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Meinung der Woche
22. August 2016

Energiewende durchsetzen – Uranfabriken stoppen!

Für die Anti-Atomkraft-Bewegung gibt es noch viel Arbeit. Mitte August ging das AKW Grohnde wieder ans Netz. In Nordrhein-Westfalen drohen Castor-Atommüll-Transporte von Jülich nach Ahaus. Und mit Nuklearlieferungen aus NRW und Niedersachsen wird nicht nur der Betrieb hiesiger AKW forciert, sondern von AKW in aller Welt.

Udo BuchholzVorstandsmitglied und Pressereferent BBU

Udo BuchholzVorstandsmitglied und Pressereferent BBU

22.08.2016 – Die Liste der „strahlenden Baustellen“ erscheint unendlich und reicht bis zu den Uranabbaugebieten in Afrika, Australien, Kanada und anderswo.

Oft wird davon gesprochen, dass der Atomausstieg in der Bundesrepublik vollzogen sei. Doch noch immer sind Atomkraftwerke bei uns am Netz und in anderen Ländern sind Laufzeitbegrenzungen ein Fremdwort. Erst Ende 2022 sollen bei uns die letzten AKW stillgelegt werden – bis dahin besteht weiterhin die Gefahr von schweren Unfällen und es wird kontinuierlich Atommüll produziert, für den es kein Endlager gibt. Und es gibt im Bundesgebiet zwei Uranfabriken, für die es überhaupt keine Laufzeitbegrenzungen gibt.

Zu meiner Nachbarschaft gehört die bundesweit einzige Urananreicherungsanlage. Die Entfernung (Luftlinie) von meiner Wohnung zur Anlage beträgt etwa 1000 Meter. Sehen kann ich die Anlage von zu Hause aus nicht – ein Waldstück trennt die Anlage und mich. In Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern, die auf die „Verschandelung” der Landschaft durch Windkraftanlagen hinweisen frage ich stets: „Was ist Ihnen lieber? Sichtbare Windkraftanlagen oder eine eher „unsichtbare” Uranfabrik, die „unsichtbaren” Atommüll produziert und die das Ziel und der Abfahrtsort zahlreicher „unsichtbarer” Atomtransporte mit LKW und Sonderzügen ist?

2010 bisher schwerster Unfall in der Gronauer Uranfabrik

Diese Urananreicherungsanlage steht in Gronau, im Münsterland (NRW), im Dreiländereck zu den Niederlanden und zu Niedersachsen. In ihr wird Natururan für den späteren Einsatz in Atomkraftwerken vorbereitet. Die deutschen Anteile des Betreiberkonzerns Urenco werden von RWE und E.ON gehalten. Im Jahr 2010 hat sich in der Anlage der bisher schwerste Störfall ereignet: Ein Arbeiter wurde radioaktiv kontaminiert. Die Unfallursache ist kaum zu fassen: Der Arbeiter hat einen angeblich leeren Urancontainer geöffnet – und siehe da, er war nicht leer.

Die Stilllegung der Gronauer Uranfabrik ist trotz „Atomausstieg“ nicht besiegelt. Schon jetzt wird in der Anlage das Uran überwiegend für den Einsatz in internationalen Atomkraftwerken vorbereitet. Pro Jahr kann in Gronau nuklearer Brennstoff für 30 – 35 Atomreaktoren vorbereitet werden. Und nach der Stilllegung der deutschen AKW soll die Produktion in Gronau ausschließlich für AKW in aller Welt erfolgen.

Rund 30 Kilometer nördlich von Gronau steht in Lingen/Ems die zweite Uranfabrik, die unbefristet für den internationalen Markt arbeitet. Sie gehört zum AREVA-Konzern, der seine Heimat in Frankreich hat. Die niedersächsische Landesregierung und die Bundesregierung sehen bisher tatenlos zu, wie mit Brennstäben, die in Lingen produziert wurden, selbst heftig umstrittene „Schrottreaktoren“ beliefert werden.

Alle Umweltminister der Länder fordern die Stilllegung der Uranfabriken in Gronau und Lingen

Immerhin: Kürzlich haben alle Umweltminister der Bundesländer einstimmig von der Bundesregierung die Stilllegung der beiden Uranfabriken in Gronau und Lingen gefordert. Und in einem Rechtsgutachten, das im Auftrag der Ärzteorganisation IPPNW erstellt wurde, wird nachgewiesen, dass gerade die Exporte von Lingen zum Betrieb von Schrottreaktoren in Belgien und Frankreich unterbunden werden können. Das setzt natürlich entsprechenden politischen Willen voraus. Und daran mangelt es noch. Obwohl die umfassende Energiewende dringend notwendig ist, wird die Betriebszeit der nuklearen (aber auch der fossilen) Dinosaurier-Technologien wieder und wieder in die Länge gezogen.

Deutlich wird: Trotz aller Bemühungen zur Förderung der Energiewende sind weiterhin Bürger- und Bürgerinnenproteste gegen Atomkraftwerke und gegen Uranfabriken (im In- und Ausland) zwingend erforderlich. Ohne politischen Druck wird es schwierig, den wirklichen Atomausstieg zu beschleunigen bzw. zu vollenden. Und darum wird am 29. Oktober 2016 am Atomstandort Lingen eine überörtliche Demonstration der Anti-Atomkraft-Bewegung stattfinden, die sich gezielt auch gegen die beiden Uranfabriken in Gronau und Lingen richtet. (In Lingen ist auch noch das Atomkraftwerk Emsland am Netz und daneben steht eine Atommüll-Halle). Organisiert wird die Aktion von einem Trägerkreis, zu dem neben Anti-Atomkraft-Initiativen auch die IPPNW sowie der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) gehören. Zahlreiche weitere Initiativen und Organisationen haben sich dem Demonstrationsaufruf bereits angeschlossen, darunter auch Parteigliederungen und Ökostromer.

Am 29. Oktober in Lingen gemeinsam für einen echten Atomausstieg demonstrieren

Es ist wichtig, in Lingen gemeinsam – auch zum Beispiel mit Aktionsgruppen gegen Kohlekraftwerke und Kohleabbau sowie auch mit Bürgerinitiativen gegen Fracking– ein deutliches Zeichen zu setzen. Und natürlich sind bei der Demonstration auch ebenso örtliche Energiewendegruppen und überregional aktive Fachverbände der Erneuerbaren Energien willkommen. Schließlich haben es die einzelnen Bewegungen gegen die energiepolitisch verfehlten Großprojekte oft mit denselben industriefreundlichen Regierungen und Energiekonzernen zu tun. Sie sollten immer wieder kooperierend und mit Nachdruck in Erscheinung treten und sich zu Wort melden.

Informationen zur Demonstration in Lingen 

Udo Buchholz engagiert sich seit 1980 u. a. gegen Atomkraftwerke und Atomanlagen. Er ist Vorstandsmitglied und Pressereferent des BBU und ist Mitorganisator der Demonstration in Lingen am 29. Oktober.

Der BBU ist der Dachverband zahlreicher Bürgerinitiativen, Umweltverbände und Einzelmitglieder. Er wurde 1972 gegründet und hat seinen Sitz in Bonn. Weitere Umweltgruppen, Aktionsbündnisse und engagierte Privatpersonen sind aufgerufen, dem BBU beizutreten um die themenübergreifende Vernetzung der Umweltschutzbewegung zu verstärken.

Der BBU engagiert sich u. a. für menschen- und umweltfreundliche Verkehrskonzepte, für den sofortigen und weltweiten Atomausstieg, gegen die gefährliche CO2-Endlagerung, gegen Fracking und für umweltfreundliche Energiequellen. Informationen über den BBU und seine Aktivitäten gibt es im Internet unter www.bbu-online.de; telefonisch unter 0228-214032. Die Facebook-Adresse lautet www.facebook.com/BBU72. Postanschrift: BBU, Prinz-Albert-Str. 55, 53113 Bonn.




Kommentare

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Max Strahlemann 31.08.2016, 04:13:20

+105 Gut Antworten

Die Panikmache vor Atomkraft ist vollkommen irreal. Jedes Jahr sterben in Deutchland viel mehr Menschen durch Dinge wie Sonnenstrahlung, Dieselabgase, Handystrahlung, Alkohol, Rauchen, Bewegungsmangel und ungesundem Essen als jemals durch Atomkraft. Wer Angst vor Atomkraft hat, sollte sich am besten in einem Bunker einschliessen. Die Verseuchung unserer Umwelt durch Infraschall von Windkraftanlagen ist schlimmer als Tschernobyl. Ich würde lieber an einer Uranfabrik als an einem Windpark wohnen und beziehe meinen Strom von einem Anbieter, der 100% Atomstrom verspricht.


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