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Meinung der Woche
04. September 2017

Klimaschutz und Verkehr

Die Debatte um den Abgasskandal und die Zukunft unserer Mobilität wird immer mehr zum Wahlkampfthema. Das ist gut so, denn hier gibt es tatsächlich deutliche Unterschiede zwischen den Parteien – und am 24. September entscheiden die Wähler endlich darüber, welche Richtung eingeschlagen wird.

Dr. Toni HofreiterFraktionsvorsitzenderBündnis 90/DIE GRÜNEN

Dr. Toni HofreiterFraktionsvorsitzenderBündnis 90/DIE GRÜNEN
Dr. Toni Hofreiter ist Fraktionsvorsitzender der Partei Bündnis 90/DIE GRÜNEN im Deutschen Bundestag. (Foto: © Rainer Christian Kurzeder)
Dr. Toni Hofreiter ist Fraktionsvorsitzender der Partei Bündnis 90/DIE GRÜNEN im Deutschen Bundestag. (Foto: © Rainer Christian Kurzeder)

04.09.2017 – Den meisten ist ja klar: Die Autoindustrie steht vor dem größten Veränderungsprozess ihrer 125-jährigen Geschichte. Auf der einen Seite versuchen die Status Quo-Bewahrer, die Herausforderung zu ignorieren und wollen lieber Schutzzäune um ein veraltetes Geschäftsmodell ziehen. Doch diese Strategie ist gefährlich: Sie setzt die Gesundheit der Menschen weiter aufs Spiel, verweigert sich dem Klimaschutz und der Zukunft für die Autobranche. Denn: Für die Arbeitsplätze der Zukunft dürfen deutsche Hersteller den Anschluss an zukunftsfähige Antriebstechnologien nicht verlieren. Der Diesel von heute ist die Postkutsche von morgen.

Wir wollen, dass ab 2030 nur noch abgasfreie Autos neu zugelassen werden. Das Signal braucht die Industrie, um riesige Investitionen in die richtige Richtung zu lenken. Denn auch innerhalb der Industrie streiten sich ja die Manager um den zukünftigen Weg. Und die Weitsichtigen hoffen auf klare politischen Vorgaben, um gute Argumente zu haben für den aufwendigen Umbau. Wenn wir wollen, dass wir bis 2050 den C02 Gehalt auch im Verkehr drastisch sinkt, dürfen ab 2030 eben nur noch die bis dahin angeschafften Benziner und Diesel ausrollen. Neuwagen brauchen alternative Antriebe. Und natürlich wollen wir, dass die Verkehrswende mit der Energiewende und dem stetigen Ausbau der Erneuerbaren Energien Hand in Hand geht. Denn schließlich sollen auch E-Autos ohne Kohlestrom rollen. Wir wollen deshalb ab 2030 auch keine Energie mehr aus Kohlekraftwerken produzieren. Und wir wollen bei batterie-betriebenen Autos auf strenge Recycling-Verfahren achten. Diese Mischung an Maßnahmen ermöglicht es, für alternative Antriebe eine saubere Öko-Bilanz hinzulegen.

Diesem Ziel sollten wir uns Schritt für Schritt nähern, mit sinkenden Schadstoff-Grenzwerten, die der Industrie klare Signale senden: Es wird Zeit für die Umstellung. Dazu gehört auch der Abbau umweltschädlicher Subventionen: Eine schlecht gemachte Kaufprämie für emissionsfreie Fahrzeuge kann nicht funktionieren, wenn gleichzeitig mehr als 7 Mrd. Euro pro Jahr für die Förderung von Dieselfahrzeugen draufgehen. Deshalb müssen die Dieselsubventionen schrittweise abgebaut werden. Das gesparte Geld können wir besser in moderne Mobilität investieren, Zum Beispiel in den Mobil Pass, der sämtliche öffentlichen verkehre miteinander verknüpft, bequem handhabbar und für jeden bezahlbar.

Um schneller eine flächendeckende Ladeinfrastruktur für E-Mobilität aufzubauen, brauchen wir ein schnell wirksames Bundesprogramm. Es muss Standards geben für Stecker und Preise und ein flächendeckendes Angebot. All das ist Aufgabe der Bundesregierung. Und sie kann im öffentlichen Nahverkehr gleich mit gutem Beispiel vorangehen. Wir brauchen eine Beschaffungsoffensive für öffentliche Fuhrparks, emissionsarme Busse und Taxis. Es muss darum gehen, Städte insgesamt zu entlasten. Dazu wollen wir auch Car-Sharing auf der Basis von Elektroautos fördern. In einem Zukunftsprogramm Nahverkehr wollen wir die Bundesmittel auf eine Milliarde Euro jährlich erhöhen. Das ermöglicht größere Investitionen in den Ausbau des Nahverkehrsangebots. Und natürlich gehört es auch zur Verkehrswende, dass der Bund mehr Mittel für den Ausbau eines sicheren Radverkehrs bereitstellt.

Deutschland hat sich in Paris auf internationale Klimaziele verständigt. Jetzt müssen den Worten endlich Taten folgen. Die Kanzlerin kann die Klimakrise nicht aussitzen – die nächste Bundesregierung muss endlich loslegen. Die Verkehrswende und die Modernisierung der Autoindustrie sind dafür enorm wichtig. Wir können als große Industrienation zeigen, wie Wirtschaft und Umwelt in ein besseres Gleichgewicht gebracht werden. Zum Wohl der Menschen, der Umwelt und der Arbeitsplätze in einer für Deutschland zentralen Industrie. Wir wollen, dass Deutschland zum Schaufenster wird für Umwelt- und Effizienztechnologie.

Dr. Toni Hofreiter ist Fraktionsvorsitzender der Partei Bündnis 90/DIE GRÜNEN im Deutschen Bundestag.




Kommentare

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Eitel Heck 04.09.2017, 13:19:50

+566 Gut Antworten

Bei den grünen Politikern fehlt die Kreaktivität bei der Formulierung der Forderungen.

So wie bei den EEG-Forderungen die effizienten Flugwindanlagen fehlen, die sich in großtechnischer Erprobung befinden, wird die Ökologie bei E-Autos mit Lithium-Ionen-Batterien nicht korrekt dargestellt. Die gegenwärtigen E-Autos sind bei weitem nicht so umweltfreundlich, wenn die Rohstoffkette zur Herstellung der Batterien betrachtet wird.Obwohl die Rohstoffherstellung sich im Ausland befindet, kann die Umweltbelastung nicht negiert werden.

Die Herstellung von Lithium, Kupfer, Kobalt, Mangan und Nickel als Rohstoffe für die Batterien ist energieintensiv und umweltbelastend, wobei auch Treibhausgasemission zu verzeichnen ist.

Als Alternative zu E-Autos und Autos mit Wasserstoff-Brennstoffzellen mit dem teuren Platin als Katalysator stelle ich hiermit die Hydrazin-Brennstoffzelle vor, die aber in das Förderprogramm der Bundesregierung zur Erlangung der Produktionsreife aufgenommen werden muss.

Die grünen Politiker sollten sich inhaltlich mit dieser Brennstoffzelle befassen.

Diese Brennstoffzelle weist gegenüber Verbrennungsmotoren und E-Autos eine höhere Energiedichte und damit einen höhere Reichweite nach Auftankung bzw. Aufladung auf.

Gegenüber E-Autos noch weitere Vorteile:

schnelle Auftankung,

keine umweltbeeinflussende und energieintensive Rohstoffe wie Lithium und Kupfer,

niedrige Produktionskosten,

keine Explosionsgefahr wie bei der Batterie,

Durch einen entsprechenden Zapfhahn und die schnelle Zersetzung des Hydrazins beim Austreten wird die Toxizität von Hydrazin nicht wirksam,

gut einzuordnen in die Infrastruktur,

Emissionsprodukte Stickstoff und Wasserdampf, während in der Rohstoffkette zur Herstellung der Batterien CO2- und SO2-Emission festzustellen ist.

Rudolf Tarantik 06.09.2017, 07:30:18

+539 Gut Antworten

Bei der CSU, CDU, FDP, SPD ist nur effektive Destruktivität der Energiewende zu erkennen.

Eitel Heck 06.09.2017, 12:10:44

+528 Gut Antworten

zu Rudolf Tarantik,

aus Ihren Kommentaren ist für mich erkennbar, dass sie aus fachlicher Sicht die Energieerzeugungstechnologien nicht bewerten können.

Ihre Kommentare sind allgemein und phrasenhaft.

-Fexibilisierung und Sektorekopplung ohne sie spezifisch hinsichtlich des Einflusses auf die Speichertechnologien erklären zu können.

Ich weise mit meinem Kommentar auf die enegieintensive und umweltbelastende Rohstoffkette zur Herstellung der Lithium-Ionen-Batterien hin und stelle die kostengünstige Hydrazin-Brennstoffzelle ohne Treibhausgasemission vor und sie antworten mit Ihrem Kommentar:

Bei CDU,SPD,CSU und FDP ist nur effektive Destruktivität der Energiewende zu erkennen.

Wenn die grünen und linken Politiker keine effizienten Technologiealternativen zur Energiewende erkennen und nicht realisierbare Forderungen stellen, weil ihnen möglicherweise auch wie bei Ihnen das Fachwissen fehlt, machen sie sich mitschuldig, wenn Deutschland die Klimaziele gemäß Pariser Vereinbarung nicht erfüllt.

Rudolf Tarantik 07.09.2017, 09:25:47

+479 Gut Antworten

Herr Heck,

 

vielleicht nur zwei Beispiele, die Sie dann endlich auch fachlich verwerten können, falls Ihnen logische Zusammenhänge zu phrasenhaft vorkommen:

 

Solarturmkraftwerk in Australien, 5,26 Ct/KWh mit Salzspeicher.

 http://www.iwr.de/news.php?id=34316

 

Lumenion  Speicher-Blockheizkraftwerke bis zu 600 Grad.

 http://lumenion-energy.com/produkt

Eitel Heck 08.09.2017, 10:01:50

+593 Gut Antworten

Herr Tarantik

Sie stellen 2 effiziente Beispiele der Energieerzeugung vor, die ich befürworte.

Auf die Bedeutung von Solarthermiekraftwerken, darunter Solarturmkraftwerke, habe ich in diesem Portal hingewiesen.

Die Entscheidung zum Bau eines Solarturmkraftwerkes in Südaustralien wurde im Ergebnis der Stromkrise getroffen.

Darüber gibt es einen Artikel in diesem Portal, zu dem ich einen Kommentar abgegeben habe.

Da Sie ein Blockheizwerk erwähnen, stelle ich auch ein Beispiel vor:

Das Kraftwerk Prenzlau besteht aus 3 Windkraftanlagen mit jeweils 2,3 MW und einer 500-kW-Elektrolyseanlage, die den überschüssigen elektrischen Strom für die Erzeugung von Wasserstoff nutzt.

Zwei Blockheizwerke werden mit einem Gemisch aus Biogas und Wasserstoff betrieben.

Sowohl die 2 Blockheizwerke, als auch die Windkraftanlagen liefern Strom.

Das ist ein gutes kleinflächiges Ergebnis. Trotzdem ist das Problem bezahlbarer Groß- und Langzeitspeicher für überschüssigen Strom als Voraussetzung für 100% erneuerbare Stromerzeugung noch nicht gelöst.

Rudolf Tarantik 08.09.2017, 21:43:46

+595 Gut Antworten

Herr Heck,

 

sicherlich ist Ihnen bekannt, dass ganz viele kleinflächige, dezentrale Massnahmen (Ihr Beispiel Penzlau und tausende andere, bereits realisierte BHKW, und viele sonstige Techniken) die Energiewende schrittweise komplettieren. Beispiel: Immerhin produzieren 1,5 Mio. Solaranlagen 7% des Stroms in D. Diese Stückzahlen haben zu einer Kostendegression von 120 Ct. auf 6 Ct. pro KWh bewirkt. Bei Grosstechnik gibt es keinerlei vergleichbare Kostendegression.


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