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Meinung der Woche
23. März 2015

Große Energieversorger noch lange nicht auf Energiewende-Kurs

Mitte März haben E.on und RWE ihre Geschäftszahlen veröffentlicht: Das Ergebnis ist katastrophal – beide Energiekonzerne verbuchen Milliardenverluste. RWE sieht sich im „Tal der Tränen“, Experten gehen davon aus, dass ein Ende der Krise der großen Energieversorger noch lange nicht in Sicht ist.

Dr. Christiane Averbeck, Geschäftsführerin Klima-Allianz Deutschland

Dr. Christiane Averbeck, Geschäftsführerin Klima-Allianz Deutschland
Dr. Christiane Averbeck ist Geschäftsführerin der Klima-Allianz Deutschland.
Foto: Klima-Allianz

23.03.2015 – Die Verluste sind für die Energieversorger ein herber Schlag. Klar ist aber auch, dass die vier Großen die Energiewende verschlafen und viel zu lange auf Kohle und Atom gesetzt haben. Das gilt insbesondere für RWE: Statt „voRWEgzugehen“ hat der Energieversorger in den letzten Jahren Rückschritte gemacht. Der Anteil der Kraftwerksleistung aus Kohle stieg seit 2010 von 63 auf 73 Prozent, während sich der Beitrag von erneuerbaren Energien auf einen verschwindenden Anteil von einem halben Prozent reduziert hat. Man kann nur den Kopf schütteln, dass ungeachtet der Beschlüsse zum Klimaschutz RWEs Strommix immer dreckiger wird und erneuerbare Energien vom Konzern anscheinend völlig ignoriert werden. Insgesamt hat RWE in den letzten vier Jahren in Kohlekraftwerke mit einer Leistung von insgesamt rund 4.000 Megawatt investiert. Dies kommt nicht nur dem Klima teuer zu stehen: Auch wirtschaftlich war der Neubau für die Konzerne vielfach ein Desaster. Investitionsruinen wie Datteln oder Hamm-Uentrop haben E.on und RWE Milliarden Euro gekostet, ohne dass sich die Ausgaben jemals rentieren werden.

So gibt Greenpeace in einer aktuellen Studie den Energieversogern zu Recht eine Mitschuld an der Krise. Die Konzerne haben zu lange gehofft, dass die schwarz-gelbe Regierung die Laufzeiten für Atomkraftwerke verlängert. Statt auf erneuerbare Energien umzusteigen, haben sie geglaubt, mit dem alten Geschäftsmodell weiter Gewinne einzuspielen. Dabei haben sie immer größere Marktanteile verloren. Heute spielen sie bei den erneuerbaren Energien kaum eine Rolle und die Stadtwerke haben sich für die Großen zu einer ernsthaften Konkurrenz entwickelt.

Um weitere Verluste zu vermeiden, sollte sich die Energiewirtschaft deshalb schon heute auf den nächsten Umbruch einstellen: In den nächsten Jahren muss Kohlekraftwerksleistung entschieden zurückgefahren werden, damit Deutschland seine Klimaziele einhalten kann. Allein der Energiesektor muss bis 2020 weitere 93 Megatonnen CO2 einsparen. Die Stromerzeugung mit Kohle ist ganz klar ein Auslaufmodell und wird spätestens 2040 ganz enden müssen.

Jeder muss wissen: Wer heute weiter auf Kohle statt auf Energieeffizienz und Erneuerbare setzt, wird langfristig herbe Verluste einfahren.

Die Klima-Allianz ist ein Bündnis aus über 100 Organisationen, die sich angesichts der immensen Herausforderung, die der Klimawandel für Natur und Gesellschaft darstellt, zusammengeschlossen haben. Gemeinsam setzen sie sich dafür ein, dass jetzt politische Rahmenbedingungen geschaffen werden, die eine drastische Senkung der Treibhausgase in Deutschland bewirken.




Kommentare

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Lutz Wedel 24.03.2015, 09:11:01

+162 Gut Antworten

Man könnte fast mit Häme sagen: Wer nicht hören will muss fühlen. Doch es steht zu befürchten, dass diese immensen Verluste irgendwann sozialisiert werden - d. h. auf uns Steuerzahler zurückfallen könnten - angesichts der Diskussion um die Kosten des Atommülls, der mit dem Rückbau der Atomkraftwerke anfallen.

 

Am eigenen Haushalt erleb ich derzeit, wie segensreich die selbst beschlossene konsequente Energiewende sich auswirkt. Dank Solarthermienutzung auch für die Heizung hat sich der Ölverbrauch auf ein Drittel reduziert. Die im Jahr 2013 installierte PV - Anlage mit Solarbatzterieeinheit hat zu einer 71 %igen Eigenstromversorgung geführt - übers Jahr gesehen, d. h. in den Monaten April bis fast Oktober lag ich bei einer über 95%igen Eigenstromversorgung; in den Monaten Dezember und Januar ist die Batterieeinheit im "Winterstatus" ( = "Winterschlaf).

 

In wieweit sich der Benzinverbrauch des erst seit einem Monat in Betrieb genommene Hybridfahrzeug verringern wird, das mit dem Strom vom eigenen Dach geladen werden kann lässt sich noch nicht genau sagen.

 

Aber schon jetzt ist es unbezahlbar, mit dem Gefühl, den eigenen Haushalt weitgehend ohne Netzstrom zu führen so faszinierend ist es, mit Solarstrom durch die Gegend zu fahren - das erhöht die Wirtschaftlichkeit der PV - Anlage ungemein nicht nur monetär. .

 

Weshalb ist solche Denke etwas nicht auch bei den großen Energieversorgungsunternehmen verbreitet?

Energiewender 25.03.2015, 12:48:29

+173 Gut Antworten

Lieber Lutz Wendel, solche Denke haben RWEon nicht, da sie Emotionen und Verantwortungsbewusstsein benötigt. Das sind keine Pflichtmodule im BWL-Studium und erst recht keine Unternehmensziele von börsennotierten Großkonzernen.


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