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Meinung der Woche
29. Mai 2017

Klima- und Naturschutz gleichberechtigt sehen

Nach wie vor gibt es beim Ausbau der Windenergie Konflikte. Das neue NABU-Positionspapier zur naturverträglichen Nutzung der Windenergie an Land und auf See gibt Empfehlungen wie diese Konflikte gelöst werden können, damit die Energiewende weiter voranschreiten kann. Der Klimaschutz darf nicht gegen den Naturschutz ausgespielt werden – und umgekehrt.

Inga Römer NABU Referentin

Inga Römer NABU Referentin
Inga Römer engagiert sich als NABU Referentin für die naturverträgliche Energiewende. (Foto: Sevens + Maltry - NABU)
Inga Römer engagiert sich als NABU Referentin für die naturverträgliche Energiewende. (Foto: Sevens + Maltry - NABU)

15.05.2017 – Um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen, brauchen wir bis 2050 den Ausstieg aus den fossilen und einen Ausbaupfad hin zu 100% Erneuerbare Energien. Der erste richtige Schritt auf diesem Weg muss die Senkung des Gesamtenergieverbrauchs, durch Energieeinsparung und Steigerung der Effizienzpotenziale in allen Bereichen sein. Dies erfordert eine gesellschaftliche Transformation sowie den Umbau des Energiesystems, und ist folglich eine systemische, verhaltensbezogene und kommunikative Herausforderung.

Dass wir in Deutschland die Energiewende und vor allem die Windenergie brauchen, da sie zum aktuellen Zeitpunkt eine dominante Rolle für die Energieerzeugung spielt, steht außer Frage. Wir dürfen dabei aber den Klimaschutz nicht gegen den Naturschutz ausspielen.

Fest steht, dass in den letzten Jahren ein eher unkontrollierter Wildwuchs in der Fläche stattfand, der viele negative Auswirkungen auf die biologische Vielfalt zur Folge hatte. Auch für die Windbranche brachte das wenig Planungs-und Rechtsicherheit, sondern Fehlinvestitionen und juristische Streitigkeiten mit sich. Fazit: Die Praxis muss dringend auf den Prüfstand gestellt und naturverträglicher werden. Aus diesem Grund sind klarere Regeln zur naturverträglichen Energiewende und somit auch der Windenergie erforderlich.

Warum treten diese Konflikte überhaupt auf?

Das kann man anhand einiger Defizite innerhalb der Antrags- und Genehmigungspraxis begründen. Entweder es fehlt eine gute räumliche Steuerung. Es werden naturschutzfachliche Gutachten qualitativ schlecht durchgeführt oder mit einer schlechten bzw. pauschalisierten Konfliktbewertung der Genehmigungsbehörde überreicht.

Mitunter werden bei der Genehmigung naturschutzfachlich gravierende Konflikte übersehen, eventuell aus Mangel an Arbeitskräften oder fachlicher Kapazität oder aus politischem Druck. Viele Konflikte mit dem Naturschutz könnten relativ leicht behoben werden, und „beide Seiten“, also Projektierer und Naturschützer zufriedener stellen.

Das Kernziel sollte sein, dass naturschutzfachliche Belange qualitativ hochwertig und von Anfang an in die Planung integriert werden und damit auch eine höhere Planungs- und Rechtssicherheit für Planer gewährleistet ist.

Wie können diese Belange in die Planung von Anfang an integriert werden?

Genau das versucht das neue NABU-Positionspapier mit seinen Empfehlungen für die Praxis, für Naturschützer vor Ort aber auch für Windprojektierer, Regionalplaner und Genehmigungsbehörden zu beantworten. Denn danach muss neben anderen Aspekten schon bei der Regionalplanung angesetzt werden, die klar Eignungsgebiete mit Ausschlusswirkung ausweist. Neben der richtigen Standortwahl, muss auch die Qualitätssicherung und -kontrolle der naturschutzfachlichen Überprüfungen verbessert werden.

Eine Form, die Qualität der Praxis zu verbessern wäre es, den Informationsfluss zwischen den Naturschützern vor Ort zu den Behörden als auch den Gutachtern zu fördern, denn das Know–How der Naturschutz-Experten vor Ort wird noch nicht genug genutzt. Und dabei wäre Kooperation hier für beide Seiten gewinnbringend und qualitätssteigernd.

Einerseits ist es ein logistisches, strukturelles Problem. Andererseits gibt es von Seiten der Naturschutz-Experten vor Ort auch eine begründete Skepsis gegenüber Windprojektieren bzw. den Gutachtern, die die Erstgutachten für die Windprojektierer erstellen müssen. Und umgekehrt herrschen genauso Vorurteile und Frustration. Da werden Daten nicht herausgegeben und Wissen nicht weitergleitet. Verständlicherweise, denn es gab und gibt immer wieder negative Beispiele. Aber die Skepsis und Frustration auf beiden Seiten hilft keinem weiter und schon gar nicht dem weiteren Voranschreiten der Energiewende, folglich müssen Lösungen gefunden werden.

Denn Klimaschutz bedingt Naturschutz und umgekehrt – beide sind nicht voneinander zu trennen. Aus diesem Grund müssen auch besonders „windenergiesensible“ Arten geschützt werden und Ökosysteme und ihre Leistungen und vor allem ihre Resilienz gegen den Klimawandel gestärkt werden. Es ist dringend notwendig, dass sich alle Akteure früh genug an einen Tisch setzen und für alle Seiten akzeptable Kompromisse finden – um Distanz zu unsachlichen Behauptungen zu schaffen. Das würde auch helfen, das öffentliche Image zu stärken und zu verbessern.

Das NABU-Positionspapier „Naturverträgliche Nutzung der Windenergie an Land und auf See“ zum Download

Video zum naturverträglichen Ausbau der Windenergie

Inga Römer engagiert sich beim NABU für die naturverträgliche Energiewende. Zusammen mit den Akteuren der Energiewende und den NABU Kollegen und Kolleginnen aus der lokalen und regionalen Ebene diskutiert und versucht sie Lösungen dafür zu finden wie der Ausbau der Erneuerbaren naturverträglich erfolgen kann.




Kommentare

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Eitel Heck 30.05.2017, 12:57:47

+272 Gut Antworten

Der Anteil des flukturierenden Windstroms am Strommix 2016 betrug12,3%.

Der Vorstansvorsitzende von RheinEnergie teilte in einem Interview mit, dass herkömmliche Kraftwerke noch zwei bis drei Jahrzehnte benötigt werden, solange keine bezahlbaren Groß- und Langzeitspeicher für überschüssigen Wind- und Sonnenstrom zu Verfügung stehen. Da Windstrom seit über 15 Jahren produziert wird, ist das Problem der Speicherung des überschüssigen, flukturierenden Windstoms seit langer Zeit bekannt.

Der Erntefaktor R einer Energietechnik wird wie folgt berechnet

 

gelieferte Energie im Verhälnis zu

------------------------------------------------------------

Bau, Betrieb, Instandhaltung und Außerdienststellung benötigte Exergie

Exergie ist der Anteil der Energieoption, der in makroskopisch geordnete Energie umgewandelt werden kann.Der Erntefaktor vergleicht die Exergie, die ein Kraftwerk über seine gesamte Lebensdauer liefert, mit der, die zu seiner Konstruktion, seinem Betrieb, der Anschaffung von Brennstoff etc.notwendig ist.

Erntefaktoren:

fossile Energiequellen ca.30

,Kernkraftwerke mit Druckwasserreaktoren ca.75,

Dual Fluid Kernreaktor(deutsches Patent): erreichbar wäre 2000,durch hochkompakten einfachen Baus, Nutzung von Prozesschemie und herkömmlichen Atommülls zur Energieerzeugung.

Bei der diffusen Sonneneinstrahlung in Deutschland( ca.120W/m2 Zustrahlung) und der energieintensiven Rohstoffkette zur Herstellung der Solarzellen und Investitionen für Stromspeichertechnologie wird bei Solaranlagen ein Erntefaktor von möglicherweise nur 3 erreicht.

Berechnet man alle Investitionen zur Realisierung von Windkraftanlagen(Stahlerzeugung, Stromtrassen, Investitionen für Stromspeichertechnologien) im Verhältnis zur Stromerzeugung erreicht man einen Erntefaktor erheblich unter dem Erntefaktor für fossile Energiequellen( E=30),

Johannes Kluth 02.06.2017, 19:56:35

+274 Gut Antworten

In Chile wird Solarstrom mit 2,9 Cent/kWh vergütet. Die Herstellungstechnologie für Solarzellen hat sich dramatisch verbessert. Solarzellen haben an guten Standorten in einem Jahr ihre Herstellungsenergie wieder eingespeist. Daher ist der Erntefaktor eher 10 x höher als von Ihnen veranschlagt.

 

WEA an der Küste haben in 3 Monaten ihre Produktionsenergie wieder eingespeist.

Eitel Heck 03.06.2017, 11:38:03

+287 Gut Antworten

zu Johannes Kluth

der von mir dargestellte Erntefaktor für Photopholtaik, nicht von mir sondern von Wissenschaftlern berechnet, bezieht sich auf die diffuse Sonneneinstrahlung in Deutschland im Zeitmittel von 120W/m2.

Der größte Teil Chiles befindet sich in einer subtropischen Region mit wesentlich besserer Sonneneinstrahlung gegenüber Deutschland.

Deshalb ist der von Ihnen dargestellte Erntefaktor für Solaranlagen in Chile wesentlich besser als im Zeitmittel in Deutschland.

In einigen Kommentaren in diesem Portal habe ich darauf hingewiesen, dass die kaum bewohnte Sahara-Wüste in Nordafrika sich durch die gute Sonneneinsztrahlung als Standort für den Bau von Solarthermikraftwerken der Europäischen Union anbietet.

Offensichtlich plant ein europäischer Energiekonzern den Bau solcher Solarkraftwerke in Nordfrika.

Zur Stromversorgung von Italien und evtl. anderer europäischer Länder soll ein Seekabel durchs Mittelmeer gebaut werden.


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