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Meinung der Woche
16. Juni 2015

Just taste, no waste!

Die zunehmende Flut an Verpackungsmüll stellt ein Problem für unsere Umwelt dar. Zugeschüttet mit schädlichen Stoffen und Materialien, die noch Jahrhunderte auf der Erde verweilen, kann sie sich selbst nicht mehr retten. Jetzt liegt es an uns, Lebens- und Verhaltensweisen nachhaltig zu verändern.

Mustafa DemirtasGründer von ECO BrotboxInitiator Tiffin Projekt

Mustafa DemirtasGründer von ECO BrotboxInitiator Tiffin Projekt
Mustafa Demirtas, Gründer von ECO Brotbox und Initiator des Tiffin Projekts (Bild © ECO Brotbox)
Mustafa Demirtas, Gründer von ECO Brotbox und Initiator des Tiffin Projekts (Bild © ECO Brotbox)

16.06.2015 – Pasta in Plastikschalen, Pizza im Karton, Kebab in der Alufolie, Sushi im Kunststoff-Tray und weltweit jährlich mehrere Milliarden an Coffee-to-go Bechern: Relativ stabile Behältnisse sind zwar praktisch für den Konsumenten, da das Essen kurzzeitig frisch bleibt und nicht an das eigene Geschirr gedacht werden muss. Danach endet die Verpackung jedoch schnell im Müll. Und vor allem das Verpacken von kleinen Mengen weist einen hohen Materialverbrauch pro verpackter Einheit auf.

Take-Away Produkte werden zurzeit fast ausschließlich in Einwegverpackungen ausgegeben – sie bestehen aus Materialien die den Namen Polyamid, Polyethylen oder Polystyrol tragen. Allesamt Kunststoffe, die wir nicht wieder so schnell loswerden, wenn sie einmal produziert wurden.

Take-Away-Produkte produzieren allgemein mehr Müll und fördern gleichzeitig auch das unangemessene Abfallverhalten einzelner Bürger. Essen und Getränke werden mitgenommen, aufgegessen, ausgetrunken und dann möglichst schnell „entsorgt“ – und das nicht unbedingt in hierfür vorgesehenen Behältern. Straßen, Plätze oder Öffentliche Verkehrsmittel werden immer stärker mit Müll verschmutzt, was unter dem englischen Begriff „Littering“ zusammengefasst wird.

Den größten Anteil am Abfallaufkommen mit fast 45 Prozent (ca. 7,2 Millionen Tonnen) haben Verpackungen in Deutschland. In Europa verteilen sich 80 Prozent der gesamten Kunststoffproduktion auf sechs Massenkunststoffe: PET, PVC, Polypropylen, Polyethylen, Polystyrol und Polyurethan (Quelle: Stefan Zimmermann, Infografik Plastik Ahoi). Sie gelten als umweltschädlich, da sie als Wegwerfartikel viel Müll verursachen und nur unter bestimmten Bedingungen recycelbar sind bzw. dem Recyclingsystem zugeführt werden. 2010 blieben in Deutschland 16% der entsorgten Verpackungen gänzlich unverwertet, diese Statistik fiele deutlich schlechter aus, blieben die unlizenzierten Verpackungen unterfasst (Quelle: Umweltbundesamt).

Plastikmüll stellt aufgrund seiner Langlebigkeit von rund 450 Jahren eine Gefahr für Natur und Tier dar. Plastik wird von Straßen, Deponien und Transportwegen verweht und gelangt so in Bäche, Flüsse und schließlich in die Meere (Quelle: Stefan Zimmermann, Infografik Plastik Ahoi). Rund 10 Millionen Tonnen Müll gelangen nach Angaben des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) jedes Jahr in die Meere – und drei Viertel dieses Mülls besteht aus Kunststoffen.

Dieses Plastik ist ein ständig wachsendes Problem, kostet jedes Jahr zehntausenden Tieren das Leben und gefährdet auch uns Menschen. Nicht zuletzt können Mikropartikel und Plastik-Giftstoffe über Fische auch in die menschliche Nahrungskette gelangen. Mikroplastikpartikel können sogar in die Luft gelangen und werden dann eingeatmet. Zudem nehmen wir Mikroplastikartikel durch unser Trinkwasser auf, denn unsere Kläranlagen sind mit diesen winzigen Partikeln überfordert, wie das Alfred-Wegener-Institut in einer Studie herausgefunden hat.

Zudem werden sie aus knappen fossilen Rohstoffen wie Erdöl hergestellt. Für die Produktion von 1 kg Plastikverpackungen, wie z.B. Polyethylen beschichtet Lebensmittelverpackungen, benötigt man mehr als 1 kg Erdöl. Die Nutzung von Ressourcen ist eine wesentliche Grundlage für unser Leben. Das weltweite Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum verstärkt den Druck auf die natürlichen Ressourcen wie Rohstoffe, Flächen und die biologische Vielfalt. Deshalb wird ein schonender und gleichzeitig effizienter Umgang mit natürlichen Ressourcen zu einer Schlüsselkompetenz zukunftsfähiger Gesellschaften.

Um die Umwelt und die Ressourcen zu schonen, ist es wichtig, aktiv zur Müllvermeidung und allgemeinen Reduzierung von schnelllebigen Kunststoffartikeln beizutragen.
Der beste Abfall ist der, der gar nicht erst anfällt. Dazu muss Müllvermeidung attraktiver werden und in allen Lebensbereichen der Gesellschaft als Beitrag zum aktiven Umweltschutz an Popularität gewinnen.

Unsere Lösung ist das Tiffin Projekt. Im Rahmen des Projekts wollen wir den Take-Away Bereich nachhaltig verändern und müllfreier gestalten. Im Mittelpunkt steht eine robuste, mehrlagige Stapelbox aus Edelstahl: die sogenannte Tiffin Box. Die Inspiration und der Name für das Tiffin Projekt kommt aus Indien. Hier werden bereits seit über 100 Jahren täglich über 200.000 Essen in den Tiffin ausgeliefert.

Der Edelstahlbehälter soll also in Zukunft schädliche Einwegverpackungen in Partnerrestaurants ersetzen und trotzdem die Spontanität des Take-Away erhalten. Denn hinter dem Tiffin Projekt steckt ein Leihsystem – nach kurzer Registrierung oder gegen ein Pfand kann die Box unkompliziert direkt im Restaurant geliehen und nach ausreichend Zeit wieder zurückgebracht werden. Der Erwerb einer eigenen Tiffin Box ist daher nicht notwendig, aber dennoch möglich.

Den Kunden ermöglichen wir auf diese Weise nachhaltigen Konsum ohne Mehrkosten, denn die Teilnahme am Tiffin Projekt ist für Take-Away Kunden kostenfrei.

Neben dem Umweltaspekt spielt auch die Gesundheit eine wichtige Rolle. Durch die Verwendung von Edelstahl als Alternative zu Kunststoffbehältern, bleibt das Essen schadstofffrei und gesund. Gerade bei heißen und säurehaltigen Speisen ist das besonders wichtig, denn hier besteht die Gefahr, dass die in der Verpackung enthalten Schadstoffe, allen voran die weit bekannten Weichmacher, in die Nahrung migrieren.

In Kanada, in Großbritannien und in der Schweiz gibt es bereits ähnliche Initiativen, die uns als Inspiration und Vorbild dienen und durch ihre Erfahrung über wertvolle Informationen verfügen.

Es wird Zeit auch Deutschland müllfreier zu gestalten! Um das Projekt Realität werden zu lassen, läuft derzeit eine Crowdfunding Kampagne auf Startnext.

Mit dabei ist bereits das Restaurant dabbawalla – Ayurveda deli Berlin in Berlin-Schöneberg. Hier kann die Tiffin Box schon jetzt erworben und getestet werden.

Mustafa Demirtas entschied sich nach langjähriger Erfahrung im Marketing und Produktmanagement sein eigenes Unternehmen zu gründen. Seit Anfang 2014 setzt er sich mit seinem Start-Up ECO Brotbox für einen nachhaltigeren Lebensstil ein und will jetzt zusammen mit Projektleiter Hendrik Raufmann das Tiffin Projekt zur Müllreduzierung ins Leben rufen.




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