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Meinung der Woche
23. Mai 2016

Höchste Zeit für Nachhaltigkeit im Onlinehandel

Seit Anfang des Jahrhunderts wächst der Onlinehandel in Deutschland jährlich mindestens um 10-20%. 2015 lag der Anteil am deutschen Gesamthandel bereits bei 10%. Wenn ein immer größerer Anteil unserer Konsumgüter online gekauft und verschickt wird, hat das ökologische und soziale Auswirkungen für die gesamte Gesellschaft.

Felix WethGründer und VorstandFairmondo eG

Felix WethGründer und VorstandFairmondo eG
Felix Weth ist Gründer und Vorstandsmitglied von Fairmondo. (Foto: Fairmondo)
Felix Weth ist Gründer und Vorstandsmitglied von Fairmondo. (Foto: Fairmondo)

23.05.2016 – Nachhaltigkeit stand bei den meisten Akteuren im Onlinehandel bisher nicht im Vordergrund. Dieser Umstand wird nicht unbedingt dadurch begünstigt, dass 25% des gesamten deutschen Onlinehandels von einem einzigen amerikanischen Konzern kontrolliert wird. Umso weniger, als dass sich dieser Konzern in der Vergangenheit vor allem durch seine aggressive Wachstumsstrategie profiliert hat, und weniger durch seine Rücksicht auf die Menschen, die von seinen Aktivitäten betroffen sind. In den Medien wurden vor allem die zum Teil inakzeptablen Arbeitsbedingungen in Logistikzentren und Versandunternehmen beleuchtet, was zu einem relativ breiten Bewusstsein für diese Problematik geführt hat.

Doch die gesellschaftlichen Kosten, die durch die aktuell dominierenden Unternehmen im Onlinehandel entstehen, haben noch weitere Dimensionen. Ein Grundsatzproblem ist, dass in der Branche stark zahlengetrieben operiert wird. Die weitgehende Messbarkeit der Umsatzwirkung von praktisch allen Aktivitäten im Unternehmen führt zu einem vermehrten Optimierungsdruck. In diesem Prozess kann es schnell dazu kommen, dass ein großer Teil der Kosten an die Gesellschaft bzw. die schwachen Teile der Lieferkette ausgelagert wird.

Steuerumgehung

Mittlerweile wird auch in den Medien vermehrt kritisiert, dass die großen Unternehmen im Onlinehandel (wie natürlich auch in anderen Branchen) ihren Beitrag zum Steueraufkommen durch aufwendige rechtliche Konstruktionen auf erstaunlich geringe Beträge reduzieren. Es kann zynisch anmuten, wenn gerade solche Unternehmen kaum Steuern zahlen, die durch den Versandhandel die öffentliche Infrastruktur besonders stark in Anspruch nehmen. Auch wenn der besagte amerikanische Branchenriese sich Mitte 2015 dazu durchgerungen hat, die Steuern für seine deutschen Gewinne in Deutschland zu bezahlen, besteht ein guter Teil von Steuervermeidungsstrategien eben darin, in „Hochsteuerländern“ möglichst wenig steuerrelevante Gewinne zu machen.

Ein anderer Aspekt ist der durch Steuerumgehung erlangte Wettbewerbsvorteil gegenüber kleinen und mittelständischen Unternehmen, die sich die dafür notwendigen aufwendigen Rechtskonstrukte nicht leisten können oder wollen. Das trägt dazu bei, dass sich gerade diejenigen Unternehmen im Wettbewerb besser durchsetzen können, die weniger zur Gesellschaft beitragen.

Umweltbelastung

Versandhandel bedeutet, dass Produkte durchs Land geschickt werden. Da gerade die Auslieferung zum Endkunden meist durch Kleintransporter geschieht, kann das den ökologischen Fußabdruck erheblich erhöhen. Dazu kommt die Marketingstrategie vieler großer Onlinehändler, sich bei den Kunden durch eine komfortable Retourenpolitik beliebt zu machen. Retouren bedeuten vervielfachte Transportwege, oft neue Verpackungen und Reinigungsaufwand und in nicht wenigen Fällen werden Produkte auch als unverkäuflich entsorgt.

Nicht zu unterschätzen sind auch die Marketingstrategien zur Steigerung des Konsums über die jeweiligen Shops und Plattformen, was zu verstärkter Produktion und damit mit vergrößerten ökologischen Kosten verbunden ist.

Verdrängung des lokalen Einzelhandels

Seit Langem beschweren sich lokale Buchläden und andere Ladengeschäfte über die Verdrängungskräfte aus dem Onlinehandel. Für nicht wenige ist das Verschwinden lokaler Läden aus Städten und Dörfern ein gesellschaftlich bedauernswerter kultureller Verlust. Oft gehen damit auch Orte verloren, in denen sich Nachbarn begegnen und austauschen. Zugleich verschwinden mit den verdrängten lokalen Läden auch Arbeitsplätze, die potentiell erfüllender und sozial interaktiver sind als die standardisierten Jobs in den Logistikzentren.

Abgesehen vom lokalen Handel fühlen sich auch kleine Onlinehändler, Verlage und kleine Produzenten durch die aggressiven Wachstumsstrategien der großen Onlineriesen unter Druck gesetzt.

Zeit für Alternativen

Natürlich ist nicht alles am Onlinehandel schlecht. Für einige ermöglicht er, Produkte kennenzulernen und zu nutzen, zu denen sie zuvor keinen oder nur schwierigen Zugang hatten. Für einige hilft er, ihre Einkäufe mit ihrem ausgelasteten Alltag zu vereinen. Im besten Fall kann er auch helfen, zu vergleichen und bewusste, informierte Kaufentscheidungen zu treffen. Und definitiv ist er weiterhin am Wachsen, wird also mehr und mehr genutzt.

Umso wichtiger ist es, den Onlinehandel intelligenter zu organisieren, so dass der gesellschaftliche und ökologische Schaden, den er momentan anrichtet, verringert und idealerweise ganz vermieden wird. Bei Fairmondo gehen wir davon aus, dass dafür andere Unternehmensformen notwendig sind, die die eingebauten Treiber wie z.B. die zahlengesteuerte Optimierung auf maximalen Umsatz bei minimalen Kosten überwinden. Zentral ist dafür eine Neugestaltung des Eigentums an den Unternehmen. Deshalb ist Fairmondo eine Genossenschaft, in der sowohl MitarbeiterInnen, als auch die AnbieterInnen und KäuferInnen auf dem Marktplatz beteiligt werden.

Eine Frage wird es sein, ob es gelingt, in den kommenden Jahren auch den lokalen Einzelhandel einzubeziehen und es den Läden zu ermöglichen, am Onlinehandel mitzuverdienen und dadurch ihr Geschäft aufrecht zu halten und zu verbessern. Durch eine geschicktere Organisation der Auslieferung von Produkten, in Zusammenarbeit mit den lokalen Läden, kann eine nachhaltigere Logistik entstehen. Und durch eine Demokratisierung und die Sicherstellung von Transparenz und Verantwortlichkeit bei den großen Plattformen, kann es möglich werden, die Vorteile des Onlinehandels zu nutzen, ohne die gesellschaftlichen Schäden weiter akzeptieren zu müssen.

Felix Weth ist Gründer und Vorstandsmitglied von Fairmondo. Die Genossenschaft will eine faire Alternative zu den Marktriesen im Online-Handel schaffen und hat dafür eine Crowdfunding-Kampagne gestartet.




Kommentare

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sebastian schwethelm 24.05.2016, 01:33:14

+158 Gut Antworten

solch einen schwachsinn liest man selten.die zukunft gehört gehört gehört klar dem online handel.kaufe selbst aus prinzip nur noch online,der lokale einzelhandel interesiert mich wenig.die ökologisches auswirken sind mir egal.fairmondo nein danke


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