Staatliche Studienakademie Glauchau.




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