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Meinung der Woche
27. Februar 2017

Kombi-Lösungen für die Energiewende: Mit Bio und Solar

Aus der Energiewende ist in Deutschland noch keine Wärmewende geworden. Nicht einmal jede achte Kilowattstunde stammt auf dem deutschen Wärmemarkt aus Erneuerbaren Energien. Diese magere Bilanz zieht die deutsche Energie- und Klimabilanz in den Keller. Dort aber, im Heizungskeller, so wird es oft beschworen, muss die Wärmewende stattfinden.

Alexander KnebelPresse- und ÖffentlichkeitsarbeitAgentur für Erneuerbare Energien e.V.

Alexander KnebelPresse- und ÖffentlichkeitsarbeitAgentur für Erneuerbare Energien e.V.
Alexander Knebel, Referent Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Agentur für Erneuerbare Energien e.V. (Foto: AEE)
Alexander Knebel, Referent Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Agentur für Erneuerbare Energien e.V. (Foto: AEE)

27.02.2017 – Doch nicht nur dort. Denn Deutschlands Dächer bieten sich für die Wärmewende an. Sie stehen für die Unterstützung der Erneuerbaren Energien im Heizungskeller bereit. Mit einer Kombination von Bioenergie und Solartechnik lässt sich die Kraft der Sonne doppelt nutzen. Und dafür ist bei Gemeinschaftsprojekten nicht einmal der Heizungskeller notwendig.

Bioenergie ist gespeicherte Sonnenenergie. Bei einer Entscheidung für eine Kombi-Lösung aus Solar- und Bioenergie muss zwar erst einmal durch den Kauf zweier miteinander verbundener Heizsysteme Geld in die Hand genommen werden. Es bieten sich aber viele Vorteile: Eine Solaranlage - sei es über die Stromproduktion durch Photovoltaik oder über die Wärmeerzeugung mit Solarthermie - kann in Kombination mit einem Biomassekessel dessen Holzbedarf kräftig senken. Das sorgt für geringere Betriebskosten. Zudem schont die Kombination mit einem Biomassekessel dessen Komponenten. Und anders als die Einbindung fossiler Heizsysteme schafft eine Bio-Solar-Kombi weitgehende Klimaneutralität.

Förderung fossiler Energie endlich beenden

Doch trotz Investitionszuschüssen fehlt es noch am Durchbruch der Bio-Solar-Kombilösungen. Das liegt nicht zuletzt am nach wie vor ungleichen Wettbewerb mit den fossilen Energien. Die Ankündigung von Bundeswirtschafsministerin Brigitte Zypries, endlich Schluss machen zu wollen mit der staatlichen Förderung fossiler Heizungssysteme, geht in die richtige Richtung. Sie muss nun konkreter werden. Und weitere Schritte müssen folgen. Dazu gehört die gerechte Bepreisung des Klimakillers Kohlendioxid. Dann wird es für die Verbraucher noch attraktiver, in Erneuerbare Energien fürs Heizen zu investieren.

Das gilt sowohl für Kombilösungen der Bioenergie mit Solarthermie wie auch mit der Photovoltaik: Bei Wärmepreisen unterhalb der Marke von 10 Cent/kWh ist es momentan meist billiger, die Heizenergie aus einer klassischen Wärmequelle zu beziehen und den Solarstrom stattdessen ins Stromnetz einzuspeisen. Denn für typische, neu installierte Aufdachanlagen werden rd. 12 Cent/kWh an Einspeisevergütung für die Photovoltaik gezahlt.

Abzuwarten bleibt, wie sich die Nutzung von Solarstrom als Wärmequelle bei steigenden fossilen Heizenergiepreisen rechnet. Angesichts der starken Schwankungen der Preise für fossile Energien und dem aktuell niedrigen Preisniveau bei Öl und Gas ist mit einem Anstieg der fossilen Energiepriese zu rechnen. Zudem werden weiter sinkende Kosten für Batteriespeicher erwartet. Unter dieser Voraussetzung ist für den kombinierten Einsatz von Photovoltaik und Batteriespeicher mit verbesserter Wirtschaftlichkeit in den kommenden Jahren zu rechnen.

Vom Stromkonsumenten zum Produzenten

Solarenergie und Biomasse dürften künftig auch eine wichtige Rolle bei der stärkeren Verknüpfung von Strom- und Wärmemarkt spielen. Der Trend zum „Prosumer“, dem Stromkunden, der gleichzeitig Energie am Markt Energie anbietet, kann für eine wachsende Einbindung der Photovoltaik in Wärmelösungen sorgen, sei es durch die direkte Nutzung des Solarstroms im Gebäude oder über den Weg der Wärmepumpe. Für den Verbraucher vor Ort bringt dies konkrete Vorteile durch eine klimaschonende und günstige Energieversorgung.

Holz sparen durch Solarthermie auf dem Dach

Der klassische und weiterhin bewährte Weg für Kombilösungen mit Bioenergie ist die Solarthermie. Bis zu 60 Prozent der Energienachfrage für Warmwasser lassen sich bei Ein- und Mehrfamilienhäusern mit Solarthermieanlagen decken. Außerdem können Solarthermieanlagen bei ausreichender Größe Heizenergie liefern. Wichtig ist daher ein genügend großer Pufferspeicher zur Speicherung der in sonnenreichen Stunden gewonnenen Wärme. Auf diesen können Bioenergie und Solarthermie gemeinsam zurückgreifen. Bei den Brennstoffkosten lassen sich durch eine Solar-Bio-Kombi hohe Einsparungen erzielen, wie in einem AEE-Hintergrundpapier dargestellt ist. In den Vergleich fließt auch die höhere Effizienz des modernen Pelletkessels gegenüber dem veralteten Ölkessel ein.

Löst man sich von der traditionellen Vorstellung, die Heizenergie müsse aus den eigenen vier Wänden kommen, sind weitere attraktive Kombi-Lösungen von Bio- und Solartechnik möglich. Nahwärmenetze können Hunderte Haushalte in eine Heizzentrale einbinden, die umgeben ist von den Kollektoren einer Solarthermieanlage. So geschieht es in dem von einer Naturstrom-Tochter betriebenen Nahwärmenetz im fränkischen Hallerndorf ebenso wie im Nahwärmeverbund Neuerkirch-Külz in Rheinland-Pfalz, der im kommunalen Eigenbetrieb läuft. Vorbild für solche Verbundlösungen ist Dänemark.

Insgesamt steuert die Bioenergie fast die Hälfte zur dänischen Nah- und Fernwärmeversorgung bei. Als Biomasse-Rohstoff nutzen die Dänen nicht nur Holzprodukte wie Hackschnitzel. Auch Stroh ist ein gern genutzter Wärmeträger. Diese gute Nachfrage spielt sich ab vor dem Hintergrund klarer staatlicher Vorgaben, die fossile Energien eindämmen. Der Erfolg der Erneuerbaren Energien zum Heizen in Dänemark zeigt, dass die Wärmewende möglich ist – man muss sie nur wollen.

Alexander Knebel ist Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der Agentur für Erneuerbare Energien e.V. (AEE).




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