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Meinung der Woche
18. März 2019

Energiewende – unsere Überzeugungsaufgabe

Die Energiewende ist nicht eine von vielen Optionen, dem Klimawandel entgegenzuwirken. Sie ist die Option. Und das Gute ist, sie muss nicht erst initiiert werden, sie ist in vollem Gange. Doch wir müssen den Weg weiter gehen, sonst verlieren wir den technologischen Anschluss, den wirtschaftlichen Erfolg und damit die Grundlage unserer sozialen Marktwirtschaft.

Robert Brandt, Geschäftsführer bei der Agentur für Erneuerbare Energien

Robert Brandt, Geschäftsführer bei der Agentur für Erneuerbare Energien
Robert Brandt
Foto: © AEE

18.03.2019 – Der Großteil der Weltbevölkerung hat sich 2015 in Paris darauf geeinigt, die durch CO2-Emissionen bedingte Erderwärmung auf 1,5 bis 2 Grad zu beschränken. Ende des vergangenen Jahres wurden in Kattowitz die Instrumente für diese wichtige Aufgabe festgelegt. Viele Länder entwickeln ihre eigenen Klima- und Energiewende-Strategien. Wirtschaftsverbände zeichnen hierfür Pfade und Szenarien auf. Auch Deutschland reiht sich ein. Zu Beginn des neuen Jahres wurde ein Weg definiert, bis spätestens 2038 neben der Atomenergie auch aus der Kohleverstromung auszusteigen. Selbst ein Preis für CO2-Emissionen rückt immer stärker in den Fokus der öffentlichen Debatte. Viele Anlässe für Hoffnung.

Auch wenn es noch nicht schnell genug geht, sind wir auf dem richtigen Weg. Doch es ist vor allem eine gemeinsame Reise. Eine Reise, die von den Erneuerbaren Energien geebnet und getragen wird: Windräder, Photovoltaikanlagen, Geothermie, Wasserkraft und Bioenergie können in Kombination und intelligent mit Speichern auf einen angepassten Verbrauch abgestimmt eine sichere Stromversorgung bieten. Wärmepumpen, Pelletheizungen, Solarthermieanlagen und Biogas halten unsere Gebäude warm. Biokraftstoffe, Elektromobilität und künftig erneuerbarer Wasserstoff bieten uns auch über längere Strecken Mobilität. Die Technologien gibt es bereits – nachhaltig und wettbewerbsfähig – oder können mittelfristig zur Marktreife gebracht werden.

Das ist entscheidend für die Energiewende sowie den Klima- und Umweltschutz. Energiesparen hilft uns zwar, unserem gemeinsamen Ziel näherzukommen, aber wir werden künftig noch mehr Energie benötigen als bisher. Dabei geht es eben nicht nur darum, Licht ins Dunkel zu bringen, neue Produkte zu produzieren, Wärme zu erzeugen und mobil zu bleiben. Vielmehr fordert allein die voranschreitende Digitalisierung in Industrie, Lehre, in der Mobilität und im Privaten einen Energiehunger zutage, den es zu stillen gilt, wenn wir uns weiter vernetzen wollen.

Die Erneuerbaren Energien können dies leisten und sie bringen darüber hinaus Innovationen und viele positive soziale Auswirkungen auf unsere Gesellschaft mit sich. Sie bieten Chancen für jeden, in der Stadt wie auch auf dem Land. Die Chancen, Regionen zu entwickeln und auch stärker unsere eigene, lokale Energie zu produzieren, sich mit anderen an gemeinsamen Projekten zu beteiligen, neue Geschäftsmodelle zu erarbeiten oder sich beispielsweise im Rahmen von Mieterstrommodellen vom zu erwartenden Kostenanstieg zu entkoppeln. Sie bieten uns die Chance, künftigen Generationen eine lebenswerte Erde zu hinterlassen.

Viele Bürger*innen und Kommunen sehen und nutzen diese Chancen bereits. Die Agentur für Erneuerbare Energien erzählt seit über zehn Jahren ihre Geschichten und steht ihnen mit Rat und Tat zur Seite, um für die Energiewende und den Ausbau Erneuerbaren zu begeistern. Wir verstehen uns in diesem Rahmen als Brücke zwischen politischen sowie wirtschaftlichen Entscheidern, Energie-Unternehmen und den Bürgern – denn Erneuerbare Energien schaffen mehr Wert für Alle.

Entsprechend wichtig ist der Ausbau der Erneuerbaren Energien. Zwar ist in den vergangenen 15 Jahren bereits viel passiert, doch die Dringlichkeit eines Updates unseres Energiesystems wird immer augenscheinlicher. Vor dem Klimagipfel in Kattowitz hatten lediglich 16 der 197 Länder, die das Klimaabkommen von Paris unterschrieben haben, für sich einen entsprechenden nationalen Klimaschutzplan definiert. Und spätestens seit ein paar Wochen erinnert uns jeden Freitag die Jugend daran, dass wir ihre Zukunft nicht verspielen dürfen, Interessenskonflikte auflösen und die Energiewende wieder zu einem breiten Gesellschafts- und Generationenprojekt machen müssen.

Die Energiewende steckt zwar nicht in den Kinderschuhen. Sie basiert nicht auf wenigen Großkraftwerken und Stromleitungen, sondern tritt stärker in unser Leben. In Form von Windrädern oder zusätzlichen Netzen, die in unser Landschaftsbild eingreifen und in Form diverser Beteiligungsmodelle, die verstanden werden müssen, bevor sie Vorteile liefern. Aber, wenn wir unseren Planeten und damit die Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder schützen wollen, müssen wir noch mutiger auf die Erneuerbaren Energien setzen. Deshalb wollen wir als Agentur nicht einfach nur Akzeptanz, wir wollen und können überzeugen. Ohne ein Voranschreiten der Erneuerbaren Energien, droht unsere Wirtschaft - und mit ihr auch viele Teile unserer Gesellschaft - abgehängt zu werden. Doch nicht nur das. Unsere Kindeskinder werden nicht mehr auf Rügen oder auf den nordfriesischen Inseln Urlaub machen können. Diese Inseln verschwinden im Zuge des Klimawandels genauso wie andere Lebensräume überall in der Welt. Sie verschwinden oder werden so lebensfeindlich, dass sich die Menschen ein neues Zuhause suchen müssen, um ihre Kinder ernähren zu können. Das wollen wir nicht!

Natürlich werden wir nicht morgen die Auswirkungen des Klimawandels in vollem Ausmaß spüren, dafür ist es für viele noch zu abstrakt. Doch die ersten Anzeichen sehen wir mit jedem schrumpfenden Gletscher, jedem Zentimeter ansteigenden Meeresspiegels und Hitzewellen im Sommer. Es ist eine lange Reise. Die große Zeitspanne, in der sich der Klimawandel vollzieht, zeigt, die Verantwortung liegt nicht nur bei den jeweils für einen begrenzten Zeitraum gewählten Regierungen. Vielmehr ist es ein gemeinsames Projekt, ein Projekt, dass wir als Agentur für Erneuerbare Energien begleiten und unterstützen.

Robert Brandt ist seit Januar neuer Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien. Außerdem ist der studierte Betriebswirt seit 2012 am Forschungszentrum für Umweltpolitik (FFU) im Rahmen der Helmholtz-Allianz „Zukünftige Infrastrukturen der Energieversorgung. Auf dem Weg zur Nachhaltigkeit und Sozialverträglichkeit” beschäftigt.




Kommentare

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Denkender Bürger 18.03.2019, 09:45:04

Leider wurden im Artikel zwei wichtige Faktoren nicht genannt:

Die Steigerung der Energie-Effizienz - sprich: Die Erhöhung des Wirkungsgrades von Maschinen und Geräten.

Denn nur nicht verbrauchte Energie ist wirklich gesparte Energie.

Der zweite wichtige Faktor der nicht genannt wurde ist eine nachhaltige Verkehrswende.

Vor allem im Güterverkehr ist dort ein enormes Potential. Güter gehören nun mal auf die Schiene oder wo es möglich ist aufs Binnenschiff und nicht auf die Straße. Der LKW ist da nur Zubringer oder regionales Transportmittel.

Leider geht das in der ganzen Diskussion immer wieder unter.

Und wenn das alles zu einem vernünftigen Gesamtpaket verschnürt wird, dann lapps auch mit der Enegriewende und dem Klimaschutz, ohne das sich jemand in größerem Umfang einschränken oder benachteiligt fühlen muß.


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